Köln - Ein schwarz-gelber Schal konnte noch Mitte der 2000er Jahre für Rätselraten in der Göteborger Innenstadt sorgen. Zu welchem Verein gehört der Schal, ist es ein Fußball- oder Eishockeyclub? Heute wissen viel mehr Schweden, dass die schwarz-gelben Farben zum Deutschen Fußballmeister Borussia Dortmund gehören - auch dank der "Pioniere" vom Fanclub Schwedische Borussen.

Seit dem Herbst 2010 zählen die Schwedischen Borussen zu den offiziell eingetragenen Fanclubs von Borussia Dortmund. Doch wie bei vielen anderen Fanclubs liegen die Ursprünge viel weiter zurück. Hätte Stefan Carlsson aus Vargarda nicht 2003/04 ein Semester als Austauschstudent in Münster verbracht, wäre er in dieser Zeit wohl kein BVB-Fan geworden und kein Gründungsmitglied der Schwedischen Borussen geworden.

Zu fünft den Fanclub gegründet



”Eine schwedische BVB-Homepage gab es schon seit März 2005. In dieser Zeit haben sich die meisten heutigen Vorstandsmitglieder kennen gelernt und sind auch mal zusammen nach Dortmund gefahren. Unser Fanclub wurde am 3. August 2008 in einer Göteborger Kneipe gegründet, damals waren wir zu fünft. Heute sind wir etwas mehr als 50 Mitglieder", erzählt Stefan Carlsson. Natürlich seien einige Mitglieder erst in den letzten beiden Erfolgsjahren des BVB zum Fanclub gestoßen, doch die meisten anderen hätten die Borussia schon viele Jahre länger auf dem Radar. Zwischen 20 und 40 Jahren sei der Großteil alt, es gebe aber auch jüngere und ältere Mitglieder.

Vor sechs, sieben Jahren war es in Schweden gar nicht so einfach, den BVB und die Bundesliga regelmäßig und live zu verfolgen. "Eigentlich gab es nur das BVB-Netradio mit Nobby Dickel und Boris Rupert. Wer deutsches Fernsehen hatte, konnte natürlich auch die Sportschau sehen. Aber die Spiele live zu sehen, das ging eigentlich nicht", meint Carlsson, der etwas später mit seinen schwedischen BVB-Freunden eine ungewöhnliche Alternative fand. "Ein Wettanbieter hat alle Bundesliga-Spiele als Livestream ausgestrahlt. Das Bild war zwar winzig und die Qualität manchmal schwankend, aber immerhin konnten wir die Spiele live gucken!"

"Mögen die Bundesliga mit den vielen Stehplätzen"



2009 hat sich die TV-Situation wesentlich gebessert, seitdem Eurosport 2 fünf Bundesliga-Spiele pro Spieltag live überträgt. Doch die Höhepunkte für die Schwedischen Borussen sind natürlich die Live-Erlebnisse in Dortmund und anderen Bundesliga-Arenen. Viele Schweden, die traditionell eher die englische Premier League verfolgen, hatte die WM 2006 mit der großartigen Stimmung in den deutschen Stadien begeistert.

"Vor allem Fans, denen die Stimmung wichtig ist, mögen die Bundesliga mit den vielen Stehplätzen, wo es sich die Fans leisten können, jedes Wochenende ins Stadion zu gehen. Im Gegensatz zu England, wo die Stimmung aufgrund der teuren Preise und der Abwesenheit von Stehplätzen in den letzten Jahren schlechter geworden ist. Genauso mögen viele schwedische Fans, dass in Deutschland keine Scheichs oder Oligarchen einfach einen Verein kaufen und als "Spielzeug" halten können", nennt Carlsson Gründe für die gestiegene Popularität des deutschen Fußballs. Auch in Schweden gebe es eine Regel, die der deutschen 50+1 Regel entspreche.

Am liebsten zu den Samstagsspielen nach Deutschland fliegen



Etwa drei bis fünf Mal pro Saison der harte Kern der Schwedischen Borussen nach Deutschland. Präziser gesagt, fliegen sie meistens in kleineren Gruppen ab Göteborg oder Stockholm. Am beliebtesten sind für die schwarz-gelben Schweden die Samstagsspieltage, die die Skandinavier gerne mit einer oder zwei Übernachtungen verbinden. Sofern die Schwedischen Borussen nicht selbst live im Stadion stehen oder sitzen, schauen sich viele Mitglieder in Göteborg und Stockholm regelmäßig die Spiele zusammen in der Kneipe an. In diesen größeren Städten kennt man sich. Andere Mitglieder wohnen überall verstreut in Schweden, das immerhin fast 100.000 Quadratmeter größer ist als Deutschland.

"In unserer Stammkneipe in Göteborg werden auch schon mal Fangesänge angestimmt, was manch anderen Kneipenbesucher ab und zu verwirrt", lacht Stefan Carlsson. An diese schwedische BVB-Südtribünen-Atmosphäre werden sich die Göteborger sicher mehr und mehr gewöhnen. Die schwarz-gelben Schals kennt man ja inzwischen auch.