Kaiserslautern - Es hatte alles mal wieder nichts genutzt: Drei Mal stellte der Mainzer Trainer Thomas Tuchel während der 90 Minuten im Derby gegen den 1. FC Kaiserslautern das System um, er startete mit einem 4-4-2, das er zu Beginn der zweiten Halbzeit mit der Einwechslung von Jan Kirchhoff für Zoltan Stieber in ein 4-1-4-1 verwandelte, um nach den Einwechslungen von Ivanschitz für Polanski und Ujah für Allagui in ein 4-4-2 mit Raute zu wechseln - am Ende aber hieß der Gewinner trotz allem Kaiserslautern.

"Der Trapp brauchte nur einen Ball zu halten, das ist einfach zu wenig", haderte der Mainzer Manager Christian Heidel nach dem Derby. Es fehlt dem Mainzer Spiel seit Wochen in der Abwehr an der letzten Konsequenz und der letzten Entschlossenheit in der Offensive.

Kuriose Gegentore

Seit vier Spielen sind die Rheinhessen nun schon ohne Sieg, holten nur einen Punkt dabei und bekommen dafür kuriose Gegentore in Reihe. In den letzten beiden Begegnungen zuhause gegen Hoffenheim (0:4) und beim FCK war dies besonders deutlich zu beobachten.

Gegen Hoffenheim schoss Noveski ein Eigentor, gegen Lautern war Bo Svensson der Pechvogel. "So macht es keinen Spaß. Irgendwann reicht es mal", ätzte Verteidiger Niko Bungert. Und Svensson meinte: "Es fehlt einfach hinten und vorne die letzte Genauigkeit." Dabei gingen die Mainzer in Lautern durch Choupo-Moting früh in Führung (15.), Sicherheit gab das dem Spiel der "Nullfünfer" aber nicht.

Schwachstellen erkannt

"Es fehlt einfach der letzte Tick beim letzten Pass, das wird auf diesem Niveau dann sofort bestraft", erkannte auch Neuzugang Choupo-Moting. Er war letzte Saison noch nicht dabei, als die Mainzer teilweise grandiosen Fußball spielten und am Ende Platz fünf und die Teilnahme an der Europa League erreichten. Doch auch aus der ist der Club schon ausgeschieden und viele Beobachter fragen sich inzwischen, ob die Abgänge von Holtby, Schürrle und Fuchs nicht vielleicht doch nur unzureichend abgefangen werden konnten.

Trainer Thomas Tuchel jedenfalls will nicht "alles verteufeln". Fakt sei aber, dass seine Mannschaft Führungen viel schlechter verwalte als im Vorjahr und im Herausspielen von Torchancen die Präzision fehle. Es gelinge seiner Mannschaft derzeit nicht, die Gegner noch mehr zu beeindrucken.

Spezialtraining für Dortmund

Fehlenden Willen kann man den Profis sicher nicht vorwerfen, aber es fehlt eben doch in den entscheidenden Szenen vorne wie hinten der "letzte Tick Aggressivität" wie auch Tuchel einräumt. "Wir müssen derzeit extrem bluten für unsere Fehler", meint der Trainer, der die Lage im Laufe der Woche sehr genau analysieren will.

Am Donnerstag beginnt dann die spezielle Vorbereitung auf das nächste Spiel. Borussia Dortmund mit dem ehemaligen Mainzer Kulttrainer Jürgen Klopp kommt am Samstag in die rheinland-pfälzische Landeshauptstadt. Dass es beim amtierenden Deutschen Meister derzeit auch nicht nach Plan läuft, will niemand im Mainzer Lager als Vorteil sehen. Man hat schließlich selbst genug zu tun.

Allerdings wäre ein Sieg gegen Dortmund genau der Befreiungsschlag, den die Mannschaft nun benötigt.

Tobias Schächter