Gelsenkirchen - Sead Kolasinac hat für den FC Schalke 04 zu diesem Zeitpunkt der laufenden Saison bereits so viele Pflichtspiele bestritten wie in der gesamten vergangenen Spielzeit. Seine Zahlen aus diesen 30 Einsätzen sprechen eine klare Sprache: Der Mann für die linke Außenbahn ist einer der herausragenden Akteure der Knappen.

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In der Bundesliga laufen einige defensive Spieler auf, die sich auf dem linken Flügel schon länger einen Namen gemacht haben. David Alaba gehört auf seiner Position zweifelsohne zu den Besten der Welt, Jonas Hector verteidigt dort beim Weltmeister, Marcel Schmelzer führt den BVB als Kapitän zu von Erfolg zu Erfolg. In dieser Saison sorgt vor allem aber ein Weiterer für erhobene Augenbrauen: Kolasinac.

Ein offensiver Defensiver

Der Nationalspieler Bosnien-Herzegowinas hat auf seiner Position einen großen Leistungssprung gemacht. Für den 23-Jährigen ist es bereits die fünfte Bundesliga-Spielzeit auf Schalke, eine beeindruckende Schnelligkeit im Antritt und körperliche Robustheit haben bereits früh Schwerpunkte in seinem Spiel gebildet. Diese seltene Kombination in einem Linksverteidiger konnte Kolasinac nun um weitere Eigenschaften ergänzen: Spielerisch zeigt er sich verbessert, bringt eine weiter verbesserte Grundgeschwindigkeit und zudem plötzlich auch Torgefahr mit auf den Platz.

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Vor Beginn dieser Saison erzielte der gebürtige Karlsruher in 87 Einsätzen für S04 ein Tor. In der laufenden Spielzeit netzte er bereits dreimal ein, bereitete zudem fünf Treffer vor. Das hat auch damit zu tun, dass Kolasinac unter dem neuen Gelsenkirchener Trainer Markus Weinzierl etwas offensiver auftritt als zuvor; vor allem aber damit, dass er die Qualitäten aufweist, um dies zu tun. Mit seinen acht Torbeteiligungen ist der Linksfuß hinter Spielmacher Nabil Bentaleb Schalkes zweitbester Scorer.

Kämpfernatur

Am letzten Spieltag sorgte Kolasinac für den Schalker 1:0-Sieg in Mainz. Er war nicht nur der Torschütze des Tages, er verdiente sich auch den Titel als Spieler des Spiels. Kein Akteur hatte den Ball öfters als der Bosnier, keiner gewann mehr Zweikampfduelle. Sein Treffer sagt viel über ihn aus: In der 50. Minute erkämpfte sich Kolasinac den Ball in der eigenen Hälfte, kombinierte sich mit den Offensivkräften Eric Maxim Choupo-Moting und Guido Burgstaller passsicher bis in den gegnerischen Strafraum und brachte das Netz aus kurzer Distanz in Stürmermanier zum Wackeln.

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Das Siegtor bei den Rheinhessen schoss er kämpferisch und das ist auch neben dem Platz ein Charakteristika, das ihn auszeichnet. Im Alter von 21 Jahren erlitt Kolasinac einen Kreuzbandriss, fand nach fast 200 Tagen Pause aber seinen Weg zurück ins Team der Königsblauen. Momentan leidet der Mann mit der Rückennummer sechs unter einer gebrochenen Nase; dass er seinen Coach am Tag vor dem Mainz-Spiel kurz vor Mitternacht per SMS darum bat, trotzdem auflaufen zu dürfen, verrät wohl noch mehr über ihn, als es Worte und Zahlen können.

Felix Tschon