Kaka gegen Arjen Robben, die Ballkünstler vom Zuckerhut gegen "Oranje Boven": Das brisante Viertelfinale zwischen Brasilien und den Niederlanden am Freitag in Port Elizabeth (ab 15:45 Uhr im Live-Ticker) ist bei der WM in Südafrika ein vorweggenommenes Finale.

"Ja, das ist unser erstes Endspiel. Die Niederlande sind mit der schwerste Gegner. Von allen europäischen Teams sind die Holländer von der technischen Qualität her fast Südamerikaner", sagte Brasiliens Nationaltrainer Dunga, der reichlich Respekt vor dem Team seines Kollegen Bert van Marwijk hat.

Niederländer mit ganz breiter Brust

Weitaus weniger Respekt scheint der Europameister von 1988 vor dem Rekord-Weltmeister zu haben. Nach vier souveränen Siegen in vier WM-Spielen haben die Niederlande nur noch ein Ziel. "Wir sind hier, um Weltmeister zu werden. Darum wissen wir auch, dass man Teams vom Kaliber Brasiliens besiegen muss. Wir wollen nicht nur mitspielen. Wir wollen deutlich besser sein und die "Selecao" schlagen", erklärte Bondscoach van Marwijk.

Auch den niederländischen Spielern scheinen die bisherigen Auftritte des fünfmaligen Weltmeisters in Südafrika kaum Angst und Schrecken einzuflößen. "Wir wollen ins Finale. Also müssen wir auch gegen Brasilien gewinnen", sagte Bundesliga-Star Arjen Robben vom deutschen Rekordmeister Bayern München.

Gegen die Slowakei machte der Offensivspieler sein erstes Spiel von Beginn an, und auch der Hamburger Eljero Elia, beim 2:1 gegen die Slowakei für Robben in der 71. Minute eingewechselt, sieht "Oranje" in der Favoritenrolle: "Wir haben weder vor Brasilien, noch vor einem anderen Gegner Angst. Wir gewinnen und kommen ins Finale."

Harsche Kritik von Cruyff

Daran hat offenbar auch Hollands Fußball-Ikone Johan Cruyff keinen Zweifel. Der Vize-Weltmeister von 1974 würde sich nicht einmal eine Eintrittskarte kaufen, um die Brasilianer spielen zu sehen. "Das Spiel der Brasilianer ist eine Schande für die Fans und das Turnier. Normalerweise verfügt Brasilien über eine Mannschaft, die die Menschen gerne spielen sehen wollen. Jetzt aber habe ich kein Geld übrig für eine Eintrittskarte, um Brasilien spielen zu sehen", sagte Cruyff, der viel lieber Robben und Wesley Sneijder beim Zaubern zuschaut.

Tatsächlich spielte die "Selecao" im Verlauf der WM-Endrunde in Südafrika noch nicht brillant auf. Allerdings spazierten die vor allem in der Defensive starken Südamerikaner völlig problemlos ins Viertelfinale. Vor dem Spiel gegen die Niederlande häuften sich jedoch die Sorgen beim fünfmaligen WM-Champion. So muss Dunga auf den verletzten und zuvor starken Mittelfeldspieler Elano verzichten. Zudem fällt Ramires gelbgesperrt aus, sodass wahrscheinlich Felipe Melo in die Startelf zurückkehrt.

"Selecao" mit großem Respekt

Mit der teaminternen Ruhe war es kurz vor den Klassiker gegen die Niederlande ohnehin vorbei. Wie alle Viertelfinalisten mussten auch die Brasilianer ihr WM-Quartier verlassen und in ein vom Weltverband FIFA ausgewähltes Hotel umziehen. "Jetzt müssen wir die Hotels mit anderen Gästen teilen. Da geht die totale Konzentration auf den Fußball verloren. Das gibt ein Durcheinander", sagte Dunga.

Ein wenig kirre sind die brasilianischen Nationalspieler auch ohne den Umzug in ein neues Quartier. Die Dribbel-Künstler aus den Niederlanden bereiten Kaka und Co. reichlich Kopfzerbrechen. "Das Team ist richtig stark. Für mich ist das Spiel gegen die Niederlande ein vorweggenommenes WM-Endspiel", sagte Robinho.

Und Juan, der gemeinsam mit dem ehemaligen Bayern-Stars Lucio am Freitag in der Innenverteidigung wohl erstmals richtig gefordert wird, zeigte ebenfalls Respekt: "Lucio und ich, wir halten uns nicht für das beste Verteidigerpaar der Welt. Wir müssen aufpassen. "

Die voraussichtlichen Mannschaftsaufstellungen:

Niederlande: 1 Stekelenburg - 2 van der Wiel, 3 Heitinga, 4 Mathijsen, 5 van Bronckhorst - 6 van Bommel, 8 de Jong - 11 Robben, 10 Sneijder, 7 Kuyt - 9 van Persie - Trainer: van Marwijk

Brasilien: 1 Julio Cesar - 2 Maicon, 3 Lucio, 4 Juan, 6 Michel Bastos - 13 Dani Alves, 8 Gilberto Silva, 5 Felipe Melo - 10 Kaka - 9 Luis Fabiano, 11 Robinho - Trainer: Dunga

Schiedsrichter: Yuichi Nishimura (Japan)