Nichts Neues aus Köln. Der 1. FC Köln wartet auch nach dem 5. Bundesliga-Spieltag weiter auf seinen ersten Sieg. Nach der 1:2-Heimniederlage gegen den FC Schalke 04 bleiben die Domstädter mit nur einem Punkt auf dem Konto weiterhin das Schlusslicht der Tabelle.

Trotz einer erneut über weite Strecken recht ansprechenden Leistung stehen die Kölner wieder mit leeren Händen da. Und mit einer gehörigen Portion Frust, weil der enorme Aufwand, den die "Geißböcke" betreiben, in keinem Verhältnis zum Ertrag steht.

"Müssen das Glück erzwingen"

"Das frustet sehr, weil die Mannschaft ein Erfolgserlebnis braucht", meinte ein sichtlich konsternierter FC-Manager Michael Meier nach dem Spiel: "Wenn man alle unsere Spiele Revue passieren lässt, sieht man, dass das notwendige Quentchen Glück fehlt. In Dortmund hauen wir uns selbst einen rein, gegen Wolfsburg lassen wir die Chance zum 2:0 aus, gegen Frankfurt bekommen wir keinen Elfmeter. Das sind alles Dinge, die gegen uns sprechen."

Ein Patentrezept, um aus sich aus der Misere zu befreien, hat auch Meier nicht: "Wir müssen daran arbeiten, das Glück zu erzwingen. Unsere Situation ist sicherlich nicht rosig, da gibt es nichts wegzudiskutieren. Ein Punkt und Tabellenplatz 18 sind schwierig."

Da nützt es auch nichts, immer wieder auf das brutal schwere Auftaktprogramm zu verweisen, das den Kölnern vorab nicht nur auf dem Papier schwere Gegner bescherte, sondern auch in der Realität. Gegen drei der aktuellen Top-4-Clubs mussten die Rheinländer schon antreten, dazu gegen den amtierenden Deutschen Meister und Borussia Dortmund. Und mit den kommenden Gegnern Stuttgart, Leverkusen und Bayern geht es munter so weiter.

Rückendeckung für den Trainer

Schon rumort es in Köln. Auch wenn die Fans ihr Team mit Applaus verabschiedeten, kommen Stimmen auf, die den Trainer kritisch hinterfragen. Doch Zvonimir Soldo muss sich keine Angst um seinen Job machen. "Der Trainer genießt nach wie vor unser volles Vertrauen", erklärt Michael Meier unmissverständlich.

"Wir sind topmotiviert, der Trainer stellt uns gut ein und macht uns zur Sau, wenn etwas nicht stimmt", sagt FC-Außenverteidiger Christopher Schorch, der gegen Schalke sein Startelfdebüt gab: "Aber wenn man seine Chancen nicht nutzt, kann man nicht gewinnen."

Der 20-jährige Außenverteidiger gehörte neben dem besten Kölner Lukas Podolski zu den Aktivposten. Jung, dynamisch, unerschrocken, so präsentierte sich Schorch auf dem Platz und auch außerhalb. "Bei uns kommt überhaupt keine Panik auf. Wir haben eine gute Truppe, ein Riesenpotenzial", meinte Schorch selbstbewusst: "Ich habe keine Angst vor irgendwas. Wir können mit den großen Mannschaften mithalten. Wir müssen uns vor niemanden verstecken."

Optimistischer "Poldi" und ein Trikottausch

Auch Lukas Podolski ist nicht bereit, die sich langsam ausbreitende Tristesse in der Rheinmetropole kampflos zu akzeptieren. "Wenn man Letzter ist, kann man nichts schönreden", sagte der Schütze des Kölner Tores gegen Schalke: "Mich macht aber optimistisch, wie wir gespielt haben. Wir haben eine kämpferisch und spielerisch gute Leistung gezeigt."

Nichts lassen sie in Köln derzeit unversucht. Sogar die Trikots haben sie getauscht. Statt der roten Jerseys liefen die FC-Kicker in den weißen Hemden der Vorsaison auf. In weiß kickte einst FC-Legende Wolfgang Overath und die erste Kölner Meisterelf. Doch gebracht hat es nichts.

Befreiungsschlag bei Soldos Ex-Club?

FC-Manager Meier versuchte die Trikotaktion herunterzuspielen: "Es gibt die Tradition, dass der 1. FC Köln in weiß spielt, seit den Zeiten eines Franz Kremer (dem FC-Präsidenten der sechziger Jahre, Anm.d.Red.). Das ist nichts Neues. Unsere Misere hat doch nichts mit den Trikots zu tun. Das ist doch Hokuspokus, da kann ich auch einen Voodootanz aufführen." So weit sind sie in Köln zum Glück dann doch noch nicht.

Am kommenden Samstag tritt der 1. FC Köln bei seinem Lieblingsgegner an, beim VfB Stuttgart, bei dem man seit über zehn Jahren nicht mehr verloren hat. Zvonimir Soldo trifft auf den Club, für den er selbst zehn Jahre kickte. Vielleicht gelingt ihm und seinem FC ja ausgerechnet am Neckar der erste Saisonsieg und der große Befreiungsschlag.

Aus Köln berichtet Tobias Gonscherowski