Leverkusen - Trotz der unerbittlichen und schier endlosen Vergleiche mit seinem Vater und Großvater, wählt Javier „Chicharito“ Hernandez den Club mit den roten und weißen Streifen – Chivas Guadalajara – um seine ersten Schritte im Weltfußball zu unternehmen. In einer dreiteiligen Serie gibt der Star von Bayer Leverkusen Einblicke in sein Leben. Im zweiten Teil spricht der Mexikaner über seine ersten Schritte im Fußball und welche Schwierigkeiten er überwinden musste um dahin zu kommen wo er inzwischen ist.

"Oh, so viele Erinnerungen", antwortet er bundesliga.de, auf die Frage nach dem einen besonderen Moment, der seine vier Jahre bei seinem Kindheits-Club am besten beschreibt. "Ich habe so viele: Ich habe mich von unten nach oben gearbeitet – vom vierten Team bis hin in die Reserve der ersten Mannschaft und dann habe ich mein Debüt in der ersten Mannschaft gegeben."

Erste Zweifel

1997 geht der damals neunjährige Hernandez zu Chivas, einem der größten Fußballclubs Mexikos. Ein Schritt, der mit Blick auf die Karriere seines Vaters und Großvaters nicht überraschend ist. Ebenso wenig überraschend ist es, dass er bereits neun Jahre später im Jahr 2006 in die Profiabteilung wechselt.

"Er zweifelte an sich selbst, er glaubte nicht, dass er das Zeug dazu habe in der ersten Liga zu spielen", sagt sein Vater 2010 gegenüber der New York Times über die frühen Profijahre seines Sohns. "Er war ein ungeduldiger junger Spieler. Wir haben ihm gesagt, er soll hartnäckig bleiben und dann wird seine Zeit kommen."

Vielleicht ist gerade Geduld nicht Chicharitos Stärke, lastet auf ihm doch eine Extraportion Erwartungen und zudem noch der Druck, der Enkel des "Campeonisimo" zu sein.

Dennoch gibt Chicharito ein beeindruckendes Debüt: In der 82. Minute im Heimspiel gegen Necaxa kommt er in die Partie und macht nur fünf Minuten später sein erstes Profi-Tor – Chivas gewinnt dieses Spiel im September 2006 mit 4:0.Trotz dieses Erfolgs braucht der junge Mexikaner noch einmal zwei weitere Jahre bis es zu seinem großen Durchbruch kommt.

"Natürlich habe ich ein paar Erinnerungen an mein Debüt und auch welche an den Meisterschaftstitel [Chivas gewinnt 2006 die Meisterschaft, Hernandez kommt in dieser Spielzeit zu fünf Einsätzen, jedoch immer von der Bank – es ist bis jetzt der letzte Meistertitel des Clubs]", sagt Chicharito. "Aber ich habe ebenfalls ein paar Erinnerungen aus der Zeit, als ich länger im Team war."

Weltweiter Star

Erstmals von sich reden macht der 20-Jährige in der Saison 2008/09: In 22 Liga-Einsätzen erziele er vier Tore. In der folgenden Spielzeit schießt er in 28 Spielen sogar 21 Tore, allein acht Stück davon in den ersten fünf Spielen. Dank dieser Leistung ergattert sich Hernandez einen Platz im Kader der Nationalmannschaft Mexikos für die Welmeisterschft 2010 in Südafrika. Zwei Tore im Wettbewerb und ein Wechsel zu Manchester United im gleichen Sommer, lassen Chicharito zu einem internationalen Superstar werden.

Hernandez entwickelt sich gut, nicht zuletzt die zwei Jahren in der harten Schule der Primera Division oder Liga MX, Mexikos Top-Liga, schleifen ihn zu einem Top-Spieler. Er wird so gut, dass sogar darüber gesprochen wird, die Verniedlichung ‚ito’ in seinem Spitznamen zu streichen. Denn mit seiner guten Leistung macht Hernandez den Schritt raus aus dem Schatten seines Vaters und Großvaters und zeigt, dass er auf zu den Besten gehört.

"Habe viel gelernt"

"Eine Erinnerung ist natürlich auch mein Wechsel nach Europa. Da gibt es keinen speziellen Moment, der besonders heraussticht [im Vergleich zu meiner Zeit bei Chivas] und wie ich bereits gesagt habe, habe ich viel aus den schwierigen Situationen gelernt", erinnert er sich.

Und es sollten noch mehr schwierige Momente folgen. Trotz seines guten Spiels in den drei Spielzeiten im Old Trafford, in denen er die Premier League 2010/11 und 2012/13 gewinnt, wird Chicharito am Ende der Saison klar, dass es für ihn bei Manchester sportlich keine Möglichkeiten mehr gibt.  Es folgt die Leihe zu Real Madrid, aber trotz sieben Toren in der Liga, spielte Chicharito auch hier eher die zweite Geige.

"Ich fühlte mich gebraucht"

"Ich hatte in den letzten drei Jahren nicht die Möglichkeit zu zeigen was ich kann", sagt er ganz offen. "Leverkusen hingegen zeigte mir von Beginn an, dass sie mich brauchen."

"Sie haben mit dem Ende meiner Ausleihe nach Madrid ihr Interesse gezeigt", sagt Hernandez über seinen Wechsel gegenüber dem Magazin Die Werkself. "Das hat mich von Anfang an begeistert. Sie wollten mich vom ersten Tag an haben. Dieses Verlangen mich zu überzeugen und zu einem Teil des Clubs zu machen hat mich überzeugt."

Von Daniel Thacker und Judith Rönnau

Teil 1: Seine Kindheit, Vorbilder und Karrierestart
Teil 2: Seine Zeit bei Chivas und der Wechsel nach Europa

Teil 3: Seine Ankunft, Integration und Ziele mit Bayer 04