Zusammenfassung

  • Serge Gnabry hat sich in den letzten Wochen in den Vordergrund gespielt.
  • Der 23-Jährige ist auf dem besten Weg zum Stammspieler beim FC Bayern und der Nationalmannschaft.
  • Dank seiner Vielseitigkeit und Explosivität kann er verschiedene Positionen bekleiden.

Köln - Manchmal gehen die Entwicklungen im Fußball sehr schnell. Es ist noch nicht so lange her, da saß Serge Gnabry nach seiner Rückkehr von der TSG Hoffenheim zum FC Bayern München bei einer Pressekonferenz und wurde etwas skeptisch gefragt, ob er denn wirklich bereit sei für den Schritt zum Rekordmeister. Fast trotzig entgegnete Gnabry damals: "Wenn ich nicht bereit wäre, wäre ich nicht hier." Vier Monate später ist klar, dass die selbstbewussten Äußerungen des 23-Jährigen absolut gerechtfertigt waren. Gnabry hat zuletzt bewiesen, dass er nicht nur bereit ist für den FC Bayern, sondern auch einer der großen Hoffnungsträger der deutschen Nationalmannschaft ist.

Am 1. Spieltag fehlte der dynamische Rechtsfuß noch verletzt, aber seitdem kam er in jeder Bundesliga-Partie der Bayern zum Einsatz - in den letzten vier Begegnungen stand er dabei jeweils in der Startelf. Nur Joshua Kimmich und Manuel Neuer haben in der Bundesliga bei den Münchnern mehr Einsätze vorzuweisen. Und je länger die Saison läuft, desto besser kommt Serge Gnabry in Fahrt. Am 10. Spieltag gegen Freiburg erzielte er endlich auch sein erstes Tor für die Münchner. Zwei weitere hat er in der Liga vorbereitet.

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Schon 22 Bundesliga-Tore für Gnabry

Gnabry paart eine überragende Dynamik mit gutem Spielverständnis und einem starken Abschluss. Er führt den Ball auch in höchstem Tempo eng am Fuß und ist so nur schwer zu stoppen. Ein weiterer großer Pluspunkt ist seine Vielseitigkeit. Für die Bayern agierte er bislang auf beiden Flügeln, während ihn Joachim Löw in der Nationalmannschaft als hängende Spitze auflaufen ließ. In dieser Rolle hatte er unter anderem schon in Bremen und Hoffenheim überzeugt - und vor allem auch viele Tore erzielt. Elf Treffer waren es für Werder in der Spielzeit 2016/17, zehn für die TSG im vergangenen Jahr.

Video: Gnabry mit einem perfekten Konter-Tor für die TSG

In den letzten beiden Länderspielen des Jahres sammelte Gnabry drei Scorerpunkte und fleißig Argumente für einen Stammplatz in der Nationalmannschaft. "Serge ist sehr variabel und hat Zug zum Tor. Wenn er so weitermacht, wird er ein wichtiger Spieler für uns werden", lobte der Bundestrainer seinen Schützling, der in vorderster Front bestens mit Timo Werner harmonierte. Die beiden Offensivspieler verbindet eine gemeinsame Vergangenheit, denn beim VfB Stuttgart wurden sie einst mit der U17 zusammen Deutscher Meister. Joshua Kimmich war auch Teil dieses Teams.

Robben und Gnabry: Die Kumpel aus dem Kraftraum

Gnabry ging dann früh den Weg ins Ausland und versuchte sein Glück beim FC Arsenal. Auch, wenn er sich in England letztlich nicht durchsetzen konnte, sagt der Bayern-Star heute: "Am meisten geholfen hat mir dort die Weiterentwicklung als Person. Das hat es einfacher gemacht, mich woanders anzupassen." Bei der Anpassung in München hat neben seinem ehemaligen VfB-Teamkollegen Joshua Kimmich, den Gnabry als Vorbild für sich nennt, auch Arjen Robben geholfen.

Der Niederländer ist zwar auch ein Konkurrent im Kampf um einen Stammplatz, aber die beiden Offensivspieler hat der Kraftraum näher zusammengebracht. "Ich bin eigentlich immer im Fitnessraum", erklärt der als Musterprofi bekannte Niederländer, der in der Vergangenheit häufig alleine sein spezielles Programm abspulte. Die Zeiten sind jetzt aber vorbei. "Mit Serge habe ich jetzt aber einen Freund dabei, denn er bereitet sich auch immer sehr gut vor. Er ist von der Einstellung her sehr, sehr gut und spielt auch richtig stark", so Robben.

Video: Die besten Gnabry-Szenen aus seinem ersten Bundesliga-Jahr

Es ist Gnabry förmlich anzumerken, dass sein Selbstvertrauen zuletzt Woche für Woche gestiegen ist. Abseits des Platzes ist er hingegen deutlich zurückhaltender als auf dem Rasen. Was aber nicht bedeutet, dass er nicht um seine Qualitäten weiß. Auf die Frage, wie es sich anfühlt, hochkarätige Spieler beim FC Bayern auf die Bank zu verdrängen, antwortete Gnabry schlagfertig: "Wenn ich draußen sitze, ist doch auch ein Hochkaräter draußen, oder?“ Dieser Einschätzung wird niemand widersprechen wollen. Erst recht nicht nach der Entwicklung in den vergangenen Wochen.

Florian Reinecke

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