Augsburg - Auf der Dortmunder Ersatzbank saß keiner mehr, auch auf dem Rasen sehnten die elf Akteure in Schwarz-Gelb den Schlusspfiff herbei. Als Schiedsrichter Marco Fritz die Partie beim FC Augsburg schließlich beendete, blieben bei Borussia Dortmund allerdings die großen Jubelsprünge aus. Nach dem hart erkämpften 2:1-Sieg überwog die Erleichterung. Dennoch zeigte der BVB eine neue Qualität.

"Wir sind alle froh, dass wir die drei Punkte mitgenommen haben", sagte Gonzalo Castro nach dem sechsten Saisonsieg im siebten Bundesligaspiel. Auch Trainer Peter Bosz war "sehr glücklich" mit dem Ergebnis. Mit der Leistung seiner Mannschaft war der Niederländer allerdings nicht zufrieden.

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"Das war das schlechteste Spiel, seitdem ich Trainer des BVB bin", sagte Bosz. "In der ersten Halbzeit hatten wir viele Räume, haben aber nicht gut Fußball gespielt. In der zweiten Hälfte haben wir gar keinen Fußball mehr gespielt."

Yarmolenko knüpft an Gala an

Dabei knüpfte der BVB zunächst nahtlos an seine vergangene Galavorstellung in der Bundesliga beim 6:1-Sieg gegen Borussia Mönchengladbach vor einer Woche an. Andrey Yarmolenko brachte die Gäste mit seinem ersten Ligatreffer bereits in der vierten Minute in Führung - sein sehenswerter Treffer ließ die Fans bereits träumen. Und die gute Stimmung der zahlreich mitgereisten Dortmunder Fans hielt auch trotz des zwischenzeitlichen Dämpfers durch Caiubys Ausgleich (11.) an, vor allem weil Shinji Kagawa mit einem sehenswerten Lupfer die erneute Führung erzielte (23.).

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Die Dominanz des Tabellenführers war nach den ersten 45 Minuten auch an den Zahlen abzulesen. Erdrückende 73 Prozent Ballbesitz und 10:3-Torschüsse ließen kaum Zweifel am nächsten Sieg der Schwarz-Gelben aufkommen.

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Im zweiten Durchgang kämpfte sich der zuletzt fünf Mal in Folge ungeschlagene FCA aber immer besser ins Spiel und schnupperte mehrfach am Ausgleichstreffer.

Ein Sieg der Mentalität

Der BVB ließ seinerseits die Großchance zur Entscheidung aus, als Pierre-Emerick Aubameyang einen Elfmeter verschoss. "Auba ist für uns ein wichtiger Spieler. Er hat schon acht Tore geschossen, er hat uns immer geholfen", nahm Bosz seinen Toptorjäger in Schutz. "Auch für ihn gibt es zwei solcher Spiele pro Saison. Das war heute sein erstes."

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Dass auch ohne eine Galavorstellung drei Punkte weitere Punkte heraussprangen, führten die Protagonisten auf die intakte Mentalität und den Willen des Teams zurück. "Die Mannschaft hat sich festgekrallt an diesen Punkten, das war gut", sagte Sportdirektor Michael Zorc. Kapitän Sokratis sah darin auch eine Weiterentwicklung: "In den letzten zwei bis drei Jahren haben wir solche Spiele verloren oder unentschieden gespielt."

Castro: "Wir genießen Platz eins"

© DFL DEUTSCHE FUSSBALL LIGA / Sebastian Widmann

Diese neue Qualität lässt die Borussia mit besonderer Genugtuung auf die Tabelle blicken. Seit dem ersten Spieltag belegen die Dortmunder Platz eins, den sie mit dem Sieg in Augsburg nun weiter gefestigt haben. "Wir freuen uns, auf Platz eins zu sein und genießen das jetzt zwei Wochen", sagte Castro. Die Verfolger aus Hoffenheim und München können den momentan komfortablen Vorsprung allerdings am Sonntag wieder verkürzen. Auch deshalb mahnt Castro vor verfrühter Zufriedenheit: "Wir dürfen uns nicht darauf verlassen, wir wissen, dass die Bayern immer zurückschlagen können."

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Nach der frühen Führung durch Yarmolenko stimmten die Dortmunder Fans bereits wieder Gesänge von der Meisterschaft an. Konkreten Fragen zu den Chancen im Kampf um den Meistertitel wichen die Spieler allerdings aus. "Damit beschäftigen wir uns nicht. Wir beschäftigen uns nur mit uns", sagte Castro und richtete den Fokus auf das nächste Heimspiel gegen RB Leipzig: "Wir hoffen, dass die Spieler von den Länderspielreisen gesund zurückkommen und dann wieder voll angreifen können." Das ließe die Hoffnungen auf eine nächste BVB-Gala wieder steigen.

Aus Augsburg berichtet Maximilian Lotz