Köln - In Zukunft singt die Südtribüne in Dortmund wieder das langgezogene "Kaaaaaagawa Shinji". Die Rückholaktion des Japaners kommt für den BVB nach der erneuten Verletzung von Marco Reus, mehr als gelegen. Ein schmerzender Ausfall, der durch Kagawa kompensiert werden könnte. Nach zwei Jahren bei Manchester United in der Premier League, ist der Japaner zurück bei Borussia Dortmund.In Japan gilt er als Volksheld, in Dortmund war und ist er Publikumsliebling.

Osaka, Dortmund, Manchester, Dortmund. Eine steile Karriere für den Japaner, der sich in der Bundesliga unter Trainer Jürgen Klopp zu einem herausragenden Spieler entwickelt hat. Bei Borussia Dortmund wurde er empfangen, als wäre er nie weg gewesen. Bereits nach kurzer Zeit wurden mehrere 1000 Trikots mit dem Aufdruck "Kagawa" und der Nummer 7 verkauft.

Kagawa kommt wie gerufen

Ein wertvoller Grund mehr für die Rückkehr von Shinji Kagawa ist der vier-wöchige Ausfall von Marco Reus. Im EM-Qualifikationsspiel gegen Schottland hatte sich der 23-fache Nationalspieler einen Außenbandteilriss, sowie eine Dehnung der Fußwurzelbänder zugezogen.

Gemeinsam standen die beiden Offensiv-Strategen noch nicht auf dem Platz. Als Reus in der Saison 2012/13 von Borussia Mönchengladbach zum BVB wechselte, stand Kagawa bereits bei Manchester United unter Vertrag.

Erster Profivertrag in Japan

Shinji Kagawa begann seine Profikarriere in der zweiten japanischen Liga bei Cerezo Osaka. Drei Jahre später schoss Kagawa seinen Verein mit 27 Treffern als Torschützenkönig in die J-League, die erste japanische Liga.

Zudem spielte er für die U20 und U23 der japanischen Nationalmannschaft. Im Mai 2008 gab er mit 19 Jahren sein Debüt für die A-Nationalmannschaft und nahm 2014 in Brasilien zum ersten Mal an einer Weltmeisterschaft teil. 2008 hatte er für Japan bereits an den Olympischen Spielen in Peking teilgenommen.

Zorc erweist sich als Prophet

Die Bundesliga und die Premier League sind in Japan die populärsten ausländischen Ligen. Zur Saison 2010/11 wechselte Shinji Kagawa zu Borussia Dortmund. Zu dem Zeitpunkt hätten wohl nur wenige gedacht, welche Bedeutung er für Borussia Dortmund erlangen sollte.

Manager Michael Zorc bewies mit seiner Transfer-Politik das richtige Näschen:  "Wir bekommen mit Shinji Kagawa einen torgefährlichen Offensiv-Allrounder, der als junges Talent den Durchbruch in der Bundesliga schafft", sagte der BVB-Manager damals auf der Internetseite des Clubs - eine geradezu prophetische Aussage.

In Rekordzeit zum Publikumsliebling

Mit seiner Kreativität, Schnelligkeit und Torgefährlichkeit, spielte sich der kleine Japaner in die Herzen der Dortmunder Fans. Spätestens am 2. Spieltag der Saison 2010/11 eroberte Kagawa die schwarz-gelben Anhänger: Im Derby beim FC Schalke 04 schoss der Japaner zwei Tore und wurde bei der Ankunft in Dortmund unter tosendem Applaus empfangen.

In 49 Bundesliga-Einsätzen war er an 35 Toren beteiligt (21 Treffer, 14 Assists). Unvergessen sein Auftritt im DFB-Pokal-Finale 2012, als er mit dem 1:0 nach drei Minuten den Grundstein für den Erfolg legte - sein bis dato letztes Spiel für den BVB.

Am Samstag, wenn Borussia Dortmund den SC Freiburg empfängt, könnte Kagawa bereits seine Rückkehr feiern und die Position von Marco Reus besetzen. Dass es auch die Breisgauer waren, gegen die er im Mai 2012 sein letztes Bundesliga-Spiel für den BVB absolvierte, ist ein schöner Zufall. Überdies wäre es sein 50. Spiel in der Bundesliga - und ganz sicher nicht sein letztes.

Patrick Eckholt