München - Besser könnte die Vorbereitung derzeit nicht laufen für Xherdan Shaqiri und seinen FC Bayern. Nach sehr überzeugenden Auftritten in den jüngsten Testspielen hat der FCB am Dienstag den ersten emotionalen Höhepunkt in der Allianz Arena mit den Fans erlebt: Vor 35.000 Zuschauern präsentierte der Club die Mannschaft für die kommende Saison.

"Es war schön, die vielen Leute zu sehen, und ich hätte nicht gedacht, dass so früh so viele kommen", sagte Shaqiri: "Ich glaube, alle hatten Freude." Im Interview spricht er über die Frühform der Bayern, seinen neuen Mitspieler Thiago und die Arbeitsweise von Pep Guardiola.

Frage: Super-Bayern, Super-Bayern singen die Fans. Mögen Sie das überhaupt?

Xherdan Shaqiri: Es war ein super Jahr und ich glaube, dass wir uns das schon verdient haben. Aber jetzt ist ein neues Jahr und alles fängt bei null an. Da müssen wir wieder unsere Leistung bringen, egal in welchem Spiel. Wir müssen die nötigen Punkte holen, was aber nicht einfach werden wird. Die anderen Mannschaften haben sich gut verstärkt Aber ich bin mir sicher, dass wir erfolgreich sein werden, wenn wir unsere Leistung abrufen. Dann werden wir sicher den einen oder anderen Titel holen.

Frage: Die Konkurrenz ist groß, vergangene Woche ist noch Thiago Alcantara zum Kader gestoßen. Man hört, es gibt keine Stammplatzgarantie. Akzeptiert man wirklich, dass der neue Trainer der Boss ist?

Shaqiri: Klar, der Trainer war auch letztes Jahr der Boss (lacht). Der Trainer wird immer Boss sein, egal wo man spielt. Der Trainer entscheidet auch wer spielt. Daher müssen wir akzeptieren, was er sagt. Wir haben so viele gute Spieler - egal, wen der Trainer aufstellt, alle können spielen, haben die Qualität. Auch dieses Jahr werden wir alle Spieler brauchen. Das hat uns ja auch schon letztes Jahr so erfolgreich gemacht.

Frage: Wie kann man diesem Erwartungsdruck standhalten?

Shaqiri: Letztes Jahr haben wir auch enormen Druck gehabt, wir waren zwei Jahre ohne Titel. Und damit sind wir sehr gut umgegangen. Wichtig ist, dass wir wirklich nur die Mannschaft in den Vordergrund stellen. Wir müssen wie letztes Jahr als Mannschaft auftreten, denn nur so können wir Erfolg haben. Das hat uns letztes Jahr ausgemacht: Egal, wer gespielt hat, jeder war für den anderen da, und das werden wir dieses Jahr auch wieder sehen.

Frage: Kein Neid in der Mannschaft?

Shaqiri: Bis jetzt habe ich das noch nicht gesehen, und ich denke, wir werden das auch nicht sehen.

Frage: Was macht den Trainer Guardiola aus?

Shaqiri: Er ist sehr erfolgshungrig. Das sieht man überall. Er hatte sehr viel Erfolg und will unbedingt seine Vorstellungen rüberbringen. Er will alles perfekt haben. Man hat in den Testspielen bisher ja gesehen, dass er nicht immer sitzt, sondern auch immer wieder mal am Spielfeldrand ist und die Spieler zu sich ruft und sagt, wie man stehen muss. Er will einfach ein perfektes Spiel haben und wir werden noch viel Freude an ihm haben.

Frage: Wie weit weg ist die Mannschaft denn noch von der Perfektion?

Shaqiri: Das werden wir später sehen. Wenn wir alle Titel gewonnen haben, dann haben wir die Perfektion erreicht.

Frage: Und wie sieht es aktuell aus?

Shaqiri: Ganz perfekt sind wir sicherlich noch nicht. Aktuell sind wir aber auf einem guten Weg.

Frage: Wie gehen Sie ins Testspiel gegen Barcelona?

Shaqiri: Es ist ein Härtest für uns, und wir wollen probieren, das aufzuziehen, was der Trainer möchte. Für den Trainer wird es ein Wiedersehen sein, worauf sich alle hier auch freuen. Das Spiel wollen wir natürlich auch gewinnen, aber schlussendlich ist es auch nur ein Freundschaftsspiel, in dem man sehen kann, wo man steht. Deswegen ist es wichtig, dass wir unser Spiel umsetzen.

Frage: Nicht nur für Guardiola, auch für Thiago ist es ein besonderes Spiel. Welchen Eindruck macht er auf Sie?

Shaqiri: Ich kenne ihn schon länger von der Nationalmannschaft, habe mit der Schweiz schon oft gegen ihn gespielt. Und daher denke ich, dass er es sehr gut macht. Er ist ein super Junge, der sehr sympathisch und sehr ruhig ist, der sich aber schnell integrieren will. Das hat man auf dem Spielfeld gesehen, dass er Freude hat, Fußball zu spielen. Ich mag seine Spielweise sehr.

Aus München berichtet Gregor Nentwig