Irgendwann war der Punkt erreicht, an dem es nicht mehr ging. "Wir haben jede Chance genutzt, den Trainer zu halten", beteuerte Bayern-Manager Uli Hoeneß am Montagabend in der TV-Sendung "Blickpunkt Sport", "wir können ihm auch nichts vorwerfen. Er hat immer alles gegeben."

Doch nach dem 0:1 gegen Schalke wurde die Sorge, im kommenden Jahr wieder auf UEFA-Cup-Tour gehen zu müssen, übergroß. "Jetzt, wo auch unser Pfund, die Heimspiele, angekratzt war, da musste man sich die Frage stellen, ob es nicht fahrlässig ist, die Dinge laufen zu lassen." Der Anfang vom Ende der Ära Klinsmann beim FC Bayern.

"Wir waren begeistert von seinen Vorstellungen"

Gleichwohl verteidigte Hoeneß die Entscheidung, im Januar 2008 das Wagnis der Klinsmann-Verpflichtung eingegangen zu sein: "Wer nichts riskiert, kann aber am Ende auch nichts gewinnen. Es war eine mutige Entscheidung."

"Wir waren von seiner Präsentation, seinen Vorstellungen begeistert." Allerdings: "Jetzt kann man sagen, die Hardware steht - die ist gut. Aber die Software hat nicht das hergegeben, was sie versprochen hat."

"Heynckes liebt den FC Bayern"

Nun ist das Kapitel beendet. Jupp Heynckes soll jetzt retten, was noch zu retten ist.

"Er liebt den FC Bayern und hat ihm als Trainer alles zu verdanken. Das möchte er jetzt zurückgeben. Wir haben noch nicht einmal über Geld gesprochen", so der Bayern-Manager.

Heynckes, mit den Bayern zwischen 1987 und 1991 zweimal Deutscher Meister, hatte das Wochenende bei Hoeneß am Tegernsee verbracht. Kurze Zeit später war er dann neuer Bayern-Coach.

"Das war reiner Zufall"

"Das war reiner Zufall", so Hoeneß. Vor sechs Wochen habe man bei einer unverhofften Zusammenkunft mit gemeinsamen Freunden in Bochum vereinbart, "dass wir uns am Tag vor dem Schalke-Spiel zum Abendessen am Tegernsee treffen".

Dabei wurde lange diskutiert, allerdings offenbar noch nicht über einen Bayern-Trainer Jupp Heynckes.

"Wir haben am Abend beim Essen bis um halb drei nachts diskutiert und überhaupt nicht darüber nachgedacht, dass der Jupp derjenige sein könnte", sagte Hoeneß. Einige Zeit später taten es die Bayern-Bosse dann sehr wohl.

"Ich mach' das"

Hoeneß schildert die Entwicklung der Thematik so: "Als Jupp Heynckes in seine Heimat Düsseldorf fliegen wollte, habe ich ihn gefragt: Sag mal, wenn alle Stricke reißen, kannst du dir das vorstellen? Dann hat er gesagt: Nein eigentlich nicht. Aber wenn ihr mich haben wollt, dann überleg' ich mir das gründlich."

Am Ende ging alles aber dann doch ganz schnell: "Wir haben diese Lösung dann im Vorstand diskutiert. Dann hat der Karl-Heinz Rummenigge (Bayern-Vorstandschef, Anm. d.Red.) ihn angerufen. Er hat gesagt, er überlegt sich das fünf Minuten. Dann hat er zurückgerufen und hat gesagt: Ich mach' das."

Ein Routinier musste her

Planspiele, "nur über junge Leute wie Mehmet Scholl oder über Kandidaten wie Hermann Gerland oder Paul Breitner", waren laut Hoeneß zuvor verworfen worden.

"Wir haben über einen Jungen diskutiert. Aber dann kam gleich der Einwand, dann haben wir wieder einen ohne Erfahrung. Bei Jupp gab es gleich Konsens. Er ist ein Fußball-Lehrer, der technisch und taktisch alles drauf hat." Und der Hoeneß die Hoffnung auf ein versöhnliches Saisonende gibt.

Michael Gerhäußer