Nach dem Schlusspfiff der Partie gegen Bayer Leverkusen war den Spielern von Hannover 96 die Erleichterung anzumerken. Ausgelassen feierten sie mit den Fans den 1:0-Erfolg, als wären sie dicht dran am Gewinn der Meisterschaft.

Dabei haben sich die 96er mit dem Sieg lediglich wieder etwas Luft im Kampf gegen den Abstieg verschafft. Vier Punkte beträgt der Vorsprung auf den Relegationsplatz 16.

Enke warnt vor Momentaufnahme

Torwart Robert Enke warnt aber vor solchen Momentaufnahmen. Vor allem angesichts der schweren Aufgabe am nächsten Spieltag beim FC Bayern München.

"Wir waren nach dem Sieg gegen Schalke am 18. Spieltag schon mal in dieser Situation. Da hatte sich auch Erleichterung breit gemacht. Sicherlich dürfen wir mit einer gewissen Lockerheit nach München fahren. Aber wir müssen weiter punkten", erklärte Enke.

Schlaudraff glaubt an die Überraschung

Und dass ein Zähler oder gar deren drei nicht unmöglich sind, davon ist Jan Schlaudraff überzeugt. "Wenn wir wie gegen Leverkusen spielen, können wir in München punkten. Wenn alles optimal läuft, können wir da auch gewinnen", prophezeit der Stürmer.

Für Schlaudraff ist der Auftritt beim FCB eine Rückkehr an alte Wirkungsstätte. Er wechselte vor der Saison nach nur einem Jahr an der Säbener Straße zu den Niedersachsen. Bei den Bayern kam Schlaudraff in der Vorsaison nicht über acht Saisoneinsätze hinaus.

Hecking fordert Wiederholung

In Hannover ist Schlaudraff nach dem Spiel gegen Leverkusen wohl erst einmal gesetzt. Denn der quirlige Angreifer füllte die Position als Sturmspitze im 4-2-3-1-System von Trainer Dieter Hecking optimal aus. Dabei war es für Schlaudraff der erste Einsatz in der Startelf seit dem 15. November vergangenen Jahres.

Trainer Hecking nahm die Leistung mit Freude zur Kenntnis. "Es war die richtige Überlegung, Jan spielen zu lassen." Hecking will nun aber auch in München so eine Leistung sehen: "Er darf sich nun nicht auf das Sofa legen, sondern muss sich den Applaus jedes Mal aufs Neue erarbeiten."

DVD als Motivationshilfe

Ein Applaus hätte Hecking am 22. Spieltag aber auch verdient gehabt. Mit einem Griff in die Trickkiste stimmte er seine Spieler auf die Partie gegen Bayer ein. Auf der Fahrt vom Hotel zum Stadion liefen im Bus Bilder der schönsten 96-Tore der vergangenen und der aktuellen Saison.

Diese Aktion wird es in München auf der Fahrt in die Allianz Arena aber nicht mehr geben. Stattdessen wollen sich die Hannoveraner lieber auf ihre Fähigkeiten verlassen und auswärts endlich den ersten Sieg in dieser Saison einfahren.

Köln als Vorbild

"Der 1. FC Köln hat es vorgemacht, wie man in München gewinnen kann. Wir dürfen uns nicht einreden, dass eine Niederlage gegen die Bayern normal ist", fordert Hecking ein selbstbewusstes Auftreten seiner Spieler.

Sollten die 96er nach dem Sieg gegen Bayer auch bei den Bayern drei Zähler einfahren, könnten die Spieler guten Gewissens erneut ausgelassen mit den Fans feiern.

Michael Reis