Wenn man es ganz genau nimmt, konnte es für Sebastian Kehl gar keinen anderen Verein als Borussia Dortmund geben. Schließlich ist Kehl ein gläubiger Katholik und die Borussia wurde im Dezember 1909 von Jugendlichen gegründet, die dem katholischen Jünglingsverein "Dreifaltigkeit" angehörten.

Irgendwie passte alles also zusammen. Dabei wäre der 31-fache deutsche Nationalspieler beinahe nie nach Dortmund gekommen. Im Sommer 2001 sah alles danach aus, als würde er ein Jahr später zum FC Bayern München wechseln. Der Vertrag schien in trockenen Tüchern.

Am besten vor der Abwehr

Doch Kehl entschied sich anders und nach einigen Turbulenzen wechselte er schließlich in der Winterpause 2001/02 vom SC Freiburg ins Ruhrgebiet. Zu den Breisgauern war er anderthalb Jahre zuvor gekommen, nachdem diese in die Bundesliga aufgestiegen waren. Angefangen hatte seine Profilaufbahn 1998 in der 2. Bundesliga bei Hannover 96.

Schon dort stellte er seine Vielseitigkeit unter Beweis. Kehl spielte zu Beginn in der Abwehr, überzeugte später aber auch als Spielgestalter. Am wohlsten fühlt er sich aber dennoch zentral vor der Abwehr. Dort kann er seine Stärken zur Geltung bringen. Mit viel Aggressivität und dank seiner guten Fähigkeiten in der Balleroberung gelingt es ihm, das Spiel immer wieder aus dem Hintergrund zu ordnen.

Fußball war Familiensache

Fußball wurde Kehl quasi in die Wiege gelegt. Ebenso wie seine Brüder Alexander und Benjamin machte er seine ersten Schritte beim SV Lahrbach, dem Verein, bei dem der Vater der Kehl-Söhne jahrelang Trainer war.

Den örtlichen Fußballverein und das elterliche Landhaus ließ Kehl jedoch schon in früher Jugend zurück, um im zarten Alter von 16 Jahren in Hannover anzuheuern. Obwohl weit weg von Heimat und Familie biss Kehl die Zähne zusammen. Eine Maßnahme, die sich auszahlen sollte - spätestens nach dem Wechsel zum BVB.

Sozial engagiert

Denn schon in seiner ersten Saison mit der Borussia durfte Kehl über den Gewinn der Deutschen Meisterschaft jubeln. Anschließend folgte die Reise nach Asien zur Weltmeisterschaft, wo die DFB-Elf bis ins Finale gelangte.

Seine Prominenz auf dem Rasen hilft Kehl, auch im Alltag zu punkten. So engagiert er sich gemeinsam mit seinem ehemaligen BVB-Kollegen und Freund Christoph Metzelder für das Projekt roterkeil.net, das gegen Kinderprostitution kämpft. Kehl arbeitet an einem Buch und unterstützt verschiedene Hilfsaktionen. Im Rahmen seiner Arbeit hatte er im Januar 2005 sogar das Glück, den mittlerweile verstorbenen Papst Johannes Paul II. kennen zu lernen.

Eine Herzensangelegenheit

Projekte wie roterkeil.net werden auch in Zukunft eine große Rolle im Leben Kehls einnehmen – ebenso wie die Borussia, bei der noch bis 2012 Vertrag hat. Für Kehl selbst gibt es keinen besseren Club.

"Mir ist die Borussia ans Herz gewachsen. Ich identifiziere mich total mit dem BVB", sagte er. "Und mich berührt es, wenn Fans Transparente hochhalten, dass ich bitte in Dortmund bleiben soll. Zu wissen, dass ich bei den Menschen gut ankomme, bedeutet mir sehr viel. Ich gehöre einfach hierher."

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