Berlin - Es ist schon kurios. In den vergangenen sechs Jahren legte Sami Allagui eine einzigartige Serie hin: Stand der Torjäger zu Beginn einer Saison in der Startelf - traf er.

So auch am vergangenen Samstag in Berlin: Beim 6:1-Auftaktsieg gegen Eintracht Frankfurt machte der gebürtige Düsseldorfer in Diensten von Hertha BSC nun das halbe Dutzend voll. Ein Blick in die Statistik zeigt jedoch, dass Allaguis Frühform keineswegs ein Fingerzeig für die nachfolgenden Spiele sein muss.

Auftakttore beflügeln den Stürmer zunächst

Immer wenn der Stürmer zuhause am 1. Spieltag geknipst hat, verlor sein Team nicht - traf er auswärts, ging seine Mannschaft als Verlierer vom Platz. "Es ist schon komisch, es ist die sechste Saison, in der ich am 1. Spieltag treffe, und meistens haben wir noch dazu gewonnen - das ist ein schönes Gefühl", sagte der Tunesier nach dem Spiel gegen die Eintracht.

In der Saison 2008/09 nahm die kuriose Serie seinen Lauf. Damals wechselte der Deutsch-Tunesier von Carl-Zeiss Jena zur SpVgg Greuther Fürth. Gleich in seinem ersten Zweitligaspiel für die Franken gegen den FC Ingolstadt traf er, allerdings auswärts. Die Fürther verloren mit 2:3, beendeten die Spielzeit jedoch auf einem guten fünften Tabellenplatz. Allagui selbst hatte großen Anteil daran, erzielte 15 Saisontore.

In der Saison darauf spielten die Fürther beim Zweitligastart wieder auswärts, diesmal in Kaiserslautern - Allagui traf erneut und Fürth verlor mit 1:2, wurde zum Ende der Spielzeit Elfter. Für den Stürmer war es trotzdem eine gute Saison. Er machte zwölf Tore und weckte Begehrlichkeiten bei anderen Clubs. Zur Saison 2010/11 wechselte Allagui dann zum 1. FSV Mainz 05 in die Bundesliga.

Die Serie in der Serie

Unter FSV-Trainer Thomas Tuchel stand der Neuzugang zum Auftakt prompt in der Startelf und startete eine Serie in der Serie: Traf Allagui zum Ligastart daheim, verlor sein Arbeitergeber die Auftaktpartie nicht. Sein neuer Club Mainz durfte zum Ligastart zuhause ran, gegen den VfB Stuttgart - Allagui netzte ein und Mainz gewann mit 2:0.

Seine Auftakttreffer sollten sich auch dieses Mal zu einem guten Omen für ihn entwickeln. Mainz 05 wurde das Überraschungsteam der Liga, belegte am Ende der Saison den 5. Tabellenplatz. Der Bundesligadebütant Allagui spielte eine gute Saison und entwickelte echte Jokerqualitäten: Fünf seiner insgesamt zehn Treffer erzielte der Torjäger nach einer Einwechslung.

Im zweiten Jahr startete Mainz erneut daheim. Allagui erzielte - gemäß der Serie - die 1:0-Führung gegen Leverkusen, die 05er gewannen erneut. Die Saison selbst lief jedoch nicht gut für den Tunesier. Er kam nur noch sporadisch zum Einsatz, netzte insgesamt lediglich vier mal ein.

Nach dem Auftakt: Die Suche nach Konstanz

Sami Allagui zog seine Schlüsse und wechselte zu Hertha BSC. Gleich in seinem ersten Ligaspiel für die damals überraschend abgestiegenen Berliner trug sich der tunesische Nationalspieler - zuhause gegen den SC Paderborn - in die Torschützenliste ein. Gemäß der heimischen "Allagui-Serie" verlor die Hertha nicht und ging mit einem 2:2-Remis vom Platz.

Der nun fünfte Auftakttreffer in Folge sollte sich wiederum nicht so positiv auf die Laufbahn Allaguis auswirken. Die Mittelstürmerposition war durch Adrian Ramos besetzt, der Neuzugang absolvierte 25 Spiele für die Berliner, davon nur acht über die volle Distanz.

Nun also die Auftaktgala gegen Frankfurt, wo Allagui seinen ersten Doppelpack für die Berliner schnürte. Wird es dieses Mal ein gutes Omen sein? "Das freut mich natürlich sehr", sagte Allagui angesprochen auf seine Serie, "ich würde mich noch mehr freuen, wenn es nun auch mal so weitergeht".

Dass er von Coach Jos Luhukay nun zum Außenstürmer umgeschult wurde, dürfte sicher im Interesse des Spielers sein. Denn in Hinblick auf die WM 2014 braucht Allagui vor allem Eines: Konstanz.

Yannik Schmidt