Berlin – Drei Tore erzielt, Mann des Tages: Salomon Kalou meldete sich mit einem Knall zurück. Dabei hatte der Ivorer vor dem 3:0-Sieg seiner Hertha gegen Borussia Mönchengladbach am Freitagabend im Berliner Olympiastadion schwere Monate zu überstehen.

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"Bei Salomon Kalou hatte ich über Wochen ein komisches Gefühl", sagte Hertha-Trainer Pal Dardai noch vor dem Spiel ins Sky-Mikrofon. Doch im Abschlusstraining habe der Offensiv-Allrounder viel Tore gemacht. Er hoffe, so Dardai, dass Kalou "das jetzt fortsetzt".

Gnadenlos effektiv

Dardais Hoffnung sollte nicht enttäuscht werden. Im Gegenteil, es folgte ein Fußball-Märchen allererster Güte. In der 18. Spielminute ging es los, als Rechtsaußen Mitchell Weiser eine Sahneflanke ins Zentrum schlug und Kalou zu einem perfekten Kopfball ansetzt – 1:0. Beim 2:0 hatte der ivorische Nationalspieler den richtigen Riecher und staubte nach einem missglückten Befreiungsschlag der Gladbacher Hintermannschaft ab. Den 3:0-Endstand wiederum legte Weiser auf, diesmal schob Kalou die Kugel aus kurzer Distanz volley an Gladbachs Keeper Yann Sommer vorbei ins Netz.

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Kopfball, Abstauber, Volley-Kunstschuss – man könnte meinen, dass der 31-Jährige aus allen Lagen aufs Gästetor schoss. In Wirklichkeit waren die drei Tore zugleich seine einzigen drei Torschüsse in dem Spiel – das war gnadenlos effektiv! "Salomon war eiskalt, das war wichtig", lobte ihn sein kongenialer Vorlagengeber Weiser. "Man hat wieder gesehen, wie wenig Chancen Salomon braucht – er macht aus wenig viel", so der deutsche U21-Nationalspieler. Der so Gelobte gab die Komplimente gerne zurück: "Auch Mitch hat fantastisch gespielt, er hat zwei großartige Vorlagen gegeben", bedankte sich Kalou. Der Stürmer war an diesem Abend aber wahrscheinlich ohnehin der dankbarste Mensch im Olympiastadion.

Trauer nach zwei Todesfällen

Schwere Monate lagen hinter ihm. Im Sommer war erst Kalous Vater Antoine gestorben, nur wenige Tage danach auch seine geliebte Tante Fernande. Der Routinier war in tiefer Trauer und brauchte Zeit, diese Verluste zu bewältigen. Der Verein gab sie ihm, stellte ihn wochenlang frei. So verpasste Kalou einen Großteil der Vorbereitung und kam erst spät wieder zur Mannschaft. Erstmals durfte er vor zwei Wochen beim Sieg gegen Köln wieder ran, doch die fehlende Spielpraxis war ihm noch deutlich anzumerken. Es folgten die Auftritte bei St. Pauli im Pokal und in der Liga bei Hoffenheim. "Danach hatte ich langsam ein gutes Gefühl", berichtete Kalou. Das Gefühl sollte ihn nicht täuschen: Eindrucksvoll meldete er sich nun mit dem Dreierpack gegen Gladbach zurück.

Dass es gleich drei Treffer wurden, war ihm dabei gar nicht so wichtig. "Nach dieser schwierigen Zeit mein erstes Tor, das war eine Erleichterung für mich", so Kalou. "Es war fantastisch, mein erstes Saisontor zu erzielen." Vize-Kapitän Per Ciljan Skjelbred freute sich mit seinem Teamkollegen: "Für uns ist das überragend. Salomon ist ein Super-Fußballer. Und auch ein toller Mensch. Für uns ist er immer wichtig. Jetzt hat er drei Tore geschossen - das freut mich sehr. Für uns etwas jüngere Spieler ist er ein absolutes Vorbild."

Ein echter Teamplayer

Doch bevor auch nur irgendjemand auf die Idee kommen konnte, es gehe Kalou nur um seine eigene Person, zeigte sich der sympathische Angreifer als Teamplayer: "Ich freue mich fürs Team, denn wir haben einen Sieg gebraucht." Und auch bei den Fans bedankte sich der Ivorer ausdrücklich: "Für mich war es bislang eine schwierige Spielzeit mit vielen schlechten Gefühlen. Deshalb war es unglaublich toll, die Unterstützung der Fans zu spüren." Die spendierten ihrem Helden zunächst einen stürmischen Sonder-Applaus, als er fünf Minuten vor Schluss ausgewechselt wurde. Nach Abpfiff dann feierte die Ostkurve minutenlang die gesamte Mannschaft. Denn die hatte ihren Anhängern den fünften Heimsieg im fünften Spiel beschert. Und so konnten alle miteinander mit einem tollen Gefühl in die Länderspielpause gehen. "Wir haben großes Potenzial", versprach Kalou.

Aus Berlin berichtet André Anchuelo