Köln - Shinji Okazaki ist seit dem 1. Spieltag der laufenden Saison japanischer Rekordtorschütze in der Bundesliga. Gegen den SC Paderborn erzielte der Stürmer vom 1. FSV Mainz 05 seinen 26 Treffer und zog damit mit Yasuhiko Okudera gleich. Dabei sah es nicht immer so aus, als ob Okazaki in Deutschland glücklich werden würde.

Dieser Artikel ist Teil der Serie "Japaner in der Bundesliga", die am Montag begonnen hat.

Beim VfB Stuttgart spielte Okazaki häufig auf dem Flügel. Eine Position, die ihm nicht so sehr liegt. Er ist ein Vollblutstürmer und will auch im Angriff eingesetzt werden. In Mainz erkannte Thomas Tuchel, dass er den Japaner am besten ins Sturmzentrum stellt. „Shinji kann alles – nur nicht vorbereiten“, sagte der ehemalige Coach der 05er über Okazaki. Dass er Tore schießen kann, hat er in der vergangenen Saison unter Beweis gestellt: 15 Treffer gelangen Okazaki, darunter fünf Doppelpacks. So häufig war in der Bundesliga-Historie kein anderer Japaner in einer Spielzeit erfolgreich. Auffällig: Zehn Mal knipste der schnelle Okazaki auswärts.

Video: Okazakis Top-Saison 2013/14

Seit er in Mainz so richtig durchgestartet ist, ist auch sein Selbstbewusstsein deutlich gestiegen. "Ich bin eigentlich als Stürmer nach Stuttgart gekommen, bin dort aber meist im Mittelfeld eingesetzt worden. Am Ende war ich mir selbst nicht mehr sicher, wo ich hingehöre", so Okazaki im Interview mit "11 Freunde" über seine Zeit beim VfB Stuttgart. In Mainz war dagegen von Anfang an klar, dass er als Stürmer eingesetzt wird. Und dass, obwohl er auch Defensiv durchaus seine Qualitäten hat. In der vergangenen Spielzeit kratzte Okazaki drei Mal für seinen schon geschlagenen Keeper den Ball von der Linie - der beste Wert der Bundesliga.

Es gibt noch Luft nach oben

Nach den Abgängen von Nicolai Müller und Eric Maxim Choupo-Moting war er bis zur Verpflichtung von Sami Allagui sogar kurzzeitig der einzige echte Angreifer bei den Rheinhessen. "Ich kriege noch mehr Chancen, das habe ich in den ersten drei Spielen schon gemerkt - also habe ich auch die Möglichkeit, noch mehr Tore zu schießen", sagte Okazaki gegenüber der "Bild-Zeitung". In der letzten Spielzeit hatte er nach seinem Tor am ersten Spieltag acht Spiele nicht getroffen. Im Laufe der Saison blieb er einmal sechs Spiele und einmal fünf Spiele in Serie ohne Treffer. Es gibt also durchaus noch Luft nach oben.

Auch wenn es durch die Veränderungen im Kader und auf der Trainerbank bei Mainz noch nicht hundertprozentig rund läuft. "Früher haben wir mehr Konterfußball gespielt, jetzt müssen wir selbst aufbauen", benennt Okazaki einen der Unterschiede. In der vergangenen Spielzeit ging Okazaki häufig hohes Risiko: Kein anderer Spieler stand so oft im Abseits (50 Mal).

Der Umbruch ist noch nicht ganz vollzogen, die Spielweise muss von den 05ern erst noch verinnerlicht werden. Dennoch ist es wahrscheinlich, dass Okazaki wieder häufig treffen wird. Und dann bald alleiniger japanischer Rekordtorschütze der Bundesliga ist.

Sebastian Stenzel