Viel größer hätte für Bastian Schweinsteiger die Wertschätzung nicht ausfallen können. "Er spielt eine Super-Saison. Der heißt für mich nicht mehr Schweini, der heißt Bastian. Er ist ein Mann geworden", lobte Uli Hoeneß den 25-Jährigen zuletzt fast schon überschwänglich.

Dabei galt der Präsident von Bayern München jahrelang als größter Kritiker des Nationalspielers. Doch unter Trainer Louis van Gaal ist Schweinsteiger beim deutschen Fußball-Rekordmeister von einem zwar talentierten, aber wenig konstanten Mittelfeldspieler zu einer echten Führungsfigur gereift.

"In dieser Saison hat er den großen Sprung geschafft von einem flippigen jungen Mann, der keine Orientierung hatte im Leben, zu einem sehr verantwortungsbewussten Spieler, der strategisch bei uns arbeitet, der körperlich defensiv sehr stark arbeitet", erklärt Hoeneß den Wandel von Schweinsteiger, dem er in früheren Jahren schon mal "Puder aus dem Hintern blasen" wollte.

Schweinsteiger reift unter van Gaal

Der Wandel vom "Hallodri zum Weltklassemann", wie die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung unlängst titelte, hängt aber auch stark mit der neuen Rolle des gebürtigen Oberbayern zusammen. Spielte Schweinsteiger jahrelang beim FC Bayern, aber auch in der Nationalmannschaft im Mittelfeld auf der Außenbahn, darf er sich unter van Gaal seit Monaten in zentraler Position austoben - und das mit großem Erfolg.

Der 73-malige Nationalspieler glänzt als technisch starker "Sechser" neben Kapitän Mark van Bommel mit Ballsicherheit, Passgenauigkeit, Zweikampf- und Laufstärke. "Ich bin schon lange bei den Bayern, aber es kommt mir entgegen, dass der Trainer mich in der Mitte einsetzt, wo meine Stärken liegen", erklärte Schweinsteiger vor dem Halbfinal-Rückspiel in der Champions League am Dienstagabend bei Olympique Lyon seinen Aufschwung.

Zudem habe ihm van Gaal als dritter Kapitän Verantwortung übertragen, "das alles führt dazu, dass es persönlich gut läuft".

Lob von allen Seiten

Doch damit will sich Schweinsteiger, der mit den Bayern schon je viermal Meister und Pokalsieger wurde, längst nicht mehr zufrieden geben. "Erst wenn wir Titel geholt haben, war es eine gute Saison", sagt er und dokumentiert damit auch seinen Reifeprozess. Dass er nicht mehr so gerne als "Schweini" angesprochen wird, gehört ebenso dazu.

Lob für den 215-maligen Bundesligaspieler gibt es derzeit entsprechend von allen Seiten. Für seinen Ex-Coach Ottmar Hitzfeld spielt Schweinsteiger "die Saison seines Lebens. Er ist auf dem Sprung zur Weltklasse." Für seinen ehemaligen Mitspieler und Mentor Oliver Kahn ist der 25-Jährige momentan "erste Sahne". Schweinsteiger sei einfach "ein guter Junge mit einem guten Charakter".

Van Gaal will dagegen gar nicht so große Worte über seinen Mittelfeldstrategen verlieren: "Er ist einer meiner Kapitäne. Das zeigt doch, wie wichtig er ist."

In der Mitte fühlt er sich am wohlsten

Offen ist derzeit trotzdem noch, wie Bundestrainer Joachim Löw bei der Weltmeisterschaft in Südafrika mit Schweinsteiger plant. Löw sieht zwar auch Woche für Woche dessen positive Entwicklung bei den Bayern, doch gleichzeitig hat er Probleme im Mittelfeld auf den Außenbahnen.

Zuletzt im Länderspiel gegen Argentinien (0:1) gab es dennoch erstmals den Versuch mit Schweinsteiger neben Kapitän Michael Ballack im Zentrum - allerdings agierte Schweinsteiger im DFB-Team lange nicht so effizient wie bei den Bayern. Dennoch stellte er in den letzten Wochen immer wieder auch in Richtung Bundestrainer klar, "dass ich mich in der Mitte am wohlsten fühle". Dort ist er immerhin vom "Schweini" zum Bastian gereift.