Arminia Bielefeld stemmt sich auch im fünften Jahr in Folge gegen den Abstieg aus der Bundesliga. Zurzeit mit Erfolg, die Elf von Trainer Michael Frontzeck steht mit zwei Punkten Vorsprung vor den Abstiegsplätzen auf Rang 15.

Die Ostwestfalen haben zwar nur vier Saisonsiege eingefahren, sind aber schwer zu schlagen. Neun Pleiten - genauso viele hat Bayer Leverkusen - und zwölf Unentschieden stehen zu Buche. Nur Borussia Dortmund teilte häufiger die Punkte (13), als es Bielefeld tat.

Trainer Michael Frontzeck erklärt im Gespräch mit bundesliga.de, wie er mit der Arminia den Klassenerhalt packen will und was er sich vom nächsten Gegner Schalke 04 erwartet.

bundesliga.de: Herr Frontzeck, Ihre Mannschaft hat in den vergangenen fünf Spielen nur einmal verloren. Kam die Länderspielpause zu einem schlechten Zeitpunkt?

Michael Frontzeck: Mir kam die Pause ganz recht. Wir hatten viele angeschlagene Spieler, die ihre Verletzung auskurieren konnten. Oder Spieler wie Kamper und Lamey, die längere Zeit außer Gefecht waren und jetzt den Anschluss wieder geschafft haben. Ich denke nicht, dass die Länderspielpause unseren Spielfluss gestoppt hat.

bundesliga.de: Stammspieler Radim Kucera fällt wegen eines Jochbeinbruchs längere Zeit aus. Wie schwer wiegt sein Ausfall?

Frontzeck: Radim ist ein sehr wichtiger Spieler für uns, weil er universell einsetzbar ist. Er ist ein erfahrener Spieler, der taktisch sehr gut geschult ist. Wie lange er ausfallen wird, wissen wir noch nicht. Er ist operiert worden, aber die Stelle des Bruchs am Jochbein ist sehr ungünstig. Wir müssen abwarten, ob er mit Maske spielen kann. Wir wollen kein Risiko eingehen. Für das Spiel gegen Schalke fällt er auf jeden Fall aus. Ob es dann gegen Cottbus geht, werden wir sehen.

bundesliga.de: Arminia Bielefeld hat 24 Punkte in den 25 Spielen gesammelt. In der Vorsaison waren es zum gleichen Zeitpunkt 21 Zähler. Sind Sie mit der Ausbeute zufrieden?

Frontzeck: Zufrieden sollte man nie sein. Die Hauptsache ist, dass wir über dem Strich stehen. Der Klassenerhalt ist unser realistisches Ziel bei unseren vorhandenen finanziellen Möglichkeiten. Es ist für Arminia Bielefeld immer ein Ritt auf der Rasierklinge, wenn es darum geht, die Bundesliga zu halten. Aber wir sind auf einem guten Weg.

bundesliga.de: Deutlich verbessert hat sich im Vergleich zur Vorsaison das Torverhältnis, von minus 26 auf minus 15. Und: Bielefeld hat die wenigsten Gegentore der sieben Teams einstecken müssen, die gegen den Abstieg kämpfen. Ist die solide Abwehrleistung der Schlüssel zum Klassenerhalt?

Frontzeck: Das ist die Basis schlechthin - egal, ob man um die Meisterschaft oder gegen den Abstieg spielt. Man muss gut organisiert sein und eine stabile Defensive haben. In diesem Punkt haben wir uns weiterentwickelt, auch wenn man diesen Eindruck im letzten Spiel gegen Wolfsburg als neutraler Zuschauer nicht gewinnen konnte. Das Ergebnis von 0:3 fällt deutlich aus. Aber wenn man weiß, dass Wolfsburg nur vier Mal auf unser Tor geschossen hat, relativiert sich das.

bundesliga.de: Die Arminia selbst tut sich schwer, Tore zu schießen. Nur der KSC hat seltener jubeln dürfen. Ist die Offensive Ihrer Mannschaft, in der Artur Wichniarek zwölf der 21 Treffer erzielt hat, zu berechenbar?

