Berlin - Wenn der FC Bayern am Samstagabend im DFB-Pokalfinale auf Borussia Dortmund trifft (ab 19:45 Uhr im Live-Ticker/Liga-Radio), will der Rekordmeister mit allen Mitteln den Trend der letzten beiden Spielzeiten umkehren. Vier Mal verließen die Münchner in den vergangenen vier Duellen mit dem BVB das Spielfeld als Verlierer, wodurch das bajuwarische Mia-San-Mia-Selbstverständnis erhebliche Kratzer bekam.

Doch anders als vor dem entscheidenden Duell im Endspurt der Bundesligasaison, als es aus beiden Richtungen zu verbalen Attacken kam, blieben Im Vorfeld des Gigantenduells diesmal beide Parteien erstaunlich sachlich und ließen sich nicht aus der Reserve locken. Statt Giftpfeile in die ein oder andere Richtung zu schießen, war die Atmosphäre fast ausschließlich von gegenseitigem Respekt geprägt.

Viel Lob von beiden Seiten



"Der Jupp", so Dortmunds Cheftrainer Jürgen Klopp über seinen Münchner Kollegen Heynckes, "verbindet das schwere Umfeld mit Gelassenheit und ist dabei super souverän." Die vielen Erfolge seien ihm nicht zu Kopf gestiegen, im Gegenteil: "Er ist ein sehr angenehmer Kollege." Der so gelobte Cheftrainer wollte sich daraufhin nicht lumpen lassen und konterte seinerseits mit einem Lob Richtung Klopp. Der habe es verstanden, sein Konzept mit vielen jungen Spieler zu verinnerlichen. "Der Erfolg des BVB ist ganz eng mit Jürgen verknüpft".

Harmonie pur also? Nicht ganz - denn beide Teams brennen darauf, den begehrten Pokal am Samstagabend in die Höhe zu stemmen. Doch worauf wird es ankommen, wie sind die Teams drauf - und was sagen die Protagonisten? Die Faktenvorschau von bundesliga.de bietet vorab die wichtigsten Informationen zum Klassiker.


Ausgangslage:

Das Duell Meister gegen Vizemeister, das es bislang nur einmal gab (2005 gewann Bayern gegen Schalke 04 2:1 und das Double), ist für Klopp "das beste, was der deutsche Fußball zu bieten hat. Dieses Spiel wird niemand verpassen. Wer es nicht gesehen hat, wird direkt nach Abpfiff fragen, wie es ausgegangen ist. Das ist ein außergewöhnlicher Moment, mehr kann Sport nicht bieten".

Klopps BVB ist in der Bundesliga zur "schwarz-(gelb)en Bestie" für den FC Bayern geworden. 0:2, 1:3, 0:1, 0:1 - so endeten die vergangenen vier Aufeinandertreffen aus Münchner Sicht. Damit es nicht zum fünften Fiasko in Folge kommt, will der Rekordmeister auf dem aggressiven Forechecking der Westfalen diesmal Paroli bieten. "Wir haben uns Gedanken gemacht, wie wir die Borussia schlagen können", sagt Heynckes. "Ich bin zuversichtlich, dass wir diesmal dran sind."

Dass die Bayern in hervorragender Form sind, haben sie im Bundesligafinale bewiesen. Obwohl es für sie um nichts mehr ging und Heynckes mächtig durchrotieren ließ, gab es Siege gegen Bremen, Stuttgart und Köln. Auf der Gegenseite steht jedoch der BVB, der mit einer historichen Rückrunde seine Rekordsaison krönte. Sage und schreibe 47 von 51 möglichen Punkten holten die Westfalen nach der Winterpause und ließen auch dann nicht nach, als der Titelgewinn schon feststand.


Statistik:

Der FC Bayern steht zum 18. Mal in seiner Vereinsgeschichte im Finale - öfter als jeder andere deutsche Verein. Mit bislang 15 Siegen sind die Münchener zugleich Rekordpokalsieger. Den bislang letzten Pokalsieg feierten die Bayern 2010 gegen Werder Bremen (4:0). Borussia Dortmund steht dagegen erst zum fünften Mal im Endspiel, zwei Mal reichte es zum Titel. Der letzte Triumph datiert von 1989, als es ein 4:1 gegen Werder Bremen gab. Im letzten Finale 2008 unterlag die Borussia dem FC Bayern nach Verlängerung mit 1:2.

