München - Die leidige Trainerfrage war endlich geklärt, die Wogen hatten sich geglättet beim FC Bayern. Als sich die Münchner gerade wieder auf Kurs wähnten, sorgte ein Teil der Fans am vergangenen Wochenende für frischen Gegenwind. Mit ihren Unmutsäußerungen und Pfiffen gegenüber FCB-Präsident Uli Hoeneß eröffneten sie beim Heimspiel gegen Gladbach den nächsten Nebenkriegsschauplatz. Ausgerechnet jetzt steht das prestigeträchtige Derby beim 1. FC Nürnberg an - für Vereine und Anhänger seit jeher ein sehr emotionales Duell (ab 15 Uhr im Live-Ticker).

"Für die Fans ist es natürlich etwas Besonderes", weiß Bastian Schweinsteiger. Der stellvertretende FCB-Kapitän fordert vor dem Derby beim "Club" die Rückkehr zum 'Mia san Mia': "Die Zuschauer gehören zur Mannschaft wie die Physiotherapeuten. Wir brauchen sie, um die hohen Erwartungen zu erfüllen."

"Es beeinträchtigt die Spieler"

Gerade in Phasen, in denen es sportlich nicht so rund laufe, seien die Fans gefordert. "Wenn Piffe kommen oder Unruhe da ist, beeinträchtigt das die Spieler", sagte der Mittelfeldspieler: "Besonders die, die noch nicht so lange hier spielen und von ihren früheren Vereinen nicht gewöhnt sind, dass die Erwartungen hier so hoch sind. Wir sind so eine Mannschaft, die die Unterstützung der Fans braucht. Das gibt uns dann nochmal einen zusätzlichen Schub."

Gegen den "Club" erhofft er sich wieder die gewohnte Unterstützung aus dem Block, schließlich geht es für beide Teams auch in sportlicher Hinsicht noch um viel. Die Münchner wollen Bayer Leverkusen noch von Platz 2 verdrängen, die Gastgeber rechnen sich bei nur zwei Punkten Rückstand auf Platz 5 ebenfalls noch Chancen aufs internationale Geschäft aus.

"Sie stehen ungewohnt weit oben in der Tabelle und da wollen sie bleiben", weiß Schweinsteiger. Eine "schwierige Aufgabe" werde das Spiel gegen die Franken, bei denen FCB-Leihspieler Mehmet Ekici die Fäden im Mittelfeld zieht. Ihm attestiert Schweinsteiger eine sehr gute Entwicklung: "Es war wichtig für ihn, dass er sich diesen Schritt getraut hat."

"Möglich ist es, dass wir Zweiter werden"

Ekici ist einer von Nürnbergs jungen Leistungsträgern, die Woche für Woche mit feinem Tempofußball für Furore sorgen. Enorme Laufbereitschaft und leidenschaftlichen Einsatz, das erwarten die FCB-Profis auch am Samstag vom Gegner. "Wir müssen das Tempo des Gegners mitgehen", warnt Toptorjäger Mario Gomez: "Wenn wir denken, es geht mit 90 Prozent, dann wird das nicht reichen. Sie werden auf Sieg spielen."

Der FC Bayern tut gut daran, das Auswärtsspiel nicht zu unterschätzen. Seit 2005 konnte der Rekordmeister in Franken nicht mehr gewinnen. Und nach zuletzt erstmals drei Siegen in Folge soll die Serie nicht schon im Derby wieder vorbei sein. Schweinsteiger stellt deshalb den Erfolg in dieser Saisonphase über die Spielweise. Es gehe nicht mehr um Schönspielerei, sondern um Ergebnisse."Natürlich haben wir einen Stil, den wir vorleben und verfolgen wollen", erklärt er: "Wenn das aber eben nicht sein soll, müssen wir auch mal schmutzig mit 1:0 gewinnen."

Nur dann sei das große Ziel noch zu erreichen. Denn den zweiten Platz 2, der zur direkten Teilnahme an der Champions League berechtigt, hat Schweinsteiger noch nicht abgeschrieben. "Möglich ist es, dass wir Zweiter werden", sagte er. In dieser Angelegenheit hat er mit Sicherheit auch die volle Unterstützung der Fans.




Vom FC Bayern berichtet Andreas Messmer