Berlin – Beim 5:0-Auswärtserfolg von 1899 Hoffenheim bei Hertha BSC stach ein Mann besonders hervor: Ex-Herthaner Sejad Salihovic brachte die TSG mit einem Doppelpack früh auf die Siegerstraße.

Erstmals seit Mitte September stand Sejad Salihovic wieder in der Startelf der Kraichgauer. "Sali hat ja immer noch eine gute Verbundeheit nach Berlin und von daher war es ein besonderes Spiel für ihn", begründetete Hoffenheim-Trainer Markus Gisdol die Entscheidung, den 30-Jährigen von Beginn an zu bringen. Natürlich ging es auch darum, den Kader durch das Hineinrotieren von Salihovic, Sven Schipplock und Eugen Polanski zu entlasten.

Sali als Dreh- und Angelpunkt

Gisdols Plan ging voll auf: Alle drei zeigten gute Leistungen, aber vor allem Salihovic war in der TSG-Offensive ein ums andere Mal Dreh- und Angelpunkt. Gemeinsam mit dem ebenfalls bärenstarken Roberto Firmino hatte er die meisten Ballkonkte in seinem Team (je 74). Nach der 1:0-Führung durch ein Eigentor der Hertha war es der bosnische WM-Teilnehmer, der Hoffenheim mit zwei Treffern vom Elfmeterpunkt schon vor der Halbzeitpause vorentscheidend in Front brachte.

Für Salihovic markierte die Partie zugleich den endgültigen Abschluss einer langen Leidenszeit. Mit einer Schnittwunde musste der Mittelfeldmann bei seinem letzten Startelfeinsatz Mitte September gegen Wolfsburg ausgewechselt werden. Die Wunde entzündete sich, musste neu geöffnet und gereinigt werden. Erst Ende November stand er wieder im Kader, bis dato aber blieb es in vier Partien bei einem einzigen Kurzeinsatz.

Standardspezialist Salihovic

Nun also das umjubelte Startelf-Comeback des Bosniers – ausgerechnet in Berlin. Hierhin war Salihovic als Siebenjähriger gekommen, als seine Eltern mit ihm vor dem bosnischen Bürgerkrieg flüchteten. Hier wuchs er auf und lernte das Fußballspielen. Hier wurde er, bei Hertha BSC, zum Profi und feierte 2004 mit 19 Jahren sein Bundesligadebüt. Knapp zwei Jahre später wechselte er zur TSG.

Kein Wunder also, dass Salihovic nach der Partie sichtlich guter Laune vor den Reportern stand und über seinen Doppelpack schmunzelte: "Per Elfmeter ist das ja nicht so schwer." Ins gleiche Horn stieß, ebenfalls nicht mit vollem Ernst, sein Trainer Markus Gisdol: "Er hatte zuletzt verballert und war in der Schuld."

Gisdol: "Sehr gute Hinrunde"

Dabei war es hauptsächlich Salihovics Verdienst gewesen, dass die TSG überhaupt noch in der Bundesliga spielt. Ende der vergangenen Saison war er es gewesen, der 1899 mit zwei verwandelten Strafstößen gegen Borussia Dortmund in die Relegation schoss. In Berlin erzielte Salihovic nunmehr bereits seinen dritten Elfmeterdoppelpack in der Bundesliga. Von insgesamt 32 Versuchen verwandelte der Standardspezialist 28 – eine Top-Quote. Und gegen die Hertha spielt der Bosnier ohnehin gerne: Als einziger Hoffenheimer stand er in allen neun Duellen auf dem Platz und erzielte dabei fünf Treffer. "Berlin tut mir gut", sagte Salihovic und verriet, dass er nach dem Spiel gleich in der Hauptstadt bleiben und von dort aus in den Weihnachtzsurlaub aufbrechen werde.

Verdient hat er es sich – genauso wie seine Mannschaftskameraden. Mit dem Sieg zum Abschluss der Hinrunde haben die Kraichgauer nun eine sehr gute Ausgangsposition. Der Dreier machte "aus einer guten Hinrunde eine sehr gute", bilanzierte Markus Gisdol. Damit hat die TSG acht Zähler mehr als vor Jahresfrist. Die 26 Punkte "können wir uns jetzt unter den Baum legen und erstmal genießen", so Gisdol.

Aus Berlin berichtet André Anchuelo