Köln - Vor diesem Spieltag belegte der VfL Wolfsburg einen für seine Ansprüche unbefriedigenden neunten Platz. Mit einem Spiel hat sich alles gedreht. Der VfL hat einen gewaltigen Satz gemacht, ist in die Top-Vier gesprungen (zur Tabelle). Auch dank eines entfesselt spielenden Max Kruse.

Mit seinem ersten Dreierpack in seiner gesamten Profikarriere katapultierte Kruse die Wölfe wieder in reichweite der Champions-League-Plätze. Der 4:2-Erfolg über Hoffenheim, eine leidenschaftliche Mannschaftsleistung der Niedersachsen, aber in erster Linie eine großartige Leistung des vor der Saison von Borussia Mönchengladbach in die Autostadt gewechselten Offensivspielers. "Das war nur der Anfang", drohte er der Konkurrenz nach dem Spiel. Dazu hatte er auch allen Grund, schließlich spielte er furios auf.

Blick zurück: Vor dem Brustlöser gegen Hoffenheim war Kruse in dieser Bundesliga-Saison torlos, hatte auch nur eine Torvorlage gegeben. Einzig in der ersten Runde des DFB-Pokals hatte er getroffen, in den letzten Wochen war leichte Kritik am Neuzugang aufgekommen. Gegen diese wehrte er sich nun: "Ich habe auch in den vergangenen Wochen schon vernünftige Leistungen gebracht, auch wenn das nicht in Tore gemündet ist."

Mit Hecking Plan ausgeheckt

© DFL DEUTSCHE FUSSBALL LIGA / Streubel

Vor diesem Spieltag stand das Wolfsburger Mittelfeld bei zwei Toren – nur Ingolstadt war schwächer (ein Tor). Nur: Der Aufsteiger spielt in seinem 4-3-3 nur mit drei Mittelfeldspielern, Wolfsburg im 4-2-3-1 in der Regel mit fünf. Eine klare Schwachstelle. In der letzten Saison schoss der VfL noch 32 Tore durch Mittelfeldspieler, allein zehn davon schoss Kevin De Bruyne.

Nach dem Erfolg gegen Hoffenheim ist diese Quote mit einem Mal auf fünf Tore gestiegen. Dank Max Kruse, der mit seinem Coach Dieter Hecking einen Plan ausgeheckt hatte. Noch am Freitag hatte der Trainer ein kurzes Einzelgespräch mit Kruse geführt und seinem Profi dabei eine neue Rolle erklärt. Er solle künftig etwas weiter vorne spielen, quasi als zweite Spitze neben Dost. "Das hat gut funktioniert", sagte Kruse. Alle drei Tore schoss er aus dem laufenden Spiel, auch seine einzige Vorlage gab er ohne die Unterstützung eines ruhenden Balles. Das zeigt, wie wichtig der 27-Jährige für das Spiel des VfL ist.

Kreative Elemente durch Kruse und Draxler

Ohne einen gefährlichen Kruse ist das Offensivspiel der Wölfe zur Zeit recht leicht auszurechnen (Standards und Flanken auf Bas Dost). Erst durch Kruse (und natürlich Julian Draxler, der die ersten beiden Tore aufgelegt hat) kommen die kreativen Elemente ins VfL-Spiel. "Dieser Sieg war sehr wichtig, weil die letzten Wochen von den Ergebnissen her nicht so waren, wie wir uns das vorgestellt hatten", sagte Draxler nach seiner bislang wohl stärksten Leistung für die Grün-Weißen. Drei Ligaspiele gewannen die Wölfe zuvor nicht und drohten endgültig ins Mittelfeld abzurutschen. Nun kann man aufatmen.

Fazit: Ein funktionierendes Mittelfeld, in Form von einem stark aufspielenden Draxler und vor allem in Form von Max Kruse, ist für den VfL Wolfsburg überlebenswichtig. Es war ein Anfang für Max Kruse. "Sicherlich kein schlechter", wie er feststellte.

Dennis-Julian Gottschlich / deltatre