Leverkusen - Unter den Kandidaten auf einen Champions League-Platz heißt einer der Gewinner des Spieltags Bayer 04 Leverkusen. Dank eines Tores ihres Kapitäns Simon Rolfes gewann die Werkself gegen den SC Freiburg mit 1:0 und verbesserte sich auf Platz 4. Nach dem zweiten Sieg innerhalb von vier Tagen stellte sich Simon Rolfes zum Interview.

Frage: Simon Rolfes, Glückwunsch zum Tor des Tages. Wie ordnen Sie Ihren Treffer und das Spiel ein?

Simon Rolfes: Es war ein wichtiges Tor. Wir hatten eine gute Anfangsphase und ein paar Torchancen herausgespielt. Irgendwann musste der Ball dann auch mal rein, damit das Spiel den Verlauf nehmen konnte, den es nachher genommen hat. Wir haben die Partie kontrolliert, effizient gespielt und nichts anbrennen lassen. Es war wichtig, relativ früh in Führung zu gehen.

Frage: Wie schwer war es, den Schalter nach der Champions-League-Gala gegen Aletico Madrid auf Bundesliga umzulegen?

Rolfes: Es war uns – Champions League hin oder her – klar, dass wir auch in der Bundesliga unter Druck stehen. Wir mussten das Spiel gewinnen. Wir haben es von Beginn an gut gemacht und Freiburg eingekesselt. In einer englischen Woche muss man in so einem Spiel dann in Führung gehen. Sonst zieht sich das Spiel hin, und man wird nicht unbedingt frischer.

"Man muss versuchen, ein Näschen zu haben"

Frage: Sie haben in den letzten Wochen viel gespielt, standen diesmal in der Startelf und haben ein Tor geschossen. In einer solchen Form können Sie doch am Saisonende nicht wie geplant aufhören?

Rolfes: Das war heute ein schöner Tag. Die Entscheidung muss man nicht aus der Emotion heraus fällen, sondern mit ein bisschen Weitblick. Es ist die richtige Entscheidung. Natürlich versuche ich trotzdem noch, das eine oder andere wichtige Tor zu machen. Denn es macht immer Spaß, Tore zu schießen. Und wenn dann ein zweiter Ball irgendwo runterfällt, versucht man die Situation abzugreifen. Als Sechser muss man versuchen, für solche Situationen ein Näschen zu haben. Sonst gibt es ja nicht so viele Torchancen.

Frage: Ist im letzten Drittel der Saison vor allem diese defensive Stabilität der letzten beiden Spiele gefragt?

Rolfes: Auch. Defensive Stabilität ist genauso gefragt wie ein gutes Ballbesitzspiel und das Spiel nach vorne. Das war in den letzten beiden Spielen deutlich besser. Aber man kann sich allen Bereichen weiterentwickeln. Klar ist auch, dass es ein gutes Fundament ist, wenn man defensiv gut steht und wenige Gegentore kassiert.

Frage: Wie gut hat Ihnen mal wieder ein Einsatz über 90 Minuten und in der Startelf getan?

Rolfes: Es ist klar, dass wir in den englischen Wochen ein bisschen rotieren müssen. Ich habe auch zuvor meine Einsatzzeiten bekommen, ob als Einwechselspieler oder wie jetzt von Beginn an. Natürlich will ich viele Spiele von Beginn an spielen. Es war ein ganz gutes Spiel von mir, ich habe mein Tor gemacht. Damit habe ich mich ein bisschen beworben.

 "Eine englische Woche ist immer anstrengend"

Frage: Wie sehr steckte das Spiel gegen Atletico noch in den Knochen?

Rolfes: Drei Tage nach so einem Spiel ist man noch nicht vollständig regeneriert. Wir haben die richtigen Dinge getan, auch kompakt gespielt und auch bei Ballverlust immer wieder schnell attackiert, um die Kugel zurückzubekommen. Dann konnten wir uns auch bei Ballbesitz ein wenig ausruhen oder Kraft sammeln. Eine englische Woche ist immer anstrengend, aber es geht jetzt mit dem Pokalspiel am Dienstag auch wieder direkt weiter. Durchatmen gibt es nicht.

Frage: Nach dem spanischen Meister und dem SC Freiburg kommt am Dienstag der Zweitligist aus Kaiserslautern nach Leverkusen. Das klingt nach der leichtesten Aufgabe?

Rolfes: Die Aufgabe wird nicht leichter. Es ist davon auszugehen, dass der FCK defensiv agieren wird. Auch den Gegner muss man erst einmal knacken. Es wird kein einfaches Spiel. Das ist das nächste wichtige Spiel für uns, in dem es nur um den Sieg geht.

Frage: Und Bayer 04 hat gegen Kaiserslautern noch eine Rechnung für die Viertelfinalpleite im Vorjahr offen.

Rolfes: Das war ohne Frage im letzten Jahr ein ganz schlechtes Spiel von uns. Aber das ist in dieser Saison völlig egal. Wir wollen in die nächste Runde und spielen jetzt eben wieder gegen Kaiserslautern.

Frage: Wie besonders wird das Pokalspiel für Sie, auch vor dem Hintergrund, dass Sie im Sommer Ihre Karriere beenden und der Wettbewerb vielleicht Ihre letzte Chance auf einen Titel ist?

Rolfes: Ich freue mich auf die K.-o.-Spiele. Man kämpft um jedes weitere besondere Spiel. Das ist ein sehr wichtiges Spiel für uns alle.

Aufgezeichnet von Tobias Gonscherowski