Nach dem 1:2 in Leverkusen und der damit zweiten Niederlage in Serie sowie dem Abrutschen auf Platz 8 der Tabelle ist bei Schalke 04 "Schluss mit lustig". Trainer Fred Rutten und Manager Andreas Müller waren bedient und wollen jetzt die Zügel anziehen.

"Was wir in der ersten Halbzeit in Leverkusen gezeigt haben, das gehört nicht auf Schalke", war Fred Rutten bedient. "Das hat mich sehr enttäuscht. Die Art und Weise, wie wir die Tore bekommen, passiert einer großen Mannschaft nicht."

Meisterschaft in weiter Ferne

Im Kampf um die Champions-League-Plätze erlitten die Königsblauen einen herben Rückschlag. Acht Punkte beträgt bereits der Rückstand auf das Führungsduo aus Leverkusen und Hoffenheim. "Wenn wir weiter so Fußball spielen und in der Abwehr stehen, dann hat man gar keinen Anspruch zu stellen", ärgerte sich der niederländische Coach. "Im Fußball ist es möglich, dass mal zwei oder drei Spieler nicht auf dem Platz sind, aber nicht, dass acht oder neun nicht da sind."

Die Meisterschaft ist in weiter Ferne, selbst der Platz im UEFA-Pokal ist gefährdet. Die Mannschaft stagniert und verkörpert momentan mit lediglich 20 Punkten aus 13 Spielen allenfalls gehobenes Mittelmaß. Nur zwei Siege in den letzten acht Bundesliga-Spielen sind viel zu wenig.

Alleinunterhalter Kuranyi

"Ich höre immer: Wir wollen Meister werden. Das muss weg", verlangt Manager Andreas Müller. "Ich war auch sehr sauer über das Spiel in Leverkusen, über den Auftritt der Mannschaft. So darf Schalke nicht spielen."

Die Gründe für die Misere der "Knappen" sind indes die gleichen wie in den letzten Jahren. In der Offensive fehlt trotz der Verpflichtung eines Jefferson Farfan ein torgefährlicher Stürmer, der Kevin Kuranyi entlasten könnte. Das Schalker Spiel ist zu sehr auf den Goalgetter zugeschnitten, der als Alleinunterhalter oft überfordert ist.

Kein Schutzschild mehr

Zudem mangelt es seit dem Weggang von Spielmacher Lincoln vor zwei Jahren an einem zentralen Kreativspieler mit überraschenden Ideen. Diese Schwächen konnte Schalke kompensieren durch die mannschaftliche Geschlossenheit und eine besondere Stabilität in der Abwehr.

Doch die Hintermannschaft wackelte im Duell gegen die direkten Meisterschaftskonkurrenten aus München und Leverkusen. "Wir müssen den Spielern jetzt richtig in den Hintern treten", packt Andreas Müller die verbale Keule aus. "Ich denke, dass Fred Rutten das Schutzschild, das er in den ersten vier Monaten über der Mannschaft gehalten hat, jetzt wegnimmt."

Zuversicht und Selbstkritik

Die Spieler dürfte die heftige Reaktion der Schalker Vereinsoberen überraschen. Sie haben das Spiel in Leverkusen gar nicht so schlecht gesehen. "Wir haben nach dem Rückstand gut gekämpft und gespielt", meinte Kevin Kuranyi. "Es ist noch nichts verloren", ergänzte Orlando Engelaar.

Selbstkritisch gab sich dagegen Jermaine Jones. "Wir haben die erste Halbzeit komplett versäumt und das Konzept verloren. Nach den beiden Spielen muss man nicht viel sagen. Jeder ist alt genug um zu wissen, worauf es in den nächsten Spielen ankommt. Die Tabelle kann uns jetzt erst einmal egal sein. Wir müssen uns aufrappeln und die nächsten Spiele gewinnen."

Trennung möglich

Bleiben die Erfolge des mit viel Geld aufgerüsteten Kaders weiter aus, wird es in Schalke richtig ungemütlich. "Wir werden den Kader ganz genau durchschauen. Möglicherweise werden wir uns von dem ein oder anderen Spieler trennen", droht Andreas Müller drastische Konsequenzen an.

Die Botschaft ist bei Manuel Neuer angekommen. "Wir müssen jetzt nach vorne schauen und bis zur Winterpause eine kleine Serie starten", fordert der Schalke-Torwart. "Damit müssen wir im Spiel gegen Mönchengladbach nächste Woche anfangen."

Tobias Gonscherowski

Rene Adler im Exklusiv-Interview nach dem Sieg!



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