Deutschlands Jahrhunderttorwart steht an seinem Geburtstag auf der großen Bühne: Sepp Maier tritt als Sänger und Zauberer beim Überraschungsfest der Volksmusik auf.

Der ehemalige Torhüter von Bayern München und der deutschen Nationalmannschaft machte schon als Spieler nicht nur mit Paraden von sich reden, sondern auch mit Komik.

Gute-Laune-Garantie

Ob als Spaßvogel zwischen den Pfosten oder als Clown in der Fernsehsendung "Stars in der Manege". Der Weltklassetorwart war die "Katze von Anzing" und der "Karl Valentin im Bayern-Tor" zugleich.

Am heutigen Samstag wird Sepp Maier 65 Jahre alt, von Ruhestand kann aber keine Rede sein: Er tourt noch bis Mai mit Florian Silbereisens Volksmusik-Zirkus durch Deutschland und tritt insgesamt 49-mal auf. Der Ex-Nationalkeeper singt im Duett mit Wencke Myhre Fußballschlager wie "Er steht im Tor" oder "Fußball ist unser Leben". Als Magier "Sepp Copperfield" lässt er seine Assistentin und eine Ente verschwinden.

Im Mai 1976 war es ebenfalls eine Ente, die Maier zu einer ungewöhnlichen Showeinlage bewegte. Sie watschelte während des Bundesligaspiels der Bayern gegen den VfL Bochum durch den Strafraum der Münchner. Maier pirschte sich heran, hechtete akrobatisch - aber die Ente war nicht zu halten.

Von ganz vorne nach ganz hinten

Sepp (eigentlich Josef Dieter) Maier wurde am 28. Februar 1944 im niederbayerischen Metten geboren. Mit acht Jahren begann er beim TSV Haar als Stürmer mit dem Fußballspielen. Nach kurzer Zeit wechselte Maier ins Tor und 1958 in die Jugend des FC Bayern. Sein Debüt in der ersten Mannschaft ging vier Jahre später allerdings daneben: 0:1 im Derby gegen 1860 München.

Nach dem Bundesliga-Aufstieg 1965 reihte sich ein Erfolg an den anderen: vier deutsche Meisterschaften (1969, 1972, 1973, 1974) und vier Pokalsiege (1966, 1967, 1969, 1971). Vom ersten Spieltag der Saison 1966/67 bis zur letzten Partie der Spielzeit 1978/79 hütete er 442 Bundesligaspiele in Folge das Bayern-Tor.

Große Erfolge

Mit den Münchnern gewann er dreimal in Folge den Europapokal der Landesmeister (1974-1976), den Weltpokal (1976) und den Europapokal der Pokalsieger (1967). Maier wurde mit der Nationalmannschaft 1972 in Belgien Europameister und zwei Jahre später in Deutschland Weltmeister. Im WM-Endspiel 1974 gegen die Niederlande im Münchner Olympiastadion hatte er mit seinen Paraden in der zweiten Halbzeit großen Anteil am 2:1-Sieg der deutschen Mannschaft.

Maier war hierzulande dreimal Fußballer des Jahres (1975, 1977, 1978) und wurde als Deutschlands Torhüter des Jahrhunderts ausgezeichnet. Bei der Wahl zum Welttorwart des Jahrhunderts belegte er Platz vier hinter Lew Jaschin (Russland), Gordon Banks (England) und Dino Zoff (Italien).

Autounfall beendet Karriere

1979 endete Maiers Spielerkarriere jäh: Nach einem von ihm verschuldeten Autounfall, bei dem er sich schwer verletzte, kehrte er nicht mehr ins Tor zurück. Anschließend war er jahrelang Torwarttrainer bei Bayern (1986/87 und 1994 bis 2008) und der Nationalmannschaft (1988 bis 2004). Dass Jürgen Klinsmann 2004 Bundes- und 2008 Bayern-Trainer wurde, bedeutete für Maier jeweils das Aus.

Seit Mai 2008 ist er zum zweiten Mal verheiratet, er hat eine Tochter aus erster Ehe. Vom Fußball hat er sich zurückgezogen. "Das ist vorbei. Ich spiele nur noch ein bisschen Golf und Tennis", sagt Maier. Die Spiele der Bayern verfolge er aber noch "auf Schritt und Tritt".