München - Standardsituationen sind im Fußball eine Kunst für sich. Elfmetertreffer sind die Norm, direkt verwandelte Freistöße brauchen schon einiges an Training, sind dann aber herrlich anzusehen und werden frenetisch gefeiert. Praktisch ein Ding der Unmöglichkeit sind direkt verwandelte Ecken. So verwundert es kaum, dass Julian Schusters Treffer am 29. Spieltag gegen 1899 Hoffenheim, das erste direkte Eckentor seit März 2009, von den Usern von bundesliga.de mit großem Abstand zum "Tor der Saison" gewählt wurde.

Bei der "Königsdisziplin" unter den Standardsituationen muss einfach alles stimmen: Direkt verwandelte Ecken brauchen unheimlich viel Spin, eine gute Portion Glück - und nicht zuletzt einen Torhüter, der zumindest einen Moment lang zögert.

Basler schafft es drei Mal

Hoffenheims Keeper Tom Starke muss man dabei allerdings auch zu Gute halten, dass man bei einer Ecke eigentlich nicht damit rechnen kann oder darf, dass der Schütze den Standard direkt auf den Kasten zieht. Schusters prominentester Vorgänger auf diesem Gebiet ist Mario Basler, der diese Kunst auf die Spitze trieb insgesamt gleich drei direkte Ecken im Netz zappeln ließ.

"Da gehört unglaublich viel Glück dazu. Es gibt keine Absicht bei Eckballtoren, und von mir ist das auch nie geplant gewesen", hatte Basler schon 2009 nach Arnold Bruggniks Treffer im Interview mit bundesliga.de gesagt. Ob es nun bei Schuster Absicht war oder nur pures Glück: 42 Prozent der Stimmen der bundesliga.de-User machen diesen ebenso kuriosen wie herrlichen Treffer zum "Tor der Saison".

Schulz macht's wie Klaus Fischer

Ähnlich spektakulär wie unerwartet war auch Christian Schulz' Treffer gegen den Hamburger SV. Der Verteidiger spielte sich den Ball mit dem Rücken zum Tor auf Höhe des Elfmeterpunkts selbst hoch und setzte zu einem fantastischen Fallrückzieher im Stile von Klaus Fischer an - absolut keine Chance für Hamburgs verdutzten Keeper Jaroslav Drobny. 23 Prozent der Stimmen vereint dieses Tor auf sich, das bedeutet Rang 2 in der Abstimmung.

Im Vergleich zu den beiden Siegertoren war Nuri Sahins Freistoßtreffer gegen Werder Bremen schon fast alltäglich. Aber Sahins wunderbar gezirkelter Linksschuss zum Führungstor gegen die Hansestädter war schlicht perfekt getreten und steht sinnbildlich für Sahins bärenstarke Saison als Anführer der Meistertruppe des BVB. 13 Prozent und Platz 3 sind der verdiente Lohn.

Tzavellas' Befreiungsschlag für die Ewigkeit

Ein Tor der Superlative liegt mit zwölf Prozent der Stimmen auf Platz 4. Georgios Tzavellas von Eintracht Frankfurt hatte bei seinem langen Schlag aus der eigenen Hälfte sicher nicht damit gerechnet, sich in die Geschichtsbücher der Bundesliga einzutragen. 73 Meter Torentfernung bedeuten ewigen Rekord - ganz nebenbei wurde dabei auch noch Nationalkeeper Manuel Neuer düpiert.

Für die erste handfeste Sensation der Saison sorgte Lauterns Ivo Ilicevic mit einem präzisen Schlenzer aus vollem Lauf gegen den FC Bayern am 2. Spieltag. Der Treffer des Kroaten war das "Tor der Hinrunde" und kommt auch in der Saisonabstimmung noch auf zehn Prozent der Stimmen.

Kurios: Kein einziges Tor der Abstimmung wurde von einem Stürmer erzielt, doch umso spektakulärer und unerwarteter waren alle fünf dieser grandiosen Treffer.

Christoph Gschoßmann