München - Er lebt, der Traum von einem rein deutschen Champions-League-Finale - Auslosung sei Dank. Am Dienstag und Mittwoch wollen der FC Bayern München und Borussia Dortmund den Grundstein legen, um am 25. Mai in Wembley nach Europas Krone zu greifen (Di./Mi., ab 20:30 Uhr im Live-Ticker/Liga-Radio).

Damit aus dem Traum Wirklichkeit wird, müssen die beiden deutschen Vertreter aber jeweils eine äußerst schwere Aufgabe bewältigen. Während der BVB in Real Madrid auf einen alten Bekannten aus der Gruppenphase trifft, bekommt es der FC Bayern mit dem FC Barcelona zu tun - dem Schwergewicht im europäischen Club-Fußball.

"Bayern gegen Barcelona, das ist das Giganten-Treffen in der 'Königsklasse' des europäischen Wettbewerbs", sagte Jupp Heynckes, während sich Jürgen Klopp freute, dass es gegen den einzigen Gegner geht, "den wir in dieser Saison schon einmal geschlagen haben".

Doch wie hat die Borussia die "Königlichen" in der Gruppenphase besiegt und auf welche Weise können die Münchner dem FC Barcelona beikommen? bundesliga.de hat die Stärken und Schwächen der spanischen Top-Clubs analysiert.

Über den Kampf zum Erfolg

Aggressivität dürfte eines der Schlüsselwörter sein, die diese Duelle entscheiden könnten. Beim 2:1-Sieg der Dortmunder gegen Real konnte sich das "weiße Ballett" um Primoballerino Cristiano Ronaldo kaum entfalten. Nie musste Real in dieser CL-Saison mehr Zweikämpfe bestreiten (226) als im Signal Iduna Park. Auch beim 2:2 im Rückspiel ging die Klopp-Elf wieder entschlossen zur Sache (216). Dieses Pressing hatte zur Folge, dass die Madrilenen in Dortmund 49 lange Pässe schlagen mussten und nicht zu ihrem gewohnten Kombinationsspiel kamen.

Sehr gut im Griff hatten die "Schwarz-Gelben" beim Heimerfolg die Sturmabteilung. Zwar erzielte Ronaldo den zwischenzeitlichen 1:1-Ausgleich, die übrigen Angriffsspieler blieben ohne Torschuss.

Dem Tiki-Taka widerstehen

Eine ähnliche Strategie sollte der FC Bayern gegen den FC Barcelona an den Tag legen. Die Katalanen sind wegen ihres Tiki-Taka-Stils gleichermaßen berühmt wie berüchtigt, berauschen sich an Ballbesitz, der um die 70 Prozent liegt. Dementsprechend beträgt der Anteil der Tore, die aus dem Spiel heraus erzielt wurden, bei unglaublichen 78 Prozent.

Dementsprechend wird der Defensivarbeit der Bayern höchste Bedeutung zu kommen. Der deutsche Rekordmeister, der in der Champions League bereits vier Mal unmittelbar nach einem Ballgewinn zum Torerfolg kam, wird im Mannschaftsverbund extrem gut verteidigen müssen, um die Kreise der beiden Taktgeber Xavi und Andres Iniesta einzuengen und Lionel Messi, so weit möglich, zu kontrollieren.

Eine Stärke der Münchner gegenüber dem FC Barcelona liegt bei hohen Bällen in den Strafraum. Sechs Mal traf die Heynckes-Truppe bereits nach Flanken, sieben Mal nach Standards. Zum Vergleich: Barca war nach ruhendem Ball erst einmal erfolgreich, nach Flanken erzielten die Katalanen drei Treffer.

Dementsprechend wird es wichtig sein, Philipp Lahm offensiv ins Spiel einzubinden. Der Rechtsverteidiger hat in dieser Champions-League-Saison bereits vier Flanken geschlagen, die zu Toren führten, was bedeutet: Hat Lahm Platz und Zeit, wird es vorm gegnerischen Tor gefährlich - erst recht, wenn im Zentrum in Mario Gomez oder Claudio Pizarro auf jeden Fall ein kopfballstarker Stürmer auf die Hereingaben des Bayern-Kapitäns wartet.

Die Dortmunder werden gegen Madrid erneut auf zwei Außenverteidiger hoffen. Beim 2:1-Sieg des BVB war Reals linke Abwehrseite mit Michael Essien fachfremd besetzt, was die Dortmunder erkannt und eiskalt ausgenutzt hatten: Beide Tore wurden über diese Seite eingeleitet. Da sich Linksverteidiger Marcelo, der in den vergangenen vier Spielen in der Startelf stand, am Samstag gegen Betis Sevilla verletzt hat, könnte dies erneut zum Erfolgsrezept für die Dortmunder werden.

In den eigenen Reihen des BVB avancierte Lukasz Piszczek in beiden Partien gegen Real zur Schlüsselfigur. Der Rechtsverteidigers musste Cristiano Ronaldo aus dem Spiel nehmen, was ihm - trotz des Treffers des Portugiesen - über weite Strecken gut gelang.

Piszczek gewann im Heimspiel sechs von neun Zweikämpfen gegen "CR7", im Santiago Bernabeu gestaltete er drei der vier direkten Duelle mit dem Weltfußballer von 2008 für sich und legte so die offensivstarke linke Seite der "Königlichen" um Ronaldo in Zusammenarbeit mit Marco Reus lahm. Ein Rezept, das auch in der dritten Auflage dieses Duells von Erfolg gekrönt sein könnte.

Gregor Nentwig

Countdown zu Bayern - Barca