München - Der Lärm der Zuschauer war ohrenbetäubend. Als Bastian Schweinsteiger in der 77. Minute den Rasen betrat, hielt es keinen Bayern-Fan mehr auf seinem Sitz. Mit Standing Ovations empfingen die Anhänger den Rückkehrer und sorgten für den Gänsehaut-Moment im Spiel des FC Bayern München gegen die TSG Hoffenheim.

"So von den Zuschauern empfangen zu werden hat mein Herz sehr berührt", gestand Schweinsteiger anschließend. "Es ist schön, wieder auf dem Platz zu stehen, aber es ist umso schöner, dass wir das Spiel gewonnen haben." 4:0 hieß es schließlich und an der Höhe des Sieges hatte auch Schweinsteiger seinen Anteil. Mario Götze (23.), Robert Lewandowski (40.) und Arjen Robben (82.) hatten den Tabellenführer gegen aggressive Kraichgauer in Front gebracht, ehe Schweinsteiger mit einem feinen Pass Sebastian Rodes Premierentreffer (87.) zum Endstand einleitete.

Rode von den Reaktionen beeindruckt

"Es freut mich doppelt, dass er das Tor vorbereitet hat. Das war ein super Einstand für ihn", sagte Rode, der von der Reaktion auf Schweinsteigers Einwechslung sichtlich beeindruckt war. "Das war etwas Besonderes, das man nicht alle Tage erlebt", betonte der 24-Jährige. "Aber das hat er sich mit den Auftritten bei der WM absolut verdient."

132 Tage ist es her, als Bastian Schweinsteiger im Maracana zu einem der gefeierten Helden des WM-Finals wurde. Unvergessen, wie er trotz eines blutenden Cuts unter dem rechten Auge weiterspielte und mit seinem leidenschaftlichen Einsatz und Kampfeswillen zum Sinnbild des WM-Triumphs der deutschen Mannschaft wurde.

Doch der 30-Jährige musste in den folgenden Monaten dieser Energieleistung Tribut zollen. Zumal Schweinsteiger nicht beschwerdefrei ins Turnier gegangen war. Hartnäckige Probleme mit der Patellasehne im linken Knie machten ihm seit Jahresbeginn zu schaffen - Einsätze waren nur mithilfe von Schmerzmitteln möglich. In der Sommerpause warf ihn eine im Rahmen der USA-Reise erlittene Knöchelprellung zusätzlich zurück. Während der Knöchel schnell heilte, zwangen ihn die Probleme mit dem linken Knie weiter zum Zuschauen.

"Man muss Geduld mitbringen"

Dennoch habe Schweinsteiger selbst immer an ein Comeback geglaubt, auch wenn sich ein genauer Zeitpunkt bis zuletzt nur schwer prognostizieren ließ. "Ich wusste die Verletzung so einzuschätzen, wie sie ist", erklärte Schweinsteiger. "Der eine oder andere hat ein bisschen mehr daraus gemacht, aber ich wusste immer, wie der Stand der Dinge ist. Man muss Geduld mitbringen. Und die hat mir der Verein auch entgegengebracht. Das hat es für mich einfacher gemacht."

Während der Länderspielpause gelang ihm mit der Rückkehr ins Mannschaftstraining der nächste Schritt auf dem Weg zum Pflichtspiel-Comeback. Das Knie hielt den Belastungen offenbar stand, sodass Trainer Pep Guardiola am Freitag vor dem Spiel grünes Licht für einen Platz im Kader gab. "Noch ist er nicht bei 100 Prozent", sagte der Coach. Die wichtigste Aufgabe sei es, ihn wieder zu seiner alten Form zu bringen, denn in den letzten 10 Jahren sei er einer der wichtigsten Spieler beim FC Bayern gewesen.

Schweinsteigers Rückkehr ein Lichtblick

In Anbetracht der vielen Ausfälle und der schweren Verletzungen von David Alaba und Kapitän Philipp Lahm ist die Rückkehr des Vizekapitäns ein erfreulicher Lichtblick. "Wir haben derzeit acht Verletzte", sagte Bayerns Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge. "Deswegen ist es gut, dass er nach der schweren Zeit, die er hinter sich hat, wieder zurück ist." Der beeindruckende Empfang der Fans zeigte, wie sehr Schweinsteiger vermisst wurde und rührte auch den Rückkehrer selbst. "Jede Trainingseinheit in den letzten Monaten hat sich für diesen Moment gelohnt", gab Schweinsteiger zu.

Er weiß aber auch, dass er noch viel Arbeit vor sich hat und nichts überstürzen darf. "Ich bin noch nicht da, wo ich mich gerne sehe", sagte Schweinsteiger. "Ich muss schauen, dass ich die eine oder andere Trainingswoche zu 100 Prozent absolvieren kann, dann wird es immer mehr kommen. Ich bin jedenfalls freu, dass ich ein paar Minuten spielen durfte." Gut möglich, dass schon bald weitere Minuten hinzukommen werden - und nicht erst wieder 132 Tage bis zum nächsten Gänsehaut-Moment vergehen müssen.

Aus München berichtet Maximilian Lotz