Stuttgart - Bruno Labbadia blies seine Backen auf, die Spieler hüpften ausgelassen im Kreis, und die Fans sangen "Niemals 2. Liga!": Als der VfB Stuttgart den Kopf noch einmal aus der Schlinge gezogen hatte, war allen Beteiligten die Erleichterung deutlich anzumerken.

"Wir wissen genau, was gewesen wäre, wenn wir verloren hätten", sagte Trainer Labbadia nach dem hart erkämpften 3: 2 (0:2)-Sieg bei Schlusslicht Borussia Mönchengladbach. Doch zum Absturz auf den letzten Platz und einer wohl ungemütlichen Woche kam es nicht.

Sachlich statt lautstark

Stattdessen machte der VfB aus einem 0:2-Rückstand noch den ersten Auswärtssieg und schaffte zumindest den Anschluss an das rettende Ufer. "Ich habe schon in der Halbzeit gesagt, dass wir noch zwei oder vielleicht sogar drei Tore machen können", sagte Labbadia, der in der Pause auf ein 4-3-3-System umstellte und auch mit der Hereinnahme von Zdravko Kuzmanovic und Neuzugang Tamas Hajnal ein glückliches Händchen bewies.

Wie ausgewechselt präsentierten sich die Schwaben nach dem Seitenwechsel, agierten plötzlich ballsicher, spielfreudig und zweikampfstark. Die häufigste Frage nach Spielende galt dann auch Labbadias Lautstärke in der Pause. "Das war keine Wutrede, sondern sehr ruhig und sachlich. Der Trainer hat uns Mut zugesprochen und die positiven Aspekte hervorgehoben", sagte Torschütze Martin Harnik: "Mit den Einwechslungen und Systemänderungen hat er frischen Wind hereingebracht."

Hajnal mit gelungenem Einstand

Das galt besonders für Hajnal, der bei seinem VfB-Debüt als Antreiber überzeugte und Hoffnungen weckte für die kommenden Aufgaben im Abstiegskampf. "Tamas sitzt in der Kabine und ist total glücklich. Für ihn war das ein toller Beginn", sagte Sportdirektor Fredi Bobic: "Und er wird noch besser werden."

Labbadia sah zwar noch körperliche Defizite bei dem Ungarn, der erst vor einer Woche aus Dortmund gekommen war. Doch das Kurzpassspiel mit Christian Gentner und Kuzmanovic hatte es dem Coach bereits angetan: "Das haben die Jungs richtig gut gemacht." Hajnal selbst war "froh, dass ich der Mannschaft helfen konnte. Wie wir in der zweiten Hälfte gespielt, gekämpft und an uns geglaubt haben, war klasse. Es hat Spaß gemacht, auf dem Platz zu sein."

Bobic warnt vor Übermut

Auch dank des nötigen "Quäntchen Glück" (Labbadia) und eines Elfmeters reichte es am Ende zu drei Punkten, die der VfB bitter nötig hatte. Denn noch immer beträgt der Rückstand auf den Relegationsplatz drei Zähler. "Es hat sich nichts geändert. Auch wenn der Sieg für die Moral und das Selbstvertrauen extrem wichtig waren", sagte Labbadia nach dem so wichtigen "Sechs-Punkte-Sieg am Niederrhein", wie es die VfB-Homepage beschrieb.

"Dieser Erfolg darf jetzt nicht zu Übermut führen", meinte auch Bobic: "Wir haben schon nächste Woche ein schweres Spiel." Dann kommt der 1. FC Nürnberg nach Stuttgart, der im Hinspiel gegen den VfB in Unterzahl 2:1 gewonnen hatte. "Da haben wir noch etwas gutzumachen", sagte der Sportdirektor.