München - Der 2:0-Sieg gegen Manchester City ist für den FC Bayern München kein Tag der vielen Premieren gewesen. Der Rekordmeister gewann mal wieder zu Null, bereits zum elften Mal in dieser Saison. Stürmer Mario Gomez traf mehr als ein Mal, auch das passierte nun schon zum dritten Mal. Franck Ribery lieferte eine tadellose Leistung ab, ein Thema, das nun schon seit Wochen keinen mehr überrascht.

Und doch war an dem Erfolg des FC Bayern etwas Neues dran. Es war nicht nur das erste Aufeinandertreffen mit ManCity, zum ersten Mal wurden die Münchner in dieser Saison selbst massiv unter Druck gesetzt, zumindest eine halbe Stunde lang. Trotzdem ging der FCB am Ende souverän und hochverdient als Sieger vom Platz und führt weiterhin die schwere Champions-League-Gruppe A mit sechs Punkten an.

"Dann wird uns im Moment keiner schlagen"

Das weckt Begehrlichkeiten bei den Bayern, vor allem für die Bundesliga. "In der Bundesliga wird man uns nicht halten können, wenn wir unsere Form halten und weiterhin so konzentriert bleiben", erklärte FCB-Kapitän Philipp Lahm. "Dann werden wir auch am Ende ganz oben stehen." Auch Doppeltorschütze Mario Gomez sah das so: "Wenn wir genauso konzentriert weitermachen und nicht nachlassen, dann wird uns im Moment keiner schlagen." Trotzdem würde ihm auch ein 1:0 im nächsten Spiel bei 1899 Hoffenheim reichen, um die Tabellenspitze zu verteidigen.

Aber auch wenn die Bayern mit zwei Siegen in die Gruppenphase der "Königsklasse" gestartet sind, auf europäischer Ebene schlagen sie andere Töne an. "In der Champions League ist das anders. Da gibt es mit Barca, Real Madrid oder Manchester United immer die gleichen Favoriten. Die gilt es dann zu schlagen", weiß Lahm. "Wir sind auf einem guten Weg, aber sicher noch nicht da, wo wir hinwollen."

ManCity mit dem besseren Start

Anfangs hatte es auch gar nicht nach einem souveränen Erfolg des FCB ausgesehen. Die erste halbe Stunde zermürbte das intensive Pressing der Engländer das Offensivspiel der Bayern. "Vielleicht waren wir ein Stück weit überrumpelt, da wir noch keinen Gegner hatten, der so gegen uns gespielt hat. Damit hatten wir am Anfang unsere Probleme", meinte Gomez.

Die Gastgeber kamen nur schwer aus der eigenen Hälfte, Manchester empfing die gegnerischen Offensivspieler schon kurz hinter der Mittellinie. "Manchester hat in einem 4-2-2-2 gespielt, daher hat sich alles sehr in der Mitte abgespielt. Zudem sind wir nicht in die Zweikämpfe gekommen", suchte Lahm nach einer Erklärung für den Stotterstart. "Das haben wir aber nach 25 Minuten in den Griff bekommen."

Viel Applaus für Ribery

Es waren wohl auch die Dribblings von Franck Ribery, der in dieser Phase immer häufiger das Laufduell auf der Außenbahn aufnahm und so für den nötigen Schwung im Bayern-Spiel sorgte. Seinen Torschuss in der 38. Minute wehrte City-Keeper Joe Hart nur nach vorne ab, Thomas Müller scheiterte noch im Nachschuss, aber Mario Gomez versenkte den Ball zum 1:0. Auch der Freistoß vor dem 2:0 ebenfalls durch Gomez (45.+1) entstand auf der Seite des schnellen Franzosen.

Ribery präsentierte sich erneut in einer überragenden Form, erntete dafür mehrmals vom Publikum viel Applaus und "Ribery"-Sprechchöre sowie stehende Ovationen bei seiner Auswechslung kurz vor Schluss.

Jeder bekommt seine Chance

Für ihn kam Arjen Robben, der an diesem Abend wohl als einziger Münchner nicht hundertprozentig glücklich war, da es für ihn nur zu einem Kurzeinsatz reichte, bei dem er seine Qualitäten nicht unter Beweis stellen konnte. Trotzdem wissen die Kollegen, was sie an dem Niederländer haben, wenn er wieder hundertprozentig fit ist.

Und dass man sich ins Team auch hineinspielen kann, weiß Daniel van Buyten. "Wir wissen, dass jeder von uns seine Chance bekommt. Man sitzt nicht zehn Spiele draußen", erklärte der Innenverteidiger, der für den angeschlagenen Holger Badstuber in die Startelf rutschte, das aber mit einer sehr guten Leistung bestätigte. "So bleibt man im Rhythmus, und das macht auch die Mannschaft immer besser. Denn es kommen immer wieder frische Spieler rein, die sich beweisen wollen." Die nächste Chance, sich zu beweisen, haben die Spieler am Samstag bei 1899. Die Kraichgauer sind nach der beeindruckenden Champions-League-Vorstellung auf jeden Fall gewarnt.

Aus der Allianz Arena berichtet Jessica Pulter