Mainz - Last-Minute-Schütze Claudio Pizarro richtete ein Stoßgebet gen Himmel, die Mitspieler feierten in einer Traube das glückliche Remis: Der SV Werder Bremen hat mit dem 1:1 (0:1) beim 1. FSV Mainz 05 seine schwierige sportliche Situation etwas entschärft.

Die 500. Niederlage in der Bundesliga und der Sturz auf den Relegationsrang hatten die Hanseaten so eben abgewendet - doch für Entwarnung im Abstiegskampf sahen die Verantwortlichen keinen Anlass. Zu Recht.

"Ein Erfolgserlebnis"

"Es gibt weiterhin noch viel zu verbessern. Der Punkt ist für uns auch aufgrund des späten Ausgleichtreffers ein Erfolgserlebnis. Es war ein kleiner Schritt, aber wir brauchen noch viel mehr davon", sagte Werder-Trainer Thomas Schaaf zurückhaltend.

Dagegen feierten die Spieler das Unentschieden wie einen Sieg. "Wir haben uns gegen die Niederlage gestemmt und sind belohnt worden", meinte Pizarro. Als niemand mehr einen Pfifferling auf Werder gegeben hätte, traf der Peruaner in der zweiten Minute der Nachspielzeit mit seinem vierten Saisontor artistisch zum 1:1. Es war der , der überhaupt in Richtung Tor flog. Unmittelbar danach pfiff Schiedsrichter Markus Schmidt die Partie ab.

Remis soll die Wende einläuten

Der Großteil der Mannschaft ist fest davon überzeugt, dass das späte Remis die Wende zum Guten sein wird. "Wir haben Moral gezeigt. Und wir haben einen guten Trainer, der uns den Weg aus dem Tabellenkeller zeigen wird", sagte Nationalspieler Marko Marin.

Doch Skepsis ist nach wie vor angebracht. Werder droht 30 Jahre nach der bislang einzigen Zweitliga-Saison weiter der Sturz in die Zweitklassigkeit, denn der Relegationsplatz ist durch den Sieg der Kölner nur ein Punkt entfernt.

Mainz ist überlegen

Die Leistung der Bremer gab zudem wenig Anlass zu großer Hoffnung auf Besserung, denn die Mainzer waren die gesamte Spielzeit über spielerisch überlegen. Nach dem Rückstand durch das zehnte Saisontor von Andre Schürrle (19.) wirkte Werder phasenweise wie gelähmt.

Lediglich Torhüter Sebastian Mielitz, der den rotgesperrten Tim Wiese vertrat, bewahrte die Bremer im ausverkauften Mainzer Bruchwegstadion vor einem höheren Rückstand. zeigte der Keeper allein in der 2. Halbzeit - ehe Pizarro für ein Happy End sorgte.

"Wir haben zu spät gemerkt, was wir brauchen, um zu bestehen - nämlich den nötigen Einsatz", erklärte Nationalverteidiger Per Mertesacker treffend: "Immerhin hat der Kampf in der Schlussphase gestimmt. Das müssen wir nun konservieren."

Fassungslosigkeit bei den Hausherren

Bei den Mainzern herrschte nach dem ersten Remis der Saison Fassungslosigkeit. Zehn Mal brachten die Rheinhessen den Ball Richtung Bremer Tor, innerhalb des Sechzehners, doch nur ein Tor sprang dabei raus.

FSV-Trainer Thomas Tuchel brachte die Stimmung auf den Punkt: "Wir haben extrem viel Aufwand betrieben, um uns viele, viele Chancen herauszuspielen. Das Gegentor in der letzten Sekunde fühlt sich deshalb umso bitterer an." Der Coach gewann der Begegnung dann aber doch noch etwas Positives ab: "Auf unsere Leistung können wir stolz sein."