Köln/München - Verkehrte Fußballwelt. Während Borussia Mönchengladbach nach Platz 4 im Vorjahr seit Wochen auf ein Erfolgserlebnis wartet, rockt Aufsteiger Eintracht Frankfurt die Bundesliga. Heute (ab 15 Uhr im Live-Ticker/Liga-Radio) treffen beiden Vereine aufeinander.

In Sachen Berg- und Talfahrt kennt sich Eintracht Frankfurt bestens aus. Vor zwei Jahren starteten die Hessen schlecht. Nach vier Niederlagen in den ersten fünf Spielen lagen sie auf Platz 17. Dann gab es einen Zwischenspurt mit 23 Punkten bis zu Winterpause, der sie auf Platz 7 hochschnellen ließ, dem wiederum ein beinahe beispielloser Absturz in der Rückrunde mit nur acht Punkten auf Platz 17 folgte.

Probleme durch den Europapokal



Die Eintracht stieg ab, erfand sich neu, packte die Rückkehr und verblüfft nun alle Experten. Mit 16 Punkten aus den ersten sechs Spielen stellte die Elf von Armin Veh einen Vereinsrekord auf. Momentan ist die Eintracht der einzige Club, der dem Tabellenführer aus München noch einigermaßen folgen kann.

In Mönchengladbach erhalten dagegen die Befürchtungen Nahrung, dass die "Fohlen" bald wieder da stehen könnten, wo Trainer Lucien Favre sie im Februar 2011 übernommen hat. Nicht unbedingt auf dem letzten Platz, doch zumindest im Tabellenkeller. Ausgeschlossen scheint das nicht zu sein, gab es in der Vergangenheit doch etliche Beispiele für Vereine, die nach einer überraschenden Qualifikation für den Europacup größte Probleme bekamen.

In den vergangenen 15 Jahren stiegen mit dem Karlsruher SC, dem SC Freiburg, dem VfL Bochum, dem 1. FC Nürnberg und Hertha BSC gleich fünf Vereine ab, denen die Höhenluft äußerst schlecht bekam. Eine ähnliche Erfolgsstory wie sie Favre in Mönchengladbach erlebte, schrieb vor sieben Jahren auch Thomas Doll beim Hamburger SV, den er auf Rang 18 übernahm, in die Champions League führte und zwei Jahre später erneut auf Platz 18 liegend wieder abgeben musste. Die Borussia sollte also gewarnt sein.

"Bezahlen sofort für Fehler"



Favre steht vor einem Berg von Problemen. Vor allem in den Heimspielen ist seine Elf extrem anfällig und kassierte bereits in vier der fünf Pflichtspielen zwei Tore vor der Halbzeit. Drei Spiele gingen verloren. Die Defensive, das Prunkstück der Vorsaison, ist völlig aus den Fugen geraten.

"Uns fehlt im Moment die Geduld - offensiv und defensiv. Wir machen unnötige Fehler und bezahlen sofort dafür", hat der Schweizer Coach erkannt. "Es ist im Moment keine einfache Situation, aber wir stehen da drüber und versuchen, am Sonntag gegen Frankfurt wieder zu punkten", versucht Innenverteidiger Martin Stranzl die Neagtiverlebnisse cool auszublenden.

Frankfurt mag die "Fohlen"



Mit Frankfurt wartet nun eine schwere Aufgabe auf die Borussia. Das verdeutlicht auch der Blick in die Statistik. Denn die Eintracht spielt ausgesprochen gerne gegen Mönchengladbach. 30 Siege feierte Frankfurt gegen die Borussia (bei 24 Niederlagen), mehr als gegen jeden anderen Kontrahenten. Noch besser ist die persönliche Bilanz von Trainer Armin Veh, der 1979 seine Profilaufbahn als Spieler in Mönchengladbach startete.

Als Trainer hat Veh mit Stuttgart, Wolfsburg und Hamburg die letzten fünf Partien gegen die Borussia alle gewonnen. Und das letzte Gastspiel der Eintracht im Borussia-Park endete vor zwei Jahren mit einer 4:0-Gala der Hessen, damals noch unter Trainer Michael Skibbe.

"Sind nicht Favorit"



Doch trotz der Tatsache, dass die Hessen dank ihres Traumstarts als Tabellenzweiter zum 13. reisen, sieht Veh sein Team als Außenseiter. "Klar ist auf jeden Fall, dass wir nicht als Favorit in dieses Spiel gehen, das wäre zu viel. Die Gladbacher waren nicht umsonst Vierter in der letzten Saison", verweist der 51-Jährige auf den Erfolg seines ehemaligen Vereins in der vergangenen Saison.

Auch wenn sie gute Spieler abgegeben haben, verfüge die Borussia noch immer über "eine gute Mannschaft", sagt Veh. Dass die Elf von Lucien Favre derzeit nicht die erwarteten Ergebisse liefert, sieht Veh darin begründet, dass die defensive Ordnung der vergangenen Spielzeit verloren gegangen sei, was zwölf Gegentore in erst sechs Spielen belegen.

Dennoch warnt der Eintracht-Coach davor, den angeschlagenen Europa-League-Teilnehmer zu unterschätzen: "Gegen Dortmund haben sie richtig gut angefangen." Damit sein Team sich nicht von einer stürmischen Anfangsphase der Borussia überrumpeln lässt, mahnt er seine Spieler zur Vorsicht: "Wir werden sicher nicht so offensiv agieren und so vermeiden, Konter zu laufen. Wir müssen versuchen, unser Spiel durchzubringen."

Tobias Gonscherowski / Gregor Nentwig



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