Frontzeck: Nein. Aber es stimmt, dass wir im Abschluss noch effektiver werden müssen. Es ist immer eine Gratwanderung, die richtige Balance zwischen Defensive und Offensive zu finden. Wir müssen einerseits gut und sicher stehen, andererseits bei Ballgewinn schnell auf Angriff umschalten. Und das ist die Krux. Öffnen wir uns zu viel, dann kriegen wir die Bälle hinten rein. Machen wir zu wenig, geht nach vorne nicht viel. Wir erarbeiten uns in den Spielen genügend Torchancen, lassen aber noch zu viele aus.

bundesliga.de: Ihre Mannschaft hat zwölf Mal unentschieden gespielt. Borussia Dortmund als Remiskönig der Bundesliga hat die Nase voll von den Punkteteilungen. Geht es Ihnen auch so?

Frontzeck: Man sollte den Punkt nicht verteufeln, wenn man ihn mitnimmt. Klar gab es Unentschieden, die für uns glücklich waren. Aber in den meisten Spielen hätten wir auch gewinnen können. Die Statistik bringt uns allerdings nicht weiter. Ich verstehe ja die Journalisten, die gerne die Statistiken der Clubs vergleichen. Bis vor kurzem waren wir die Auswärtsdeppen, weil wir über ein Jahr nicht gewonnen haben. Dann waren wir die Deppen im direkten Vergleich mit den Abstiegskandidaten - und demnächst sind wir wahrscheinlich die Heimdeppen. Es wird immer ausgelegt, wie man es will. Aber letztlich ist wichtig, dass wir unser Ziel erreichen. Und das wird bis zum Schluss eng für uns, das wissen wir. Aber die Mannschaft kämpft in der fünften Saison gegen den Abstieg und weiß, worauf es ankommt.

bundesliga.de: Am Freitag geht es gegen Schalke. Es ist für die Arminia in dieser Runde das fünfte Spiel an einem Freitag, gewonnen wurde keines. Leidet die Arminia unter einem Freitagsfluch?

Frontzeck: Damit beschäftige ich mich nicht. Auch beschäftige ich mich nicht mit Schalke und dem Trubel, der dort zurzeit herrscht. Davon lassen wir uns nicht einlullen. Schalke 04 hat eine starke Mannschaft, die eigentlich zu den vier Topteams zählt, aber im Moment hinter den Erwartungen zurück bleibt. An einem guten Tag ist Schalke in der Lage, jede Mannschaft zu schlagen - ob das Bielefeld oder Bayern München ist. Wir machen uns aber keine Gedanken um Schalke, sondern konzentrieren uns ausschließlich auf uns.

bundesliga.de: Ist es nicht leichter, sich auf einen Gegner vorzubereiten, von dem man weiß, wie er taktisch agiert? Das Trainertrio Mike Büskens, Youri Mulder und Oliver Reck könnte ja mit einigen Überraschungen aufwarten.

Frontzeck: Das glaube ich nicht. Sie können mir glauben, das interessiert mich auch nicht, wer bei Schalke auf der Bank sitzt. Wenn wir gut aufgestellt sind und unser Spiel durchbringen, dann haben wir gute Chancen, zu gewinnen. Wenn Schalke einen guten Tag hat, dann wird es für uns natürlich schwer.

bundesliga.de: Welchen Stellenwert hat das Schalke-Spiel im Abstiegskampf für Sie?

Frontzeck: Jedes Spiel hat für mich einen hohen Stellenwert. Es gibt in der Bundesliga keine einfachen oder schweren Spiele - egal, ob man gegen Schalke spielt oder gegen Cottbus.

bundesliga.de: Kommt es in dieser Saison nicht darauf an, wie sich die Clubs in direkten Duellen mit Abstiegskandidaten schlagen? Sie müssen mit Ihrer Mannschaft unter anderem noch nach Cottbus und Mönchengladbach und empfangen Hannover 96.

Frontzeck: Das kann sein. Aber wir haben in der vergangenen Saison auch die Klasse gehalten, obwohl wir nicht gegen jeden direkten Konkurrenten gepunktet haben. Gegen wen wir die Punkte holen, ist mir eigentlich egal.

bundesliga.de: Warum wird Arminia erneut den Klassenerhalt schaffen?

Frontzeck: Weil wir es im fünften Jahr machen und die Mannschaft die Qualität hat - auch im Kopf - in extremen Situationen zu funktionieren. Das hat die Mannschaft in den vergangenen Spielzeiten bewiesen.

Das Gespräch führte Thorsten Schaff