Köln - Drei spielentscheidende Tore in der Nachspielzeit. Drei Treffer, die dem Gegner keine Chance mehr lassen zu reagieren. So viele Last-Minute-Entscheidungen an einem Tag wie am Samstag des 21. Spieltags gab es in der Bundesliga noch nie.

Bas Dost setzte den Schlusspunkt auf ein spektakuläres Spiel und eine nicht weniger spektakuläre Schlussphase der Samstagsnachmittagsspiele. Nach exakt 92 Minuten und 59 Sekunden des Spiels zwischen Leverkusen und Wolfsburg (Spielbericht) erzielte Dost sein viertes Tor und damit das 4:5. 32 Sekunden zuvor hatte Sebastian Rudy die TSG Hoffenheim erlöst. 110 Sekunden früher machte sich Granit Xhaka in Mönchengladbach zum Derby-Held. Zuschauer der Bundesliga-Konferenz kamen kaum noch hinterher, als innerhalb von 142 Sekunden drei Bundesliga-Spiele entschieden wurden.

"Ein überragendes Gefühl"

"Das ist kein schönes Gefühl, das ist ein überragendes Gefühl", sagte Bas Dost nach dem Siegtreffer. "Ich hatte mich schon ein bisschen geärgert, dass ich drei Tore schieße und wir trotzdem nicht gewinnen. Da wollte ich unbedingt noch eins machen." Es ist ihm gelungen und durch den späten, aber optimalen Zeitpunkt hatte Bayer Leverkusen keine Chance mehr, darauf zu antworten. Ebensowenig wie der 1. FC Köln, dessen Traum von Punkten im rheinischen Derby kurz vor Schluss zerplatzte. Sehr zur Freude von Siegtorschütze Granit Xhaka. "Ich gewinne lieber so ein Derby in der 90. Minute mit 1:0 als mit 5:0", sagte der Schweizer nach seinem Siegtor im Interview.

Dass die Freude bei den Last-Minute-Entscheidungen übersprudelt, bekam auch Sebastian Rudy zu spüren. "Das war an Dramaturgie ja kaum zu überbieten", sagte der TSG-Spieler. Sein Kapitän Andreas Beck beschrieb den Jubelhaufen der 1899er noch etwas präziser: "Wir haben ihn fast erdrückt, er hat erstmal keine Luft mehr bekommen", sagte Beck schmunzelnd. "Er wird sich auch heute noch einiges anhören müssen, weil er darüber gejammert hat." Er wird es sicherlich verkraftet haben.

Novum seit Beginn der Datenerhebung

In der kompletten Bundesliga-Historie seit 1963 gab es erst zwei weitere Spieltage mit drei derartigen späten Führungstreffern wie am 21. Spieltag in Leverkusen, Mönchengladbach und Sinsheim. Mit Sicherheit lässt sich aber sagen: Die drei Siegtreffer in der Nachspielzeit in drei verschiedenen Partien an einem Tag sind ein Novum seit Beginn der sekundengenauen Datenerhebung im Jahr 1992.

Denn am 5. Spieltag der Saison 2010/11 fielen zwar ebenfalls drei sehr späte Tore. Eins davon aber noch innerhalb der regulären Spielzeit. Und die späten Entscheidungen waren auf zwei Tage verteilt.

Es gibt nur einen Fall in der Bundesliga-Geschichte, der dem Samstag gleichen könnte. Am 25. Spieltag 1972/73 gab es in drei Spielen späte Führungstreffer in der 90. Minute. Zwischen 1963 und 1992 gab es aber noch keine sekundengenauen Datenerhebung und damit keine verlässliche Erhebung von Nachspielzeiten. Alle Treffer, die in diesem Zeitraum in der Nachspielzeit gefallen sind, wurden mit der 90. Spielminute erhoben.