München - Die Mainzer "Boygroup" hatte am Samstag ihren nächsten Auftitt in der Allianz Arena. Lewis Holtby gab die Vorlage zur 1:0-Führung und Andre Schürrle legte Adam Szalai den 2:1-Siegtreffer auf, wodurch der Ungar zum Matchwinner avancierte. bundesliga.de hat die drei Youngster nach dem Sieg beim FC Bayern über Traumstarts, Turborotationen und Rekordserien befragt - und bekam von den "Bruchweg-Boys" erfrischend ehrliche Antworten.

bundesliga.de: Das 2:1 in München war der sechste Siege in Folge, Sie sind klarer Tabellenführer und begeistern ganz Fußball-Deutschland mit Ihrem Offensivstil - müssen Sie sich nicht kneifen, wenn Sie das einmal Revue passieren lassen?

Lewis Holtby: Ein bisschen schon. Es ist ein Lauf, der mich natürlich unglaublich freut. Und mit jedem Sieg mehr bekomme ich größeres Selbstvertrauen und genieße es, vom Trainer und der Mannschaft als Spielmacher akzeptiert zu werden. Wenn man dann so ein Selbstvertrauen hat, geht man mit einem Lächeln ins Spiel und dann gelingen solche Aktionen wie vor dem 1:0.

Adam Szalai: Für mich ist es überhaupt nicht irreal, sondern der Lohn unserer Arbeit. Wenn man von Woche zu Woche so spielt und so viel läuft, dann kommen die Resultate von alleine. Und wenn man gewinnt, wird das Selbstvertrauen größer und du willst noch mehr erreichen.

bundesliga.de: Dennoch ist eine solche Serie alles andere als alltäglich... Gab es in Ihrer Karriere schon einmal etwas Vergleichbares?

Andre Schürrle: Mit Thomas Tuchel habe ich damals in der A-Jugend einmal acht oder neun Spiele in Folge gewonnen. Aber bei den Profis ist das etwas komplett anderes. Es ist ein unglaublicher Start für uns - dennoch denke ich, dass die 18 Punkte kein Zufall sind. Man erkennt einfach in jedem Spiel, dass wir Mainz 05 sind. Diese Power, diese Leidenschaft sind unser Markenzeichen. Aber bei aller Euphorie müssen wir natürlich auf dem Boden bleiben.

bundesliga.de: Thomas Tuchel verändert die Mannschaft jedes Mal auf mehreren Positionen - in München waren es fünf neue Spieler im Vergleich zum vergangenen Spiel gegen Köln. Haben Sie in Ihrer Karriere solch eine "Turbo-Rotation" schon einmal erlebt?

Szalai: Erlebt habe ich das auch noch nicht so oft - aber wie man sieht, macht der Trainer das super. Es liegt eben immer an der unterschiedlichen Taktik, wer bei uns aufläuft. Gegen Bayern können wir nicht so spielen wie gegen Köln. Der Trainer sucht sich für jeden Gegner die passenden Spielertypen zusammen. Es würde mich auch nicht ärgern, falls ich beim nächsten Spiel wieder auf der Bank sitze. Und das ist bei jedem von uns so.

bundesliga.de: Gegen Hoffenheim kann Mainz den Bundesligarekord von sieben Siegen an den ersten sieben Spieltagen einstellen. Machen Sie sich Gedanken darüber?

Holtby: Wir müssen den Ball flach halten. Natürlich haben wir jetzt eine richtig gute Punkteausbeute und einen super Vorsprung - aber der Rekord interessiert mich nicht. Wir haben einfach immer Lust, die drei Punkte zu holen - egal, gegen wen es geht. Ich denke, wir haben gezeigt, dass man mittlerweile Respekt vor uns haben muss.

Szalai: Wenn wir nächste Woche gewinnen, dann haben wir den Rekod geschafft, aber darüber machen wir uns wirklich keine Gedanken. Für uns ist es jetzt vor dem Spiel gegen Hoffenheim ganz wichtig zu regenerieren - denn unser Spiel ist sehr laufintensiv.

Schürrle: Über den Rekord machen wir uns keine Gedanken. Wir wollen einfach unsere Leistung bringen - dann ist auch gegen Hoffenheim ein Sieg drin.

bundesliga.de: War Ihnen schon vor der Saison bewusst, wie gut die Mannschaft funktioniert, oder kristallisiert sich das erst nach einigen Spieltagen heraus?

Holtby: Ich hatte schon vor der Saison ein sehr gutes Gefühl, denn wir hatten eine sehr gute Vorbereitung. Aber dass es so stark wird, vor allem dass wir gegen diese Top-Mannschaften gewinnen - das haben wir uns vielleicht erträumt und gewünscht, aber vorstellen konnten wir uns das ehrlich gesagt nicht. Ich dachte mir, dass wir einen guten Start mit vielleicht zwei oder drei Siegen hinlegen. Aber das sprengt alle Erwartungen...

Schürrle: Mit solch einem perfekten Start kann man als Mainz 05 nicht rechnen. Aber der Trainer hat uns jetzt schon ein Jahr länger und wir konnten eine komplette Vorbereitung machen. Er stellt uns vor jedem Spiel perfekt ein und im Moment passt einfach alles.

bundesliga.de: Mit Ihren Leistungen sind Sie jetzt auch ein Thema für die Nationalmannschaft. Warten Sie schon auf den Anruf des Bundestrainers?

Schürrle: Nein, dafür ist es noch viel zu früh. Ich versuche einfach meine Leistung zu bringen - dann müssen es andere entscheiden.

Holtby: Ich konzentriere mich nur auf Mainz momentan. Natürlich bin ich bei der U 21 Kapitän, was für mich eine Ehre ist - und ich freue mich auch schon auf die kommenden Aufgaben. Aber die A-Nationalmannschaft? Das entscheidet ganz alleine der Bundestrainer. Wenn er mich irgendwann mal beruft, bin ich stolz wie Oskar - und wenn nicht, bin ich immer noch stolz, U-21-Kapitän zu sein.

bundesliga.de: Sie haben auch die englische Staatsbürgerschaft. Was machen Sie, wenn der Englands Coach Fabio Capello vor Joachim Löw anruft?

Holtby: Dann werde ich den Hörer abnehmen, mit ihm sprechen - und ihm sagen, dass ich mich in Deutschland sehr wohl fühle. Und dass mein Herz für Deutschland schlägt.

Das Gespräch führte Johannes Fischer