Vor dem Spiel wurde viel geschrieben über den Kampf der Torwart-Kronprinzen um das Erbe des zurückgetretenen Nationalkeepers Jens Lehmann. Das Duell zwischen Robert Enke und René Adler. Daraus wurde jedoch nichts, weil der Leverkusener Keeper beim 4:0-Sieg seiner Bayer-Truppe gegen Hannover 96 im ganzen Spiel keine Möglichkeit hatte, um sich auszuzeichnen.

Hannovers Torhüter Robert Enke dagegen flogen die Bälle im Minutentakt um die Ohren. Mit zahlreichen Paraden verhindert der 31-jährige 96-Kapitän ein Debakel. Entsprechend frustriert kritisierte er im Interview die Einstellung seiner Teamkollegen.

bundesliga.de: Sind Sie vom Auftritt Ihrer Mannschaft überrascht?

Robert Enke: Ich bin eigentlich entsetzt. Wenn man das heute gesehen hat, muss man sagen: Das war kein Bundesligaspiel, sondern vom Charakter her eher ein Pokalspiel der 1. Runde. So darf man sich nicht präsentieren.

bundesliga.de: Haben Sie dafür eine Erklärung?

Enke: Wir hatten viele verletzte und viele kranke Spieler. Trotzdem hatten wir eine Mannschaft auf dem Platz, der das nicht passieren darf. Ich kann es mir wirklich nur so erklären, dass nicht alle sofort nach einem guten Spiel wieder den Schalter umlegen können. Der Sieg gegen Mönchengladbach war nur ein Anfang. Das war nur der Einstieg in die Saison. Jetzt stehen wir vor dem Bayern-Spiel wieder genau vor der selben Situation. Aber wir spielen dann nicht gegen Gladbach, sondern gegen Bayern München. In die Situation haben wir uns selber reingebracht. Das ist sehr, sehr ärgerlich und traurig. Wir hatten jetzt den Einstieg und hätten weitermachen müssen. Es ist klar, dass Leverkusen eine starke Mannschaft ist. Aber so wie es abgelaufen ist, darf es nicht passieren.

bundesliga.de: Eine Erklärung wäre auch das frühe Gegentor, das Hannover verunsicherte und Leverkusen stark machte.

Enke: Das Gegentor selber ist ja auch schon das Problem. Wenn man in der Vorwärtsbewegung den Ball verliert, dann ist man ungeordnet, und dann liegt man eben wieder nach fünf Minuten 0:1 hinten. Das ist zu wenig. Das Gegentor ist nur eine Erklärung von vielen. Aber das wird der Trainer sicher ansprechen.

bundesliga.de: Was können Sie als Torwart für einen Einfluss auf die Vorderleute nehmen? Konnten Sie die nicht noch während des Spiels wachrütteln, als Sie merkten, dass es Probleme gibt?

Enke: Das kann man ein oder zwei Mal machen in der Saison. Aber letztlich ist jeder Spieler dafür selber verantwortlich, was für eine Einstellung er an den Tag legt.

bundesliga.de: Dies war das dritte Auswärtsspiel von Hannover 96 ohne Tor und Punkt. Bekommt die Mannschaft langsam einen Auswärtskomplex?

Enke: Das spielt keine Rolle, ob man auswärts oder zuhause spielt. Wenn die Einstellung nicht von der ersten Minute so da ist, dass man ein Bundesliga-Spiel gewinnen will, dann ist es vollkommen egal, wo man spielt.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski