Rekordmeister Bayern München, Vizemeister Werder Bremen oder Champions-League-Aspirant Schalke 04? Sollen sie doch kommen, die Römer! Die Bundesliga-Gallier von 1899 Hoffenheim schärfen 18 Tage vor dem Saisonauftakt bei Energie Cottbus die Waffen und träumen trotz der offiziellen Vorgabe Klassenerhalt vom Angriff auf die Spitzenclubs.

"Fußball ist unberechenbar. Vielleicht schlagen wir die Bayern ja schon in der kommenden Saison. Auf jeden Fall wollen wir sie schlagen, wenn wir gegen sie spielen", sagt Hoffenheims Trainer Ralf Rangnick. Anlass für Rangnicks Optimismus ist der Sieg gegen den ehemaligen englischen Meister Blackburn Rovers (3:1) in der Vorbereitung.

Riesenbegeisterung beim Dorfclub

"Wenn wir es schaffen, so zu spielen, so über 90 Minuten Druck auszuüben, haben wir gegen jeden Gegner in der Bundesliga die Chance, ihn zu schlagen", erklärt Rangnick im Interview mit dem "kicker".

Die Euphorie ist beim Dorfclub nach dem Durchmarsch von der Regionalliga in die Bundesliga ohnehin nicht mehr zu bremsen. "Die Begeisterung ist viel größer, als ich mir das jemals ausgemalt habe", sagt Hoffenheims bodenständiger "Druide" Dietmar Hopp.

Mindestens genauso wichtig wie die Ausgaben für den sportlichen Bereich waren die zukunftsorientierten Investitionen in die Infrastruktur. Direkt an der Autobahn A6 entsteht in Sinsheim eine neue Fußball-Arena, in der die Hoffenheimer ab dem Beginn der Rückrunde ihre Heimspiele austragen werden. Die erste Saisonhälfte wird nach Mannheim ausgewichen.

Tourismus an der Baustelle

Im Nachbarort Zuzenhausen wird zudem ein altes Jagdschloss zur Geschäftstelle umgebaut. "Das Tempo der Veränderungen ist extrem hoch", sagt Manager Jan Schindelmeiser zum Sprint Hopps in Richtung nationale Spitze.

Die Fans können es derweil kaum noch abwarten, bis die neue Rhein-Neckar-Arena in Sinsheim fertiggestellt ist. Oberbürgermeister Rolf Geinert rieb sich zuletzt bereits verwundert die Augen, weil ein wahrer Stadion-Tourismus auf der Baustelle ausgebrochen ist.

"Selbst aus dem Ruhrgebiet waren schon Besucher da, die sich über Hoffenheim und das Stadion informieren wollen. Wir schweben auf Wolke sieben, nein, auf Wolke 1899", meint Geinert.

Ferrari im Torenwagenrennen

In höheren Sphären schwebt derzeit auch der Nigerianer Chinedu Obasi, der dank des Olympia-Dopings und der Freigabe durch Hoffenheim bislang eine überragende Vorbereitung absolviert.

"Ich bin sicher, dass er uns unser Entgegenkommen doppelt und dreifach danken und zurückzahlen wird. Manchmal kommt er mir vor wie ein Ferrari in einem Tourenwagenrennen", sagte Rangnick, der vor dem Auswärtsspiel in Cottbus am 16. August aber dennoch einen weiteren Hochkaräter für den Sturm verpflichten will.