Stuttgart - So recht wollte es nicht ins Bild passen, was sich am Mittwochabend in den Katakomben der Stuttgarter Mercedes-Benz Arena abgespielt hat. Vorne diktierten die Bayernspieler nach dem 2:0 im Pokalviertelfinale gegen Stuttgart gut gelaunt ihre Antworten in die Notizblöcke der Journalisten. Und dahinter humpelte auf Krücken gestützt Bastian Schweinsteiger in Richtung Mannschaftsbus - kommentarlos und mit schmerzverzerrtem Gesicht.

Der Mittelfeldspieler hatte bei einem Zweikampf mit Georg Niedermeier einen Schlag aufs rechte Sprunggelenk abbekommen und war bereits in der 17 Minute ausgewechselt worden. "Es wäre fatal, wenn er jetzt länger ausfallen würde", fürchtete Trainer Jupp Heynckes direkt nach dem Spiel: "Ich habe sehr große Sorgen."

Schweinsteiger: Riss des vorderen Außenbandes

Schweinsteiger war nach seinem Schlüsselbeinbruch gerade erst wieder in Form gekommen. Traurige Gewissheit brachte die Untersuchung am Donnerstagmorgen: Riss des vorderen Außenbandes im rechten Sprunggelenk lautete die Diagnose.

Die erneute Verletzung des 27-Jährigen schmälerte die Freude der Münchner nach einem ansonsten perfekten Abend.

Kroos glänzt, Robben schmort, Shaqiri kommt

Mit Spielwitz und Ballsicherheit glänzten die Bayern gegen Stuttgart nach zuletzt durchwachsenen Auftritten in der Bundesliga. Und das hatte seine Ursache: "Nach dem holprigen Start mussten wir etwas ändern", erklärte Jupp Heynckes.

Der Trainer des Rekordmeisters stellte Toni Kroos auf dessen Lieblingsposition hinter den Spitzen auf, Thomas Müller rückte auf die rechte Außenbahn. Leidtragender war Arjen Robben. Bei frostigen Temperaturen sah der Niederländer 90 Minuten lang von der Ersatzbank zu wie seine Teamkollegen gegen schwache Schwaben dominierten.

Ausgerechnet Müller bereitete sowohl die Führung durch Franck Ribery (30.) als auch das Tor von Mario Gomez vor (46.). Müller konkurriert mit Robben um den Platz auf dem rechten Flügel. Im Sommer kommt mit Xherdan Shaqiri übrigens eine weitere Alternative für die Offensive hinzu, die Bayern bestätigten am Donnerstag die Vepflichtung des Schweizer Nationalspielers.

Personalentscheidung mit Signalwirkung?

Aber entscheidend ist für den Rekordmeister erst einmal das Hier und Jetzt. Heynckes wollte die Leistung Müllers nicht überbewerten - bewusst um die Signalwirkung seiner Personalentscheidung. "Vielleicht hätte Arjen das genauso gemacht", sagte er angesprochen auf Müllers Torvorlagen. Entscheidend sei für ihn, wie die Mannschaft insgesamt aufgetreten sei, erklärte Heynckes: "Wir waren wieder eine homogene Einheit."

Die geriet selbst nach Schweinsteigers frühem Aus nicht ins Wanken. David Alaba ersetzte ihn und überzeugte mit einer abgeklärten Vorstellung neben dem ebenfalls starken Luiz Gustavo. "Alaba hat klasse gespielt und auch Gustavo hat seine Sache gut gemacht", befand Heynckes.

Das Duo im defensiven Mittelfeld erstickte die zaghaften Stuttgarter Angriffsversuche bereits im Ansatz. Dahinter verbrachte die Viererkette einen ruhigen Abend. Jerome Boateng und Holger Badstuber harmonierten in der Mitte. Philipp Lahm und Rafinha auf den Außenbahnen waren selten gefordert. "Man gewinnt heute Spiele in der Defensive - und da haben wir überhaupt nichts zugelassen", lobte Heynckes.

Schweinsteiger trägt Gips

So soll es nach dem Holperstart auch in der Bundesliga wieder aufwärts gehen. "Den Schwung wollen wir mitnehmen", sagte Keeper Manuel Neuer. Auf Bastian Schweinsteiger müssen die Münchner dabei verzichten. Er trägt erst einmal für eine Woche Gips.

Danach erhält er einen Spezialschuh, mit dem er das Muskelaufbautraining beginnen kann. "Eine Prognose, wann Bastian wieder trainieren oder spielen kann, werden wir zu einem späteren Zeitpunkt bekannt geben", sagte Vereinsarzt Dr. Müller-Wohlfahrt.

Mannschaftskollege Thomas Müller (zum Interview) sprach aus, was in den kommenden Wochen gilt: "Die anderen müssen nun eben wieder in die Bresche springen. Mit Verletzungen müssen wir umgehen können."

Aus Stuttgart berichtet Andreas Messmer