Berlin - Das heißeste Team der Bundesliga heißt aktuell Borussia Mönchengladbach. Seit André Schubert dort auf der Trainerbank sitzt, läuft es bei der Fohlenelf.

Es war eine beeindruckende Vorstellung, die Borussia Mönchengladbach beim 4:1-Auswäwrtssieg bei der Berliner Hertha geboten hatte. Die erste Halbzeit war nach den Worten ihres neuen Kapitäns Granit Xhaka sogar "fast perfekt" gewesen. Sicher und souverän brachte die Elf vom Niederrhein nicht nur drei Punkte nach Hause, sondern verhalf ihrem Coach André Schubert auch noch zur Einstellung eines fast dreißig Jahre alten Bundesliga-Rekordes. Seit Willi Entenmann im Frühling 1986 hat es kein Trainer mehr geschafft, die ersten sechs Partien mit seinem neuen Team zu gewinnen.

Der Glaube ist zurück

Das ist bei der Borussia umso bemerkenswerter, als sie die fünf Partien der Saison zuvor allesamt verloren hatte. "Die ersten fünf Spiele haben wir verschlafen", vermutet Xhaka, der unter Schubert den vielleicht besten Fußball seiner bisherigen Karriere spielt. Der Schweizer gibt zu bedenken: "Es war ja nicht so, dass wir das Fußballspielen verlernt hatten." Es ist wohl tatsächlich eine Frage des Glaubens – der war unter Schuberts Vorgänger Lucien Favre irgendwie verloren gegangen. Und ist nun wieder da. Unübersehbar ist das zurückgekehrte Selbstvertrauen bei der Chancenverwertung: An den ersten fünf Spieltagen unter Lucien Favre benötigte man knapp 26 Torschüsse, um einmal zu treffen – in den letzten sechs Spielen saß durchschnittlich jeder vierte Torschuss.

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Das hat natürlich auch Folgen in der Tabelle, die bekanntlich nicht lügt. Hatte Mönchengladbach vom zweiten bis fünften Spieltag die Rote Laterne inne, ist die Borussia inzwischen hoch auf Platz 5 geklettert. Nur drei Punkte Rückstand sind es auf Rang 3, der die direkte Qualifikation zur Champions League bedeutet. Noch besser: In der Schubert-Tabelle, dem Ranking seit dem sechsten Spieltag, grüßen die Fohlen die Bundesliga von oben: 18 Zähler, kein einziger verlorener Punkt, 21 geschossene Tore – das schafft weder Borussia Bortmund (11 Punkte, 14 Tore) noch Bayern München (16 Punkte, 18 Tore). Keine Frage: Borussia Mönchengladbach ist zur Stunde das heißeste Team der Liga.

Bis Weihnachten noch zehn Spiele

Doch es bleibt keine Zeit zum Durchschnaufen: In den kommenden sechseinhalb Wochen bis zum Beginn der Winterpause hat der VfL sage und schreibe zehn Spiele vor der Brust. Champions League, Bundesliga, DFB-Pokal – im Drei-Tages-Rhythmus ist das Team gefordert. Dabei ist die Lage gerade in der Königsklasse vor dem Heimspiel am Dienstag gegen den italienischen Meister Juventus Turin noch geprägt vom verkorksten Saisonstart der Borussia. Erst am dritten Spieltag konnte Gladbach, beim 0:0 in Turin, erstmals punkten.

Für Manager Max Eberl sind die Englischen Wochen mit ein Grund, warum derzeit keine endgültige Entscheidung in der Trainerfrage getroffen werden kann. Denn angesichts der Euphorie rund um den Borussia-Park könnte fast vergessen werden, dass André Schubert offiziell weiterhin lediglich den Status des Interimstrainers hat.

Wie weiter mit André Schubert?

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Der nimmt es locker. "Wir sind alle Interimstrainer, ich habe nur keinen Vertrag", verweist der 44-jährige Hesse auf die bekannten Mechanismen des Trainerjobs. Führungsspieler wie Lars Stindl, Raffael oder Granit Xhaka haben sich jedenfalls klar für André Schubert ausgesprochen, wissen aber auch, dass sie nicht die Entscheidungsträger sind. "Wir können nur auf dem Platz die Ergebnisse holen – für ihn, für uns und für den Verein", sagt Kapitän Xhaka. Der Platz wird dabei zunächst mal der heimische sein: Bis Ende November hat die Borussia nun in der Champions League und der Bundesliga insgesamt vier Heimspiele in Folge. Sie könnten entscheidend für den weiteren Saisonverlauf werden.

Aus Berlin berichtet André Anchuelo