Dortmund - Eine gute Dreiviertelstunde nach Abpfiff des Spiels gegen Werder Bremen hatte Sebastian Kehl sich nach seinem letzten Auftritt in der Bundesliga wieder gefasst. „Ich werde sicherlich noch ein bisschen brauchen, um zu realisieren, dass die Karriere zu Ende ist“, sagte er. Sportlich war er zufrieden: „Wir haben das Maximale aus der Rückrunde herausgeholt.“

Frage:Sebastian Kehl, was geht einem bei einem so emotionalen Abschied aus der Bundesliga durch den Kopf?

Sebastian Kehl: "Vor allem gehen einem die vielen schönen Momente der Karriere durch den Kopf. Ich hatte versucht, mich ein wenig auf diesen schweren Moment vorzubereiten. Das ist aber natürlich sehr schwer. Ich habe schon in den letzten Tagen versucht, mich irgendwie auf andere Gedanken zu bringen.

"Das war ein großer Moment"

Frage: Wie macht man das?

Kehl: "Man stürzt sich in irgendwelche Aufgaben, versucht Sachen zu planen. Aber je mehr Ruhe ich in den letzten Tagen hatte, desto mehr ist mir auch bewusst geworden,  dass ich heute zum letzten Mal in dieses Stadion einlaufen werde. Ich hatte mir nichts sehnlicher gewünscht, als am Ende noch mal einen Sieg davonzutragen. Deswegen bin ich sehr dankbar und sehr stolz, dass wir heute noch mal mit einem positiven Erlebnis diese Bundesliga-Saison abschließen konnten. Ich werde aber sicherlich noch etwas brauchen, um zu realisieren, dass die Karriere zu Ende ist. Das ist ein großer Einschnitt in meinem Leben.“

Frage: Wie fanden Sie ihre Verabschiedung durch die Fans nach dem Spiel?

Kehl: "Ich bin sehr dankbar und sehr glücklich darüber. Das war ein großer Moment nach dem Spiel.“

Frage:Mats Hummels hat ihnen heute die Kapitänsbinde überlassen…

Kehl: "Das war eine Ehre. Der ganze Tag heute hat einfach wunderbar gepasst.“

"Schade, dass Augsburg gewonnen hat"

Frage: Was ist Ihnen durch den Kopf gegangen, als sie ausgewechselt wurden und diese Kapitänsbinde dann ein letztes Mal abgestreift haben?

Kehl: "Da gehen einem natürlich ganz viele Gedanken durch den Kopf. Auf der anderen Seite versucht man nicht nachzudenken, sondern nur aufzusaugen und zu genießen. Was die Fans heute abgeliefert haben war einfach großartig. Es zeigt, dass sie anerkennen, was ich in den letzten 13 Jahren versucht habe zu leisten. Ich habe mich immer reingehauen und versucht alles zu geben. Es war eine spezielle Karriere – definitiv.“

Frage: Wie schwer war es denn, sich bei all dem Drumherum noch auf das Spiel zu konzentrieren?

Kehl: "Das war nicht leicht. Besonders weil meine eigentliche Verabschiedung ja schon vor dem Spiel stattgefunden hat. Da wusste ich vorher natürlich auch nicht, was das mit mir macht. Ich habe versucht, mir einen kleinen Panzer anzuziehen, denn das kann man nicht einfach so wegstecken. Da kann man noch so lange im Geschäft sein. Dafür bin ich zu emotional und sensibel, um das nicht auf mich wirken zu lassen.“

Frage: Wie schätzen Sie den sportlichen Saisonabschluss nun ein?

Kehl: "Schade, dass Augsburg gewonnen hat. Platz sechs wäre am Ende noch besser gewesen. Wir haben versucht das Maximale herauszuholen, nach der Rückrunde. In der Bundesliga ist das ganz gut gelungen und im DFB-Pokal haben wir ja auch noch die Möglichkeit nächste Woche. Der Titel wäre natürlich das i-Tüpfelchen für die Mannschaft, aber auch für meine Karriere.“

Aus Dortmund berichtet Dennis-Julian Gottschlich