In dieser Bundesliga-Saison sind gleich fünf Clubs mit einem neuen Mann an der Seitenlinie ins Rennen gegangen, vier davon hatten vorher noch nie auf einer Trainerbank in der Bundesliga gesessen.

Bislang ist der "Debütantenball" ein voller Erfolg für Fred Rutten (FC Schalke 04), Martin Jol (Hamburger SV), Bruno Labbadia (Bayer Leverkusen) und Jürgen Klinsmann (FC Bayern München). Auch Jürgen Klopp, der sich auf dem Parkett Bundesliga schon ein wenig besser auskennt als seine vier Kollegen, feierte einen gelungenen Einstand in Dortmund.

bundesliga.de hat die fünf Trainer und ihre neuen Arbeitgeber genauer unter die Lupe genommen. Vier der Clubs mit neuem Coach führen die Tabelle an. Alle fünf Teams holten gemeinsam mehr Punkte (32), mehr Siege (neun), weniger Niederlagen (eine) und schossen mehr Tore (34) als zum selben Zeitpunkt vor einem Jahr (27; acht; vier; 28).


Hamburger SV: Endlich wieder Tore satt

Im Gegensatz zu seinem Vorgänger Huub Stevens setzt Martin Jol ganz offensichtlich auf weitaus mehr Offensive. Der HSV schoss im Schnitt 2,7 Tore pro Partie - 2007/08 waren es nicht einmal halb so viele Treffer (1,3). Nur der nächste Gegner Bayer Leverkusen traf noch häufiger ins Schwarze (neun Mal) als die Hamburger (acht Mal).

Die Chancenverwertung der Hanseaten ist unter Jol wahrlich meisterlich: Mehr als jeder vierte nicht geblockte Schuss zappelte im Netz (26,7 Prozent) - Ligaspitze und gegenüber dem Vorjahr (10,7 Prozent) deutlich verbessert.

Der Verlust von Rafael van der Vaart hat keine sichtbaren Spuren hinterlassen. Nach drei Spieltagen konnten sich bereits sechs HSV-Spieler in die Torschützenliste eintragen. Zum selben Zeitpunkt der Vorsaison hatten gerade einmal zwei Akteure getroffen (Colin Benjamin und van der Vaart). Dazu kommt auch ohne den Niederländer eine Quote von 28 Prozent gelungener Flanken – Platz 2 in der Bundesliga.

Ein weiteres Plus unter Jol ist der Kampfgeist des HSV. In der vergangenen Saison konnte Hamburg kein einziges Spiel nach Rückstand drehen (13 Spiele). Nun drehten sie in Bielefeld ein 0:2 in einen 4:2-Sieg und holten bei den Bayern nach 0:2-Rückstand noch einen Punkt.


FC Schalke 04: In der Liga weiter auf der Erfolgsspur

Mit Rutten am Ruder steht Schalke nach drei Spieltagen erstmals seit dem 32. Spieltag der Saison 2006/07 wieder an der Tabellenspitze. In der laufenden Saison ist die Defensive der Knappen mit nur einem Gegentor die beste der Liga. Zudem steigerten die Knappen ihre Zweikampfwerte von 49,9 auf fast 54 Prozent gewonnener Duelle.

Das ist auch ein Verdienst von Mathias Schober: Er hielt knapp 92 Prozent der Schüsse auf seinen Kasten und ist damit bester Keeper der laufenden Saison. Den Vorjahreswert von Manuel Neuer überbietet die eigentliche Nummer zwei der "Königsblauen" damit um gute 17 Prozentpunkte.

Schalke gab ligaweit die meisten Torschüsse per Kopf ab (zwölf) und erzielte auch die bislang meisten Kopfballtore (drei). Vor allem nach Standards sind Ruttens Spieler gefährlich: drei Mal netzte Schalke nach einem ruhenden Ball ein.

Der Aufwärtstrend begann allerdings schon, als Ruttens jetzige Assistenten Youri Mulder und Mike Büskens kurz vor Ende der vergangenen Saison auf Interimsbasis an der Seitenlinie die Marschrichtung vorgaben. Seither ist Schalke in neun Punktspielen ungeschlagen und gewann davon sieben - jeweils zu Null.


