München - Statistiken sind dazu da, um widerlegt zu werden. Das bestätigte zuletzt gerade der 1. FC Köln mehr als eindrucksvoll, denn als man vor Wochenfrist zum Derby bei Bayer Leverkusen antrat, sprach die Bilanz eigentlich durchweg gegen die Domstädter. Über 15 Jahre hatten die "Geißböcke" bis dahin nicht mehr beim Nachbarn gewonnen - und setzten sich dennoch sensationell mit 4:1 durch.

Nun wollen die Kölner auch anderen, gleichwohl nicht ganz so alten Negativserien den Kampf ansagen. Schließlich wartet man in dieser Saison nach wie vor auf den ersten Heimsieg - und nun kommt ausgerechnet 1899 Hoffenheim (ab 15 Uhr im Live-Ticker/Liga-Radio), das im RheinEnergieStadion noch nie verloren hat (zwei Siege, ein Remis, 8:2 Tore) und auch sonst ein kleiner "Angstgegner" zu sein scheint. Mit anderen Worten, die Hausherren sind gleich doppelt gefordert.

Solbakken fordert Konzentration

"Wir müssen von Beginn an konzentriert in das Spiel gehen, das hat in den bisherigen Heimspielen ein bisschen gefehlt. Ich hoffe, dass wir nicht wieder in Rückstand geraten, sondern dass es uns gelingt, das erste Tor zu erzielen. Wir haben ein Heimspiel und wollen nicht nur auf Konter spielen, wir müssen die richtige Balance finden", gab Trainer Stale Solbakken seinem Team die Richtung vor.

Die "Geißböcke" müssen also aufpassen - auch weil die Gäste derzeit wohl die Mannschaft der Stunde sind: Mit vier Siegen aus den ersten sechs Partien, effizientem Angriff (zwölf Treffer) und stabiler Abwehr (fünf Gegentore) zeigt die Kurve der Kraichgauer offenkundig steil nach oben. Besonders Ryan Babel und Roberto Firmino haben sich in dabei in den Fokus gespielt, immerhin schossen der Niederländer und der Brasilianer jeweils schon vier Tore.

Selbstvertrauen bis zum Anschlag

Für FC-Profi Christian Eichner liegt die Favoritenrolle dementsprechend bei seinem Ex-Club: "Sie verfügen gerade im Angriff über einige Spieler, die weit über dem Bundesliga-Durchschnitt liegen", meinte der 28-Jährige. Den Kopf in den Sand stecken wollte der Linksverteidiger deshalb jedoch nicht, im Gegenteil - das Kölner Selbstvertrauen habe nach der Gala in Leverkusen erst "den diesjährigen Höchststand erreicht".

Allerdings bereitet besonders die Personalsituation in der sowieso noch nicht sattelfesten Abwehr (15 Gegentore) Sorgen. Neben dem gesperrten Miso Brecko, Petit (Reha nach Kreuzbandriss) und Kapitän Pedro Geromel (Außenmeniskusriss fällt gegen Hoffenheim auch dessen potenzieller Stellvertreter Ammar Jemal (Oberschenkelblessur) aus.

"Erwarte ein spannendes Spiel"

Gleichzeitig sieht die Lage auf der Gegenseite kaum weniger angespannt aus: Matthias Jaissle (Achillessehnen-OP) und Fabian Johnson (Bandscheibenvorfall) sind weiterhin außer Gefecht, für die Rekonvaleszenten Sejad Salihovic, Boris Vukcevic, Tobias Weis und Vedad Ibisevic kommt ein Einsatz im Rheinland wohl zu früh.

1899-Keeper Tom Starke rechnet deshalb mit einer engen Kiste: "Die Kölner kommen mit breiter Brust ins Spiel. Sicherlich werden sie versuchen, ihren Heimvorteil zu nutzen. Wir werden mit aller Macht dagegen halten. Ich erwarte ein spannendes Spiel!" Hingegen war sich Chefcoach Holger Stanislawski schon im Voraus sicher: "Es wird kein 0:0 geben!"