Spätestens nach dem überzeugenden 3:2-Sieg bei Werder Bremen dürfte jedem klar sein, dass der Weg zur Meisterschaft in dieser Saison über den FC Bayern München führt.

"Zu Beginn der Saison haben die Spieler Fußball gearbeitet; waren froh, wenn das Spiel vorbei war", analysierte Udo Lattek im DSF-"Doppelpass". "Jetzt spielen sie Fußball."

Und wie! Spielerisch, läuferisch und gedanklich waren die Münchner ihrem "Angstgegner" am Samstag immer einen Schritt voraus.

"Zu viele Chancen ausgelassen"

"Es ist unglaublich, dass wir nur 3:2 gewonnen haben", wunderte sich Trainer Louis van Gaal angesichts der vergebenen Großchancen im Zehn-Minuten-Takt. "Der Sieg war hoch verdient und muss viel höher ausfallen. Aber wir haben zu viele Chancen ausgelassen. So ist der Stress bis zum Abpfiff geblieben."

"Kompliment an die Bayern. Das haben wir uns so nicht vorgestellt. Ich kann mich nicht erinnern, wann wir dem FC Bayern mal so viele Chancen gestattet haben", bestätigte sein Gegenüber Thomas Schaaf die Analyse des Niederländers. Und der 48-Jährige weiß, wovon er spricht. Als Spieler und Trainer traf er bereits 54 Mal in der Bundesliga auf den Rekordmeister.

"Zehn Tore realistisch"

"Wir hätten viel früher höher in Führung gehen müssen", sah Philipp Lahm die einzige Schwäche im Spiel des Rekordmeisters in der schlechten Chancenverwertung.

Für Arjen Robben wären "zehn Tore realistisch gewesen." Van Gaals Landsmann weiß aber auch, dass man "mit den drei Punkten zufrieden sein" muss, denn "wenn man solche Chancen nicht verwertet, rächt sich das am Ende sehr häufig".

Aber an diesem eiskalten Samstag im Weser-Stadion war das Glück mit den Tüchtigen: Nur drei Minuten nach dem 2:2 durch Hugo Almeida in der 75. Minute zirkelte der beste Spieler auf dem Platz einen Freistoß zum 3:2-Endstand ins Bremer Gehäuse.

"Mein Tor und die drei Punkte sind das schönste Geschenk", freute sich der Niederländer über den Erfolg bei seiner Galavorstellung an seinem 26. Geburtstag, der den Rekordmeister wenigstens vorübergehend wieder an die Tabellenspitze katapultierte.

Tabellenführung "zählt nicht"

"Das zählt für mich nicht. Tabellenführer ist man erst, wenn ein Spieltag abgeschlossen ist. Außerdem ist es wichtig, nach 34 Spieltagen oben zu stehen; nur das zählt für uns", unterstrich Michael Rensing die Ambitionen der Bayern.

"Ich bin glücklich, mal wieder gespielt zu haben", so der Ersatztorwart, der in der zweiten Hälfte den unter einer Magen-Darm-Grippe leidenden Hans-Jörg Butt vertrat.

"Mannschaft und Trainer haben sich gefunden"

Der FC Bayern ist seit dem achten Spieltag ohne Niederlage und gewann die vergangenen sieben Spiele in Folge. "Mannschaft und Trainer haben sich gefunden. Jeder weiß, wie er zu laufen hat. So macht Fußball Spaß", beschreibt Mark van Bommel die Gründe für die Erfolgsserie.

Der 32-Jährige ist neben van Gaal und Robben der dritte Niederländer, der beim Team aus der bayerischen Landeshauptstadt zum Höhenflug beiträgt. Seit "der verlängerte Arm des Trainers" am 9. Spieltag in die Stammelf zurückkehrte, holten die Münchner 36 von 40 möglichen Punkten.

Eine mehr als beeindruckende Bilanz, die schon am kommenden Samstag gegen den 1. FSV Mainz 05 weiter aufgebessert werden soll.

Jürgen Blöhs