Gerade rechtzeitig vor der Derby-Woche mit den Spielen gegen Bochum und den BVB entwickelt der FC Schalke 04 eine neue Geschlossenheit. Die Fans feiern die Mannschaft trotz einer Niederlage - und der Trainer signalisiert viel Geduld für seine jungen Spieler.

War das wirklich Felix Magath? Nach der 1:2-Niederlage der Schalker gegen den VfL Wolfsburg gab der sonst so kritische Trainer einen verblüffenden Satz zum Besten: "So macht das Verlieren fast Spaß!"

Lautstarke Unterstützung für das Team

Dabei meinte Magath allerdings weniger die Tatsache, dass seine Mannschaft dem Meister über weite Strecken mit einer engagierten Leistung Respekt abgenötigt hatte. Auch das teils packende Spiel an sich hätte den Trainer kaum zu seiner ungewöhnlichen Aussage animiert.

Es war vielmehr die Stimmung in der Schalker Anhängerschaft, auf die Magath anspielte. Unmut, Ärger und Pfiffe der letzten Wochen, als etwa Rafinha nach seinen vermeintlichen Abwanderungsgedanken in den Fokus der Fankritik geraten war, scheinen auf Schalke ausgeräumt. Im Gegenteil – lautstarke Unterstützung für das Team, Anfeuerung auch nach dem zweimaligen Rückstand gegen die "Wölfe" und demonstrativer Applaus für Rafinha zeugten von der großen Versöhnung.

"Derby-Woche der Wahrheit"

"Das hat mir sehr gut getan und mir ungeheuer geholfen", war dem kleinen Brasilianer die Erleichterung anzumerken. Auch Felix Magath frohlockte: "Ich bin selbst überrascht, wie stark die Unterstützung der Fans war. Aber das ist genau das, was wir brauchen. Die Fans treiben uns nach vorne!"

Rechtzeitig vor der "Derby-Woche der Wahrheit" proben Mannschaft und Anhänger den Schulterschluss. Schon am Dienstag werden Tausende das Team zum DFB-Pokalspiel beim VfL Bochum begleiten. Samstag folgt in der Liga das "große" Derby bei Borussia Dortmund. "Es hilft natürlich, wenn man weiß, dass die Fans da so hinter einem stehen und einen nach vorne peitschen", bekräftigt Benedikt Höwedes.

"Wir haben Willen und Kampf gezeigt"

Aber nicht nur die zurück gewonnene Liebe der Anhänger macht den Schalkern Mut. Denn trotz der zweiten Heimniederlage haben Trainer und Spieler aus der Partie gegen Wolfsburg Positives mitgenommen. "Jeder hat gesehen, dass wir alles gegeben haben. Wir haben Willen und Kampf gezeigt, daran müssen wir im Pokalspiel anknüpfen", meinte Gerald Asamoah.

Leidenschaft war das große Plus an jenem Abend, mit dem die Spieler die Fans wieder auf ihre Seite gezogen haben. Für drei Punkte aber fehlten letztlich vor allem Cleverness und Konzentration. "Wir haben gut gespielt und unsere Chancen gehabt, aber wir haben sie nicht konsequent genug genutzt", ärgerte sich Heiko Westermann.

"Der Meister war wesentlich effektiver"

Auch Magath freute sich über "vier, fünf gute Gelegenheiten zu einem weiteren Treffer", machte aber zugleich den entscheidenden Unterschied zu den Wolfsburgern deutlich: "Der Meister war wesentlich effektiver. Meine junge Mannschaft ist vielleicht noch etwas unerfahren."

Gegen den VfL hatte der Coach in der Startformation mit Levan Kenia, Benedikt Höwedes, Neuzugang Vasileios Pliatsikas und erstmals auch Lukas Schmitz vier dieser Youngster aufgeboten. "Die Spieler haben eine gute Perspektive und werden sich entwickeln, aber sie brauchen noch Zeit", betont Magath immer wieder.

Gegentreffer ärgern Magath "mächtig"

Allein an der Unerfahrenheit dieser Profis die Niederlage fest zu machen, wäre allerdings zu kurz gegriffen. Schließlich standen auch gegen die "Wölfe" mit Neuer, Bordon, Westermann, Kobiashvili, Rafinha oder auch Asamoah erfahrene Spieler in der Schalker Elf. "So eine junge Mannschaft haben wir nun auch nicht", wagte auch Kevin Kuranyi leisen Widerspruch gegen den Chef, "für unser Verhalten bei den Gegentreffern kann das auch keine Entschuldigung sein. So etwas darf einfach nicht passieren."

Das wiederum befand auch Magath. "Wir haben ganz einfache Fehler gemacht bei beiden Gegentoren. Da waren wir einfach zu unaufmerksam." Und das, ließ der Trainer wissen, habe ihn mächtig geärgert. Da war Felix Magath dann doch wieder ganz der Alte.

Aus Gelsenkirchen berichtet Dietmar Nolte.