Paderborn - Eigentlich hätten seine Mitspieler Mario Vrancic feiern müssen, als der Mittelfeldakteur des SC Paderborn seine Mannschaft gegen den SV Werder Bremen nach einer Flanke von Moritz Stoppelkamp mit einem Volleyschuss in Führung gebracht hatte. Doch stattdessen liefen Vrancic und Co. zur Trainerbank und hielten dort das ihnen gereichte Trikot mit der Nummer 26 in die Höhe. Es ist das Trikot von Florian Hartherz.

Der Linksverteidiger war 2013 von Werder zum SCP gewechselt und fieberte so sehr auf das Duell mit seinem Ex-Verein hin. Am Freitag aber wurde Hartherz brutal aus seiner Vorfreude gerissen. Völlig unerwartet und mit nur 53 Jahren war sein Vater gestorben.

"Dann wäre es erst recht schön gewesen..."

Als Vrancic von bundesliga.de erfuhr, dass sein 1:0 just in der 26. Minute fiel, musste er mächtig schlucken. "Puh", sagte Vrancic mit feuchten Augen und ergänzte nach einer Pause: "Dann wäre es erst recht schön gewesen, wenn es zum Sieg gereicht hätte." Am Ende aber stand lediglich ein 2:2 (2:1) gegen die Weserstädter. Eigentlich ein achtbares Resultat, doch so kurz vor Ende der Saison bei einem Heimspiel im Abstiegskampf eventuell zu wenig. Zumal der Neuling aus Ostwestfalen das bessere Team war. "Das Ergebnis ist sehr bitter. Wir haben ein überragendes Spiel gemacht und hatten Werder klar im Griff", sagte Vrancic.

Zahlen belegen die Analyse des in Slavonski Brod geborenen Deutsch-Kroaten. 20:13 Torschüsse, 14:6 Ecken, 23:14 Flanken und 54% gewonnene Zweikämpfe - Paderborn bot sein bestes Rückrunden-Spiel. Nur das Ergebnis stimmte nicht. "Wir haben zu viele Standards zugelassen und die weiß Werder ligaweit am besten zu nutzen. Aber wir können uns jetzt nicht mit Jammern aufhalten. Nun gilt es, auswärts drei Punkte zu holen", sagte Vrancic.

Paderborn kämpft weiter um den Klassenerhalt

Der 25-Jährige ist vom Klassenerhalt des SC Paderborn überzeugt. "Wir bleiben drin, weil heute jeder sehen konnte, wie gut wir sogar gegen einen Europa-League-Aspiranten spielen können." Mit einem Sieg gegen die Bremer wären die Blau-Schwarzen auf Platz 15 geklettert, so bleiben sie auf einem direkten Abstiegsrang hängen und stehen am kommenden Wochenende beim SC Freiburg vor einem Endspiel im Kampf um den Klassenerhalt.

"Wir haben nicht ein Endspiel, wir haben vier Endspiele. Aber klar, wenn wir in Freiburg gewinnen, dann stehen wir natürlich schon mal vor dem SCF", sagte Vrancic, der dafür an der gegen Werder gezeigten offensiven Marschroute festhalten möchte. "Das ist der richtige Ansatz. Wenn wir den Gegner früh attackieren und ihn schon im Spielaufbau zu Fehlern zwingen können, dann ist ein Sieg möglich." Und den wollen sie natürlich auch für Florian Hartherz holen.

Von Thomas Schulz