Der BVB kann erstmals in seiner Geschichte das Double gewinnen - den Bayern gelang dieses Kunststück bereits acht Mal. Dortmund wäre nach den Bayern, Schalke, Köln und Bremen der fünfte deutsche Double-Gewinner. Im Pokal trafen Bayern München und Borussia Dortmund bislang vier Mal aufeinander, drei Mal gewann der Rekordmeister aus München. Der einzige Sieg gelang dem BVB 1992/93 in der 2. Runde (5:4 i.E.).


Finalweg:

Nach Siegen bei Drittligist SV Sandhausen, gegen Zweitligist Dynamo Dresden, bei Zweitligist Fortuna Düsseldorf und bei Viertligist Holstein Kiel erreichte Dortmund durch einen Erfolg nach Verlängerung bei Zweitliga-Meister SpVgg Greuther Fürth ohne Gegentor das Finale.

Die Bayern setzten sich bei Zweitligist Eintracht Braunschweig, gegen Zweitligist FC Ingolstadt, beim VfL Bochum und bei den Erstligisten VfB Stuttgart und Borussia Mönchengladbach (im Elfmeterschießen) durch.


Personal:

Beide Teams haben so gut wie keine personellen Sorgen und können nahezu aus dem Vollen schöpfen. Bayerns Verteidiger
Holger Badstuber und David Alaba kehren in die Abwehrkette zurück, nachdem sie Heynckes wegen der Sperre im Champions-League-Finale zuletzt draußen gelassen hatte. Ob Luiz Gustavo, der ebenfalls gegen Chelsea gesperrt ist und zuletzt Knieprobleme hatte, auflaufen kann, ist noch ungewiss. Sollte der Brasilianer spielen, müsste wahrscheinlich Thomas Müller zunächst auf der Ersatzbank Platz nehmen.

Bei der Borussia deutet alles auf die Startelf hin, die beim 1:0-Sieg gegen die Bayern die Meisterschaft vor einem Monat so gut wie eingetütet hatte. Sprich: Mario Götze wird wohl erst einmal auf der Bank sitzen. "Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass er eingewechselt wird", sagte Klopp aber. Ein 90-Minuten-Fight kommt für Nationalspieler nach viermonatiger Verletzungspause noch zu früh. "Natürlich möchte ich immer spielen. Aber manchmal muss man sich zwingen, geduldig zu sein", verriet Götze.


Stimmen:

Jürgen Klopp: Die Bayern werden alles raushauen, und wir auch! Es wird ein richtig geiles Finale, Davon habe ich als Junge geträumt, für mich ist das wie Wembley. Wir werden so auftreten als wäre es Wembley, oder Wimbledon, oder sonstwas.

Jupp Heynckes: Wir haben vier Mal verloren, es reicht!

Philipp Lahm: Jetzt werden die Preise verteilt, da muss man da sein. Wir wollen Titel, denn wenn man beim FC Bayern keine gewinnt, ist es keine gute Saison.

Mario Gomez: Gegen den BVB ist jeder topmotiviert - Chelsea hin oder her. Das Thema Rache sollte nicht zu ernst genommen werden. Für uns geht es darum, den Titel zu gewinnen, egal wer der Gegner ist - ob Fürth, Frankfurt, Stuttgart oder Dortmund.

Bastian Schweinsteiger: Es wird das schwerste Finale, in dem ich gespielt habe.

Sebastian Kehl: Ein DFB-Pokalfinale spielt man nicht alle Tage. Zudem bedeutet ein Finale, dass es am Ende immer einen Gewinner gibt - und der andere muss traurig nach Hause fahren. Von daher hat es eine besondere Bedeutung.



Voraussichtliche Aufstellungen:

Borussia Dortmund: Weidenfeller - Piszczek, Subotic, Hummels, Schmelzer - Gündogan, Kehl - Kuba, Kagawa, Großkreutz - Lewandowski

FC Bayern München: Neuer - Lahm, Boateng, Badstuber, Alaba - Kroos, Schweinsteiger - Robben, Müller, Ribery - Gomez

Schiedsrichter: Peter Gagelmann (Bremen)