Für Jürgen Klopp hatte die Mannschaftsaufstellung gegen Mainz auch etwas von einem Puzzle: "Wir mussten Jungs durchjagen, die nicht für 90 Minuten ausgelegt waren." Die Verletztenliste beim BVB wächst beständig und nagt an der Substanz.

Patrick Owomoyela übte sich nach der Nullnummer gegen den 1. FSV Mainz 05 in Galgenhumor: "Mit unseren Ausfällen könnten wir eine Klasse-Mannschaft zusammenstellen." Jüngstes Opfer der "schwarz-gelben" Verletzungsmisere war Dimitar Rangelov, der sich im Training den Mittelfuß gebrochen hat.

"Eine wirklich extreme Personalsituation"

So wie der Bulgare werden auch Sebastian Kehl (Adduktoren-OP), Dede (Innenbandriss im Knie), Tamas Hajnal (Bandabriss im Sprunggelenk), Yasin Öztekin (Haarriss im Schienbein) und Damien Le Tallec (Schulter-OP) in diesem Jahr definitiv nicht mehr für die Borussia auflaufen.

Immerhin könnte Sven Bender nach seinem Faserriss im Oberschenkel für das Spiel in Hoffenheim am Samstag wieder eine Alternative sein, Tinga mit seinen Adduktorenbeschwerden eher noch nicht.

"Wir haben derzeit eine wirklich extreme Personalsituation - das soll keine Entschuldigung sein, aber es ist nun mal eine Tatsache", stellt auch BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke fest. Er versucht damit zugleich Druck von der Mannschaft zu nehmen. Die ist mit dem torlosen Remis gegen Mainz zwar seit sechs Spielen ungeschlagen. Dem oberen Tabellendrittel und damit dem eigenen Anspruch ist man aber wieder nicht näher gekommen.

Klopp sieht das Positive

"Wir sind bei weitem nicht abgeschlagen", meint Owomoyela, "aber wir hätten die Möglichkeit gehabt, nach oben aufzuschließen. Und darum ärgern mich die verpassten Punkte." Für den BVB war es schon das sechste Unentschieden dieser Spielzeit.

Erinnerungen werden wach an die Vorsaison, als gleich 14 Punkteteilungen die "Remiskönige der Liga" lange Zeit auf der Stelle treten ließen. Diesmal aber sieht auch Klopp den BVB in einer anderen Situation. Der Coach konnte dem 0:0 gegen Mainz angesichts der vielen Ausfälle durchaus etwas Positives abgewinnen: "Wir waren gut organisiert, haben kein Gegentor kassiert."

Lob für Götze

Auch deshalb war Klopp nicht unzufrieden, weil geregeltes Training vor der Partie kaum möglich war. Neben den verletzten Profis fehlten auch die Nationalspieler über weite Strecken. Und der verbliebene Rest plagte sich mit Grippesymptomen und Erkältungen. Jakub Blaszczykowski und Nuri Sahin hätten unter normalen Umständen kaum in der Anfangsformation gestanden - sie waren zwei der "Jungs, die man durchjagen musste", wie es der Trainer formulierte.

Aus der Not versucht Klopp aber einmal mehr eine Tugend zu machen. Anstelle der etablierten Kräfte, die langfristig ausfallen, bekommt die Jugend eine Chance. Gegen Mainz feierte der erst 17-jährige Mario Götze sein Bundesligadebüt. Für seinen Trainer ist er "ein herausragendes Offensivtalent, ruhig am Ball - ich traue ihm viel zu." Das Durchschnittsalter der Elf lag damit bei Spielende gerade einmal bei knapp 23 Jahren.

Watzke fordert volle Konzentration auf den BVB

Was er aber angesichts der vielen Ausfälle gerade von den gestandenen Spielern erwartet, hat BVB-Boss Watzke der Mannschaft auf der Mitgliederversammlung des Vereins am Wochenende noch einmal mit deutlichen Worten ins Stammbuch geschrieben: "Wir müssen in dieser personellen und auch finanziellen Situation eng zusammenrücken. Ich erwarte, dass Ihr Euch ganz auf den BVB besinnt."

Nach absolvierter WM-Qualifikation müsse die ganze Aufmerksamkeit auch der Nationalspieler jetzt dem BVB gelten: "Ihr werdet vom BVB bezahlt, ihr werdet hier mit Respekt behandelt. Ich erwarte, dass ihr den Fokus in den nächsten Monaten eindeutig auf den BVB legt."

Aus Dortmund berichtet Dietmar Nolte