Gdansk/Lwiw - Manuel Neuer warf sich mit aller Entschlossenheit dem Schuss von Silvestre Varela entgegen, er riskierte dabei alles - und gewann alles.

Mit einer Weltklasse-Parade in der 88. Minute hielt der Torhüter der deutschen Nationalmannschaft den 1:0-Zittersieg gegen Portugal fest und avancierte beim EM-Auftakt nicht nur in dieser Szene zum erhofften Rückhalt.

Viel Lob - Neuer selbst bescheiden



"Manuel Neuer hat es in der Schlussphase für uns gerettet", lobte DFB-Präsident Wolfgang Niersbach den Schlussmann von Bayern München. Für Routinier Miroslav Klose ist Neuer schlichtweg "unser wichtigster Spieler".

Neuer (26) freute sich nach seinem 27. Länderspiel zwar auch, "dass die Null stand", gab das Lob aber artig an seine Vorderleute weiter. Er habe gar nicht so viel zu tun gehabt, "weil unsere Abwehr sehr gut stand", sagte er. Doch dies war nur die halbe Wahrheit. Neuer musste in Lwiw schon in der Anfangsphase bei einer etwas zu kurz geratenen Rückgabe von Mats Hummels Kopf und Kragen gegen Helder Postiga riskieren.

Außerdemm parierte er einen Aufsetzer von Cristiano Ronaldo (82.) in Klassemanier. Ganz abgesehen davon: Der Bayern-Keeper agierte auch sonst sehr aufmerksam, seinen Strafraum beherrschte er sicher. (XL-Galerie: Einzelkritik der DFB-Stars)

"Diese Chance wollen wir nutzen"



Seit der WM 2010 ist Neuer die unumstrittene Nummer eins in der DFB-Auswahl. Was auch ihm in seiner Vita noch fehlt, ist ein großer Titel. Mit dem FC Bayern war er erst vor knapp vier Wochen im Finale der Champions League gegen den FC Chelsea (3:4 i.E.) knapp an diesem Ziel gescheitert.

Entsprechend motiviert ging der frühere Schalker auch in die EM. "Gerade die Spieler vom FC Bayern haben noch eine große Chance vor sich. Und diese Chance wollen wir nutzen. Für mich kommt das Turnier gerade recht", sagte er. Gesagt, getan.

Glänzend gegen Real - nervenstark im "Finale dahoam"



In den vergangenen Monaten hatte er beim FC Bayern die anfänglich sehr kritischen Fans auf seine Seite ziehen können. Spätestens nach dem Halbfinale der Chamnpions League bei Real Madrid, als Neuer mit zwei gehaltenen Elfmetern den Einzug ins Endspiel gesichert hatte, war er in München angekommen. Welch großes Selbstvertrauen der 26-Jährige besitzt, zeigte er dann auch im "Finale dahoam", als er im Elfmeterschießen selbst antrat - und verwandelte. Dass es für die Bayern dennoch ein Drama wurde, lag definitiv nicht an Neuer.

Umso ehrgeiziger verfolgt Neuer nun in Polen und der Ukraine seinen Traum. Einen Anfang hat er gemacht.