Als die DFL Deutsche Fußball Liga GmbH die Paarungen des 1. Spieltags veröffentlichte, rieben sich die Fans von Eintracht Frankfurt und die Anhänger von Hertha BSC verdutzt die Augen. Das direkte Aufeinandertreffen der Clubs in der Commerzbank-Arena gab es nämlich ebenfalls zum Auftakt der vergangenen Bundesliga-Spielzeit, also vor genau einem Jahr.

Damals siegten die Hessen durch einen Treffer von Ioannis Amanatidis in der 31. Minute mit 1:0. Für die Eintracht und ihre Fans bedeutete das der erste Heimsieg über die Berliner seit 1999 und natürlich einen perfekten Einstand in die Saison 2007/08.

Favre krempelt Kader um

Heute (ab 16:30 Uhr im Live-Ticker / Liga-Radio) treffen die Teams also exakt vier Tage und zwölf Monate nach jenem 1:0 wieder aufeinander. Auf dem Platz werden aber vorwiegend andere Profis stehen. Vergleicht man die damaligen Protagonisten mit der voraussichtlichen Aufstellung für Sonntag, so finden sich lediglich zehn Namen in den Startformationen wieder.

Vor allem bei der Hertha hat sich das Gesicht der Mannschaft kräftig verändert. Trainer Lucien Favre hat den Kader in seiner Premierensaison an der Spree kräftig durcheinander gewirbelt und das Team nach seinen Vorstellungen geformt.

Vier Spieler sind übrig

Nur vier Spieler aus dem Duell der Vorsaison werden sich aller Voraussicht nach auch am Sonntag auf dem Rasen der Commerzbank-Arena tummeln: Torwart Jaroslav Drobny, Patrick Ebert, Marko Pantelic und Lukas Piszczek, damals allerdings noch im Angriff und jetzt in der Verteidigung.

"Aus der Mannschaft vor dem Amtsantritt des Trainers Lucien Favre waren gestern, so glaube ich, gerade mal noch zwei Spieler dabei. Der Rest war neu", weiß auch Frankfurts Trainer Friedhelm Funkel.

Qual der Wahl

Der Frankfurter Trainer hat indes sechs Akteure in seinen Reihen, die vor einem Jahr gegen Hertha aufliefen und auch jetzt gute Chancen haben, am Sonntag bereits zum Anpfiff auf dem Grün zu stehen: Die Abwehrmänner Patrick Ochs, Marco Russ und Christoph Spycher sowie Junichi Inamoto, Michael Fink und Kapitän Ioannis Amanatidis.

Wen Funkel letztendlich ins Rennen schickt, darüber brütet er seit Tagen. Der 54-Jährige hat buchstäblich die Qual der Wahl: "In der Tat ist es so, dass ich vor Entscheidungen stehe, die nicht einfach sind. Viele Spieler bieten sich an für die Startformation. Das ist ein gutes Gefühl für einen Trainer, aber der eine oder andere Spieler wird dann auch enttäuscht sein."

Unberechenbarkeit als Vorteil

Doch genau darin, dass die Hessen nicht leicht auszurechnen sind, sieht der Fußballlehrer einen Vorteil. Das betrifft zum einen das personelle Aufgebot, zum anderen die taktische Ausrichtung.

"Es ist so, dass wenn mein Berliner Trainerkollege in unserer Aufstellung die Namen liest, er nicht wissen wird, mit welcher Taktik wir ins Spiel gehen", sagt Funkel. "Wir gehen als gefestigte Einheit in diese Saison, hatten eine gute Vorbereitung. Wir sind topfit und verfügen im taktischen Bereich über viele Variationsmöglichkeiten."

Ausfälle auf beiden Seiten

Nicht mitmischen können auf Seiten der Eintracht die langzeitverletzten Christoph Preuß Knieoperation), Aleksandar Vasoski (Reha nach Lungen-OP), Zlatan Bajramovic (Zehen-OP), Ümit Korkmaz (Mittelfußbruch), Alexander Krük (Fußprellung) sowie Benjamnin Köhler und die Torhüter Markus Pröll und Jan Zimmermann, die noch einen Trainingsrückstand nach ihren Verletzungen aufweisen.

Auch die Hertha hat personell Sorgen. Kapitän Arne Friedrich (Lendenwirbelverletzung) fällt definitiv aus, bangen müssen die Berliner um Sofian Chahed (Finger-Operation) sowie Raffael und Patrick Ebert, die leichte Blessuren vom 2:0-Sieg gegen NK Ljubljana in der UEFA-Pokal-Qualifikation davon trugen.

Mal wieder erfolgreich in eine Saison starten

Im Vorfeld des Bundesliga-Auftaktes erinnerte Trainer Lucien Favre seine Schützlinge an die vergangene Saison, in der sie nicht nur das Hinspiel gegen Frankfurt verloren hatten, sondern auch vor heimischer Kulisse leer ausgegangen waren (0:3). "Vor allem an das Spiel daheim kann ich mehr sehr gut erinnern", betont der Hertha-Coach.

Nun pocht er auf Revanche. Und die Spieler sind heiß. Zudem will der Club aus der Hauptstadt endlich mal wieder erfolgreich in eine Saison starten. Zuletzt gelang dies 1999, als Hansa Rostock mit 5:2 nach Hause geschickt wurde. "Es wird Zeit, diese Serie zu beenden", sagt Hertha-Manager Dieter Hoeneß.

Thorsten Schaff