Borussia Dortmund: Gestartet wie ein Meister

Platz 3 in der Tabelle, hinter Schalke und dem HSV, belegt Dortmund. Besser als mit sieben Punkten aus drei Spielen startete der BVB letztmals vor sieben Jahren: 2001/02 holten die Borussen drei Siege zum Auftakt und beendeten die Saison als Deutscher Meister.

Vor allem das Sorgenkind der vergangenen Saison - die Abwehr - scheint stark verbessert. Mit drei Gegentoren stand sie zum Saisonstart stabil (nur Schalke kassierte weniger). In der Vorsaison waren die Borussen mit 62 Gegentoren die "Schießbude der Liga".

Marc Ziegler, der erneut den verletzten Roman Weidenfeller im Tor des BVB ersetzt, wehrte 80 Prozent der Schüsse ab - drittbester Wert der Bundesliga und deutlich über seinem Vorjahreswert von 67,7 Prozent.

Auch in punkto Effizienz hat Dortmund unter Klopp dazugelernt. Mit fünf Treffern sammelte die Klopp-Elf sieben Punkte, also 1,4 Zähler pro Tor. 2007/08 hatte ein Treffer nur für ungefähr halb so viele Punkte gereicht (0,8).


Bayer Leverkusen: Ein ehemaliger Stürmer bläst zum Angriff

Der Tabellenvierte wird von Labbadia trainiert und gab in der laufenden Saison die meisten Torschüsse ab (46). Bislang traf kein Team häufiger als die Mannschaft des Ex-Stürmers (neun Mal).

Sechs dieser Treffer wurden von Stürmern erzielt - Spitzenwert in der Bundesliga. Kein Team traf häufiger per Kopf als Bayer (drei Mal). Und Neuzugang Patrick Helmes kam Liga-weit am häufigsten zum Abschluss (15 Mal).

Knapp jeder fünfte nicht geblockte Torschuss der Leverkusener zappelte im Netz - die Chancenverwertung ist die drittbeste der Liga. Dazu kommt die zweitbeste Schussgenauigkeit (52 Prozent).

Doch nicht nur beim Abschluss stimmt s in Leverkusen. Die Elf von Labaddia schlägt die genauesten Flanken - knapp 31 Prozent kamen zum Mitspieler. Zudem zeigen die Bayer-Profis Biss und Ausdauer. Kein Team traf häufiger in der Schlussviertelstunde (vier Mal).


Bayern München: Das Ende der Torflauten

Auch wenn der amtierende Deutsche Meister noch nicht ganz oben ist, die Mannschaft von Jürgen Klinsmann ist eine von fünf ungeschlagenen in der laufenden Saison. Am 3. Spieltag gab es endlich den ersten "Dreier" für den Ex-Bundestrainer.

Doch nicht nur das: Beim 4:1 gegen Hertha platzte gleich bei mehreren Bayern-Stars der Knoten. Miroslav Klose traf nach 675 torlosen Bundesliga-Minuten wieder ins Schwarze. Philipp Lahm hatte gar mehr als zwei Jahre auf einen Treffer in der Bundesliga warten müssen.

Auch Bastian Schweinsteiger blüht zum Start auf: zwei Tore an den ersten drei Spieltagen hatte er zuvor noch nie geschafft. Mit seinen Treffern hat er seine Vorjahresbilanz an Toren jetzt schon verdoppelt. Dies zeigt die neue Kaltschnäuzigkeit der Bayern: die Chancenver¬wertung stieg gegenüber der Vorsaison von 13,9 auf 18,4 Prozent.

Die Bayern sind flexibler geworden: Während der Rekordmeister in der vergangenen Saison immer mit Viererkette antrat, probierte Klinsmann gegen Berlin die Dreier-Variante in der Abwehr - mit großem Erfolg!

Und ob nun mit vier Defensivspielern oder nur dreien: in punkto Zweikampf zeigen die Bayern mehr Biss im Vergleich zur vergangenen Saison. Sie schraubten ihre Zweikampfbilanz von 53 Prozent auf 55 Prozent hoch.

Sebastian Stolz