Paderborn - Wenn der SC Paderborn auf Borussia Dortmund trifft werden reichlich Hände geschüttelt (ab 15 Uhr im Live-Ticker). Beide Teams verbindet nicht nur eine geographische sondern auch eine personelle Nähe. Wer es bei Dortmund nicht schaffte, suchte sein Glück beim David in Ostwestfalen. Sechs Profis schafften den Sprung übers kleine SCP-Brett zum etablierten Bundesligaspieler. Doch das war nicht immer so. Auch Paderborn war mal eine begehrte Großfiliale - ausgerechnet für BVB-Boss Hans-Joachim Watzke.

"Ich kannte den Aki schon, als er noch gar keine Funktion beim BVB hatte. Er war Präsident beim in Paderborn benachbarten A-Ligisten Rot-Weiß Erlinghausen und hat bei mir immer nachgefragt, ob ich ihm nicht ein paar Spieler aus unserer U23 leihen könnte. Und mit denen ist er dann bis in Verbandsliga aufgestiegen", erzählte Born lachend. SC Paderborn 07 gegen Borussia Dortmund - es ist ein Treffen unter Freunden.

Wenn es den Namen "Stadion der Freundschaft" in Cottbus nicht schon geben würde, dann müsste er zumindest am Samstag für die Benteler-Arena in Paderborn erfunden werden. Beim Bundesliga-Spiel des SC Paderborn gegen Borussia Dortmund treffen sich schließlich zwei Vereine, die sich schätzen und seit langem einen guten Kontakt miteinander pflegen.

Born: "Für uns ist das ein absolutes Highlight"

Oft wurden in der Vergangenheit Tests vereinbart, teilweise auch sehr kurzfristig. "Im Dezember 2002 hat uns der BVB mal an einem Montag angerufen und gefragt, ob wir zur Verfügung stehen, weil Marcio Amoroso ein wenig Matchpraxis brauchen würde. Zwei Tage später haben wir dann eben gespielt", sagte Born.

Gut 100 Kilometer trennen die beiden Städte räumlich voneinander, die beiden Clubs jedoch Welten. Zwar suggeriert die Tabelle aktuell etwas anderes, doch Born will die Maßstäbe nicht verrückt wissen: "Bei all den Tests haben wir nie im Traum daran gedacht, dass der BVB mal zu einem Pflichtspiel in der Bundesliga zu uns muss. Für uns ist das ein absolutes Highlight. Aber wir sind natürlich krasser Außenseiter."

Paderborner mit BVB-Vergangenheit in der Galerie

Wenn sich der 47-Jährige da mal nicht irrt. Denn für etliche im Paderborner Kader ist das Westfalen-Derby ein Duell mit ihrem Ex-Verein. Gleich sieben Profis des SC Paderborn haben bei Borussia Dortmund gespielt und außer dem zur zweiten Mannschaft abkommandierten Martin Amedick könnten am Samstag alle zum Einsatz kommen.

"Klar ist das für die Jungs eine Extra-Motivation", sagte Born, der sich allerdings gegen den Begriff "BVB-Filiale" wehrt. "Lukas Kruse sowie Mahir Saglik haben wir selbst ausgebildet und Uwe Hünemeier sowie Marvin Bakalorz sind ja über die Umwege Energie Cottbus beziehungsweise Eintracht Frankfurt zu uns gekommen."

Neben dem genannten Quintett haben zudem Mario Vrancic und Marvin Ducksch eine schwarz-gelbe Vergangenheit. Ducksch vielleicht auch eine Zukunft, denn der 20-jährige Angreifer, der 2011 mit der deutschen U17-Nationalmannschaft bei der WM in Mexiko die Bronzemedaille gewann, ist nur ausgeliehen. "Marvin soll sich jetzt nachhaltig entwickeln und dafür hat er mit André Breitenreiter einen ganz hervorragenden Trainer", sagte David Wagner.

Wagner: "Freue mich, wie gut es für dieses Trio läuft"

Der trainiert seit 2011 mit Erfolg die zweite Mannschaft des BVB und schaut aus den Augenwinkeln stets nach Paderborn. "Drei unserer sieben Spieler habe ich ja bei mir in der Mannschaft gehabt und ich freue mich, wie gut es für dieses Trio läuft", sagte Wagner. Den 43-Jährigen verbindet emotional sehr viel mit Bakalorz, Vrancic und Ducksch. 2012 feierte er mit ihnen den Aufstieg in die dritte Liga, mit Bakalorz und Ducksch dort ein Jahr später den Klassenerhalt und mit Ducksch wurde der BVB II dann 2014 als Tabellen-14. sogar Deutschlands beste Zweitvertretung.

"Die drei sind total unterschiedliche Typen, aber das macht sie für Paderborn so wertvoll", sagte Wagner und erklärte: "Marvin Bakalorz ist ein Krieger, der keinen Zweikampf scheut, Mario Vrancic besitzt eine hohe Spielintelligenz, mit der er auf dem Feld Strategien entwickeln kann und Marvin Ducksch ist ein im positiven listiger Hund, bei dem der Gegner nie weiß, welchen Trick er als nächstes auspackt. Aber alle drei eint die Leidenschaft auf Fußball und der Hunger nach Erfolg." Gegen einen Dreier hätten die ehemaligen Dortmunder sicher nichts einzuwenden. Das Duell mit dem Ex-Club weckt oft ungeahnte Kräfte - trotz Freundschaften.

Thomas Schulz

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