Hannover - "Ich habe keine Zweifel, dass wir in der nächsten Saison international spielen!" Sergio Pinto da Silva sprach aus, was wohl alle in Hannover nach dem 2:0 über Verfolger Mainz 05 dachten.

Selbst der bei Thema Europapokal so vorsichtige Mirko Slomka stellte fest, dass zehn Punkte Vorsprung auf Rang sechs fünf Spiele vor Saisonende "ein richtiges Pfund" sind.

Traum von der Champions League

"Wir sind heute den entscheidenden Schritt gegangen", so der Trainer. Aber Slomka wäre nicht Slomka ohne die sofort nachgeschobene Mahnung zur Vorsicht: "Wir wissen ja, was im Fußball alles passieren kann." Auch wenn man seinem Gesichtsausdruck klar entnehmen konnte, dass das wohl nur pflichtgemäßes Understatement war.

In der Realität liebäugelt der 43-Jährige mit einem Start in der Champions-League- Qualifikation. "Für uns sind die Ränge vier oder fünf realistisch", reicht Slomka zwar die Favoritenrolle auf Rang drei in Richtung München. Aber "sollte der FC Bayern München Schwäche zeigen, müssen wir zur Stelle sein." So wie an diesem 29. Spieltag, an dem der Rekordmeister in Nürnberg nicht über ein 1:1 hinauskam und Hannover vorbeiziehen lassen musste.

Eine Entwicklung, die so wohl niemand erwartet hätte: Vor einem Jahr kämpften die Niedersachsen noch um das Überleben in der Bundesliga, jetzt geht es um die Champions League. "Manchmals ist es schon unheimlich", gibt 96-Coach Slomka zu.

Europa League "der erste Schritt"

Dementsprechend wittern die Spieler des Tabellen-Dritten ihre große Chance: "Sich mit der Europa League zufriedenzugeben, wäre falsch", strebt Stürmer Didier Ya Konan nach höheren Zielen. Und Hannvovers bester Torschütze verriet bundesliga.de, dass mit dem Erreichen der Europa League "der erste Schritt" gegangen sei. Es soll nicht der letzte gewesen sein.

"Nach dem übernächsten Spieltag wissen wir mehr", vertagt Christian Schulz die Antwort auf die Frage nach Hannover 96 in der Champions League. Hintergrund: Der Tabellenführer der Heimtabelle muss von den letzten fünf Spielen dreimal auswärts antreten. Am kommenden Samstag steht das Nord-Derby gegen beim Hamburger SV an, am Spieltag darauf geht es nach Freiburg. Beides Teams, die noch mit der Teilnahme am internationalen Geschäft liebäugeln.

Riesiges Selbstvertrauen

"Das werden zwei ganz schwere Spiele", weiß Schulz. Aber unmöglich scheint für die "Roten" in dieser "tollen Saison" nichts, denn auch in der Auswärtstabelle belegt der Beinahe-Absteiger mit Rang fünf einen Europapokalplatz. Das Selbstvertrauen der 96er ist immens.

"Wenn die Chance da ist, ganz oben anzugreifen, versuchen wir natürlich Gas zu geben", so der Außenverteidiger. "Der Druck liegt bei den Bayern." Hannover kann nach dem wohl sicheren Erreichen der Europa League frei aufspielen.

Jürgen Blöhs