Als der VfL Wolfsburg nach seiner besten Saisonleistung vom gegnerischen Publikum gefeiert wurde und sich die Fans von Besiktas um die Trikots der Niedersachsen rissen, durfte sich der Meister endgültig als würdiger Vertreter des deutschen Fußballs auf der europäischen Bühne fühlen.

Mit dem 3: 0 (1:0)-Sieg beim türkischen Double-Gewinner hatten sich die "Wölfe" nicht nur eine glänzende Ausgangsposition auf dem Weg ins Achtelfinale der Champions League geschaffen, sondern auch die Ehre der Bundesliga in der "Königsklasse" gerettet.

"Noch nie erlebt"

Während knapp 2000 km entfernt der schwächelnde FC Bayern von den eigenen Fans ausgepfiffen wurde, entfachte der VfL am Bosporus sogar bei den Anhängern des Rivalen Begeisterung.

"Von den gegnerischen Fans derartig bejubelt zu werden, habe ich noch nicht erlebt. Das ist schon etwas Besonderes", sagte Spielmacher Zvjezdan Misimovic und schwärmte von der Gänsehaut-Atmosphäre im Inönü-Stadion.

"Wolfsburg, Wolfsburg"-Rufe

Dass Wolfsburg nach dem zweiten Sieg im vierten Gruppenspiel nun die bei weitem besten Aussichten der drei deutschen Champions-League-Teilnehmer auf den Einzug in die K.o.-Runde hat, nutzte der Bosnier gleich zu einer generellen Kampfansage: "Wir wollen auch in den kommenden Wochen beweisen, dass der Meistertitel keine Eintagsfliege war. Ich denke, wir können den Schwung jetzt mit in die nächsten Bundesligaspiele nehmen."

Wie Misimovic empfanden auch die anderen VfL-Spieler die "Wolfsburg, Wolfsburg"-Rufe der 30.000 Besiktas-Fans als besondere Auszeichnung für ihre Galavorstellung. "Es ist schon eine besondere Situation für den Verein, wenn wir im Ausland so gefeiert werden. Das geht einem unter die Haut", äußerte Abwehrspieler Alexander Madlung.

ManUnited kann sich warm anziehen

Derweil blickte Nationalspieler Christian Gentner schon einmal voraus auf das vorentscheidende Spiel in drei Wochen bei ZSKA Moskau: "Das Wichtigste ist, dass wir das Erreichen des Achtelfinals weiter selbst in der Hand haben. Mit einem Punkt in Moskau können wir die Sache perfekt machen."

Selbst Spitzenreiter Manchester United sollte sich angesichts des schier grenzenlosen Wolfsburger Selbstbewusstseins für das Aufeinandertreffen am 8. Dezember schon einmal warm anziehen. Gentner: "Zu Hause können wir jeden schlagen - auch ManU."

Starker VfL

Als Tabellenzweiter mit drei Punkten Vorsprung auf ZSKA würde dem Bundesliga-Siebten ein Unentschieden am fünften Spieltag zum vorzeitigen Weiterkommen genügen. "Das wollen wir jetzt natürlich mit aller Macht schaffen", sagte Trainer Armin Veh, der sein Team gegenüber dem jüngsten 3:3 in der Liga gegen Mainz 05 kaum wiedererkannte: "Die Mannschaft hat in diesem Spiel mal wieder gezeigt, zu was sie eigentlich fähig ist", so der Coach.

Vor allem im ersten Durchgang spielten die Gäste den Istanbuler Traditionsclub geradezu an die Wand. Lediglich die Chancenverwertung ließ zunächst noch zu wünschen übrig, sodass die Pausenführung durch ein Tor von Misimovic (14. Minute) deutlich zu niedrig ausfiel. "Das war ganz klar unsere beste Halbzeit in dieser Saison", meinte Gentner, der mit seinem Treffer zum 2:0 (80.) für eine Vorentscheidung sorgte. Drei Minuten vor Schluss machte Edin Dzeko (87.) mit dem 3:0 alles klar.

"Damit haben wir einen großen Schritt Richtung Achtelfinale gemacht", sagte Dzeko anschließend. Dass zumindest der dritte Gruppenplatz und damit die Qualifikation für die K.o.-Runde der Europa League durch den Sieg bereits sicher ist, sah man beim VfL als zusätzlichen Ansporn, wie Veh erklärte: "Das ist auf jeden Fall schon ein Erfolg, aber eins ist ganz klar: jetzt wollen wir mehr."